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Folke 01: Der Thorshammer

Story:
Im heißen Sommer des Jahres 925 wird ein Handelsschiff der Wikinger kurz vor seinem Ziel von einem Blitz versenkt. Besatzung und Passagiere können sich in die Stadt Haithabu retten, aber die Ladung liegt auf dem Grund. Schnell entstehen Gerüchte, das Boot habe wertvolle Schmuggelware an Bord gehabt. Die würde so mancher sich gerne unter den Nagel reißen. Oder spielen die ständigen latenten Grenzstreitereien mit Franken und Sachsen eine Rolle? Oder haben gar die Götter selbst ihre Hand im Spiel? Die Neugier des jungen Bootsbauers Folke ist geweckt, aber bald gibt es den ersten Toten...

Meinung:
Die Wikinger kommen! Dieser Ruf versetzte zu ihrer Zeit ganz Europa in Schrecken. Aber die Nordmänner waren nicht nur die wilden Krieger, die bei ihren Raubzügen erbarmungslos ganze Siedlungen auslöschten. Sie waren auch hervorragende Seemänner und geschickte Kaufleute. Sie reisten und handelten von Grönland bis Griechenland, von der Wolga bis zur iberischen Halbinsel. Mit Leif Eriksson stellten sie sogar den "eigentlichen" Entdecker Amerikas, der fast ein halbes Jahrtausend vor Kolumbus die neue Welt erreichte. Ethnologisch sind "die Wikinger" übrigens kein einheitliches Volk, sondern eine Bezeichnung für die seefahrenden, kriegerischen Angehörigen verschiedener germanischer oder auch baltischer Völker.

"Der Thorshammer" gibt einen Eindruck, wie das Leben in der aufstrebenden Handelsstadt Haithabu gewesen sein mag. Haithabu ist die südlichste Siedlung der Wikinger und die erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa. Damals lag sie im umkämpften Grenzgebiet zwischen Nordmännern, Franken und Sachsen, heute gehört das Gebiet zu Busdorf bei Schleswig in Schleswig-Holstein.

Und Kari Köster-Lösche macht ihre Sache nicht schlecht. Zwar ist ihre Sprache etwas betulich, beispielsweise verwendet sie gerne eine Wendung, die man vor allem aus Bibelparodien kennt: "Folke aber ging und...", "Thorbjörn aber sagte" oder ähnliches. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran, und gewinnt vor allem die Figuren lieb.

Die zeichnet die Autorin geschickt und gibt so ziemlich jedem Charakter sowohl sympathische als auch unsympathische Züge. Dabei übertreibt sie es eigentlich nur bei der Hauptfigur. Der junge Bootsbauer Folke ist so deutlich ausbalanciert, so betont neutral in verschiedener Hinsicht, dass es schon negativ auffällt. Aber er bleibt damit die klare Ausnahme.

Die Geschichte ist kein klassischer Whodunit, der zufällig bei den alten Wikingern spielt. Stattdessen erzählt Köster-Lösche eher eine Geschichte von den alten Wikingern, die man auch, aber nicht nur als Krimi einsortieren kann. Ebenso gibt es Elemente einer Liebesgeschichte, einer Familiensaga, eines Religionskonflikts (Thor und Odin in Konkurrenz zum christlichen Gott) und anderes. Was die historische Einbindung betrifft, fällt auch dem vorgebildeten Laien kein grober Schnitzer auf. Tatsächlich macht Köster-Lösche die Kultur und Geisteshaltung der Wikinger nachvollziehbar. Häufig fällt auf, wie vorsichtig die Nordmänner miteinander umgehen, um sich auch ja nicht gegenseitig zu beleidigen. Eine Aufforderung wie "Sieh her!" gilt da schon als vielleicht unangemessener Befehl, der übel genommen werden könnte. Kein Wunder in einer Gesellschaft, in der Streitigkeiten noch meist mit der Streitaxt ausgetragen werden und ganze Sippen miteinander in Fehde und Blutrache liegen.

Die Autorin hat schon biographisch eine Affinität zur Region, in der "Der Thorshammer" spielt. Kari Köster-Lösche ist die Tochter eines schwedisch-deutschen Paares und wuchs in beiden Ländern auf. Neben den insgesamt drei Bänden mit den Abenteuern des jungen Folke hat sie eine erkleckerliche Zahl weiterer historischer Romane geschrieben, die oft im Norden spielen, aber auch beispielsweise im antiken Griechenland. Hinzu kommen Bände zur Kulturgeschichte Nordfrieslands. Daneben gehört ihre Liebe der Wissenschaft. Sie studierte in Gießen Veterinärmedizin und verfasste Bücher zur Medizingeschichte und medizinische Ratgeber. Vor einigen Jahren machte sie eine prägende Erfahrung, als sie als eine der ersten öffentlich die Meinung vertrat, dass die Rinderseuche BSE auch für Menschen gefährlich sei. Das brachte ihr heftige Kritik bis hin zu Berufsgerichtsverfahren ein. Diese Erlebnisse sind in ihren Romanen seither immer wieder spürbar.

"Der Thorshammer" stammt jedoch noch aus einer früheren Zeit. Kari Köster-Lösche hat hier sicher kein nobelpreiswürdiges Buch vorgelegt, aber für einige Stunden Unterhaltung an einem verregneten Herbstnachmittag ist in jedem Fall gesorgt.

Fazit:
In ihrem Roman aus der Wikingerzeit macht Kari Köster-Lösche die "wilden Nordmänner" lebendig und ihre Kultur und Geisteshaltung nachvollziehbar. Auch die Figurenzeichnung ist, mit Ausnahme des übertrieben neutralen Protagonisten, gelungen. Sprachlich fallen einige eher altbackene Formulierungen negativ auf, an die man sich jedoch im Laufe des Buches gewöhnt.

Folke 01: Der Thorshammer - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Kari Köster-Lösche
Folke 01: Der Thorshammer
Erscheinungsjahr: 1996 (diese Ausgabe)



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Goldmann Verlag

ISBN:
3-442-43283-9

237 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Die Figugenzeichnung ist, mit Ausnahmen, gelungen
  • Kultur und Geisteshaltung der Wikinger werden gut nachvollziehbar
Negativ aufgefallen
  • Der Protagonist ist zu eindeutig neutral ausbalanciert
  • Es schleichen sich einige betulich-altbackene Formulierungen ein
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Rezension vom: 08.10.2013
Kategorie: Historisches
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