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Wie viel ist genug?

Story:
Spätestens die Finanzkrise hat dazu geführt, dass viele altgewohnte "Wahrheiten" über unser Wirtschaftssystem in Frage gestellt werden. Kann das Mantra vom ewigen "Wachstum" wirklich der Weisheit letzter Schluss sein? Aber wenn nicht, wann genau sollen wir dann mit dem Wachstum aufhören? Wie viel ist genug? Robert und Edward Skidelsky beschäftigen sich in ihrem Buch mit genau dieser Frage.

Meinung:
Mit manchen Thesen dürfte man nur auf wenig Widerspruch stoßen: Erstens, ewiges Wirtschaftswachstum ist nicht möglich. Irgendwann stößt man immer an eine Kapazitätsgrenze. Zweitens, wenn die Schere zwischen Arm und Reich in einer Gesellschaft weiter und weiter aufgeht, kommt es ebenfalls irgendwann zu großen Problemen. Kein Vorstandsvorsitzender "muss" mehr als das Hundertfünfzigfache von dem verdienen, was der "einfache Arbeiter" auf dem Lohnzettel stehen hat. Weniger wäre auch genug.

Aber wie viel genau wäre dieses "weniger", das "auch genug" wäre? Hier hört die Einstimmigkeit meistens auf, und die Antworten fallen nicht mehr so leicht. In diesem Buch versuchen Robert und Edward Skidelsky, sich einer Antwort auf diese Frage anzunähern.

Die beiden Autoren sind Vater und Sohn. Robert Skidelsky ist ein renommierter britischer Wirtschaftshistoriker, vor allem bekannt durch seine umfassende Biographie über John Maynard Keynes. Auf der politischen Bühne war er bereits für diverse Parteien, von Labour bis zu den Konservativen, aktiv und sitzt seit 1991 als Baron Skidelsky im britischen Oberhaus. Sein Sohn Edward Skidelsky ist promovierter Philosoph und lehrt an der Universität von Exeter. Außerdem veröffentlicht er regelmäßig Artikel über Philosophie, Religion und Geistesgeschichte in Medien wie "New Statesman", "Telegraph" oder "Spectator".

Bevor die beiden Skidelskys sich ihrer Antwort auf die titelgebende Frage widmen, legen sie zunächst ein ausführliches Fundament. In dreien der insgesamt sieben Kapitel widmen sie sich der Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Wie hat man beispielsweise in der klassischen Antike das Streben nach Geld bewertet, wie im alten Indien? Ab welchem Punkt wurde Habgier von einer Todsünde zur Triebfeder eines ganzen Wirtschaftssystems?

Hier erfährt gerade der wirtschaftshistorisch nur begrenzt vorgebildete Leser eine Vielzahl interessanter Fakten, die oft zur weitergehenden Lektüre an anderer Stelle anregen. Dieser Teil des Buches hätte, beispielsweise unter dem Titel "Wie wir in den faustschen Pakt des Kapitalismus geraten sind", auch gut für sich alleine stehen können.

Danach folgen zwei Kapitel, die andere Ansätze zu einer Lösung als die von den Autoren vorgeschlagenen besprechen. Aber sowohl die Orientierung am schwer fass- und messbaren "Glück", als auch die Ausrichtung an durch die natürliche Umwelt gesetzten Grenzen wird verworfen. Stattdessen entwerfen die Skidelskys ein Konzept des "guten Lebens", für das das verfügbare Einkommen genügen muss.

Bis man an diesem Punkt ist, verlangt das Buch jedoch einiges an Durchhaltevermögen von seinen Lesern. Denn bei aller Fachkenntnis und allen klugen Gedanken, über einen mitreißenden Schreibstil verfügen die Autoren nicht gerade. Wenn dann noch die hohe Informationsdichte gerade der Kapitel, die die Entwicklung zum Status Quo beschreiben, hinzukommt, ist die Lektüre regelrecht Arbeit.

Nicht jeder wird allen Schlussfolgerungen der Skidelskys zustimmen. Beispielsweise zeigen sie im Bereich der Ökologie doch größere Wissenslücken, die ihre Gegenargumente gegen den Begriff der "Nachhaltigkeit" recht wackelig wirken lassen. Etwas ärgerlich ist auch der immer mal wieder vorkommende Rückgriff auf den "gesunden Menschenverstand", mit dem sie sich an einigen Stellen um eine argumentative Begründung drücken. Dass die, vermutlich speziell bei Robert Skidelsky ausgeprägte, Verehrung für Keynes (in der Szene auch "der Meister" genannt) sich gelegentlich Bahn bricht, sorgt dagegen eher für Schmunzeln.

Was die Skidelskys zu sagen haben, ist aber der Lektüre und der Diskussion wert. Auch ihr Ansatz ist sicher nicht der Stein der Weisen, der alle Probleme lösen würde - was die Autoren auch gar nicht behaupten. Einen lohnenden Beitrag zur Debatte leisten sie mit ihrem Buch aber in jedem Fall. Es lohnt sich, sich durch den "Wall aus Griesbrei" zu arbeiten, um ins "Schlaraffenland" der guten Argumente und fruchtbaren Diskussion zu gelangen. Dafür wird Mancher das Buch auch mehrfach lesen, weil beim ersten Mal nicht alle Punkte im Gedächtnis bleiben dürften.

Fazit:
Spätestens die Finanzkrise hat deutlich gemacht, dass es mit den bisherigen Wirtschaftssystemen nicht unbegrenzt so weiter gehen kann. Die Autoren, Vater und Sohn Skidelsky, legen einen Diskussionsansatz für eine Alternative vor. Ihre Argumente sind bedenkenswert, auch wenn der Leser - nicht zuletzt aufgrund des wenig mitreißenden Schreibstils - einiges an Arbeit in die Lektüre investieren muss. Speziell die Kapitel, wie wir in die aktuelle Lage geraten konnten, enthalten eine Vielzahl an interessanten Informationen, die oft auch zur weitergehenden Lektüre anderswo anregen dürften.

Wie viel ist genug? - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Robert Skidelsky, Edward Skidelsky
Wie viel ist genug?
How much is enough? The Love of Money and the Case for the Good Life

Übersetzer: Thomas Pfeiffer, Ursel Schäfer
Erscheinungsjahr: 2013



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Verlag Antje Kunstmann

Preis:
€ 19,95

ISBN:
978-3-88897-822-7

318 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Vieles von dem, was die Skidelskys formulieren, ist mindestens überlegenswert
  • Besonders der Überblick über die Entwicklung hin zum Status Quo ist sehr informativ
Negativ aufgefallen
  • Einen packenden Schreibstil legen die Autoren nicht gerade an den Tag
  • Einige ihre Thesen und Ergebnisse des "gesunden Menschenverstands" sind diskussionsbedürftig
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Rezension vom: 04.03.2016
Kategorie: Kultur & Zeitgeschehen
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