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Das Affenpuzzle

Story:
Computer spielen in unserem Alltag eine immer größere Rolle. Wir verwalten mit ihnen unser Wissen und unsere Arbeit, steuern Maschinen vom CD-Player bis zum Atomkraftwerk, kommunizieren rund um den Globus, schaffen Kunstwerke. Gleichzeitig werden die Computer immer leistungsfähiger und der Anwender muss sich neue Vorsilben merken: Nach kilo-, mega- und giga- kommt gerade tera-, und peta- scheint bereits am Horizont auf.

Man könnte glauben, das mit einem Computer alles möglich ist. Wenn man nur genügend Rechenpower, Zeit und Hirnschmalz darauf verwendet, ist jedes Problem lösbar – oder vielleicht doch nicht? Der israelische Informatiker David Harel zeigt, dass auch Computer ihre Grenzen haben. Manche Probleme können sie nicht lösen – nicht noch nicht, sondern überhaupt nicht.

Meinung:
Viele der Grenzen, die einem im Alltag begegnen, entstehen vor allem durch zu geringe Ressourcen. Aber es gibt auch Dinge, die prinzipbedingt und grundsätzlich unmöglich sind und es immer bleiben werden. Mit ihnen befasst sich David Harel in diesem Buch. Der Informatiker arbeitet schon seit dreißig Jahren am renommierten Weizman-Institut für Wissenschaften in Israel, unter anderem auf Gebieten wie Logik, Berechenbarkeit und Software Engineering. Seit 2005 leitet er das John von Neumann Minerva Center for the Development of Reactive Systems. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Harel neben seinen Büchern vor allem mit einer Interviewreihe im israelischen TV bekannt, in der er mit herausragenden Mathematikern und Informatikern sprach. Für seine Leistungen in Lehre und Forschung wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Um Berechenbarkeit geht es auch in "Das Affenpuzzle". Der Autor erklärt, dass auch der beste Computer bestimmte Fragestellungen nicht beantworten kann, und warum das mehr als ein akademisches Problem ist. Dabei schafft er es, das Thema auch für Leser nachvollziehbar zu erklären, die sich nicht täglich mit Mathematik und Informatik befassen. Auf die für "Uneingeweihte" häufig abschreckende mathematische Formelsprache verzichtet er nahezu völlig. Eine gewisse Affinität zu diesen Gebieten sollte man jedoch schon mitbringen. Wer stolz darauf ist, Mathe schon in der Schule nicht verstanden zu haben, und bei allem oberhalb der vier Grundrechenarten die Waffen strecken muss, ist hier verkehrt. Diese Zielgruppe würde allerdings vermutlich auch eher zu anderen Büchern greifen.

Neben den prinzipiell und für immer unlösbaren Aufgaben befasst Harel sich auch mit solchen, die gewissermaßen praktisch unlösbar sind, weil sie viel zu viele Ressourcen benötigen würden. Wenn wir sämtliche Atome des Universums zur Informationsspeicherung benutzen müssten, um etwas auszurechnen, oder das Programm länger laufen müsste, als bisher seit dem Urknall Zeit vergangen ist, spricht einiges dafür, dass wir das Ergebnis nicht mehr erfahren. Unter der Überschrift "Schmerzlindernde Mittel" beschreibt er Versuche und Forschungsrichtungen, mit denen die Grenzen nicht ausgehebelt, aber ihre Auswirkungen gemildert werden sollen. Einen weiteren Abschnitt widmet der Autor dem, was man mit dem alten Sprichwort "Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Zitronenlimonade daraus" beschreiben könnte. Denn die geschilderten Grenzen lassen sich auch für nützliche Zwecke verwenden, etwa bei Verschlüsselungsverfahren.

Harel hält seine Beispiele und Vergleiche bewußt einfach. Etwa erklärt er das Prinzip eines Algorithmus anhand eines Rezepts für Mousse au chocolat. Das grundlegende Verfahren der Zubereitung ist der Algorithmus, das ausformulierte Rezept das Computerprogramm, und der Koch samt Küche und Hilfsmittel entspricht in diesem Bild dem Computer. Damit will er nicht nur seinen Lesern das Verständnis erleichtern, sondern auch den Effekt erhöhen: Wenn schon so einfache Probleme nicht lösbar sind, was bedeutet das für komplizierte?

Der gut lesbare und mit viel Augenzwinkern geschriebene Stil trägt ebenfalls dazu bei, dass der Leser Harels Erklärungen gut folgen kann. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es doch um eine komplexe Materie geht, für die man auch in "Das Affenpuzzle" eine ordentliche Portion Hirnschmalz aufwenden muss. Aber das Ergebnis lohnt sich und führt zu faszinierenden Einsichten. Für die deutsche Ausgabe hat sich der Verlag mit Dr. Markus Junker von der Universität Freiburg einen Fachmann gesucht, der die Qualitäten des Buches gut übertragen hat.

An einigen Stellen merkt man, dass das Buch bereits ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat. Beispielsweise wird der Begriff "touch screen" erklärt, was heute im Zeitalter von iPhone & Co. wohl nicht mehr nötig wäre.

Bevor sich übrigens die Fraktion der Anhänger von "Diese neumodische Technik taugt doch ohnehin nichts und macht nur Probleme" zu sehr bestätigt fühlen, sollten sie den letzten Abschnitt des Buches lesen. Der steht nämlich unter der Überschrift "Können wir selbst es besser?"...

Fazit:
Ein renommierter Informatiker erklärt auf auch für Laien nachvollziehbare Weise, warum es Fragen gibt, die Computer prinzipiell nicht berechnen können. Keine einfache Kost, aber wer vor einer guten Portion Mathematik und Logik nicht zurückschreckt, dem kann "Das Affenpuzzle" faszinierende Einsichten bringen.

Das Affenpuzzle - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

David Harel
Das Affenpuzzle
Computers Ltd.: what they really can’t do

Übersetzer: Markus Junker
Erscheinungsjahr: 2001



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Springer

Preis:
€ 21,95

ISBN:
978-3-540-42307-2

207 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Der Autor bringt die komplexen Themen auch für interessierte Laien verständlich auf den Punkt
  • Eine gelungene deutsche Übersetzung von einem Fachmann auf dem Gebiet
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 23.12.2010
Kategorie: Natur, Wissenschaft und Technik
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