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Falconer 01: Im Namen des Falken

Story:
England, Mitte des 13. Jahrhunderts. Wie das ganze Land wird auch Oxford vom Bürgerkrieg der aufständischen Barone gegen König Heinrich erschüttert. Dabe herrschen zwischen der Stadt und der Universität ohnehin mehr als genügend Spannungen, die sich regelmäßig in blutigen Straßenkämpfen entladen.

Im Jahr 1264 ist der Student Thomas Symons gerade in Oxford angekommen, als er wortwörtlich über die Leiche eines jungen Mädchen stolpert. Die aufgebrachten Bürger glauben nur zu gerne, in ihm den Mörder gefunden zu haben. Nur durch Zufall wird Thomas von seinem Lehrer Master Falconer gerettet. In dieser aufgeheizten Atmosphäre muss der Dozent schnell den wahren Täter finden. Dabei mangelt es Master Falconer wahrlich nicht an Verdächtigen, und der Mörder ist nicht der einzige, dem die Deduktionen des Universitätslehrers gar nicht recht sind...

Meinung:
Der Verlag zitiert auf dem Backcover die Oxford Times, die Ian Morson als "weit besser als Ellis Peters" bezeichnet. Diese Schuhe sind, jedenfalls im ersten Band der Abenteuer von Master William Falconer, allerdings eine gehörige Portion zu groß. Außerdem fühlt sich der Leser nicht unbedingt an Bruder Cadfael erinnert, sondern eher an einen anderen Meisterdetektiv: Mit seinem unbedingten Vetrauen auf Logik und Deduktion erinnert Master Falconer eher an Sherlock Holmes.

Qualitativ ist aber auch der Vergleich mit dem Mann aus der Baker Street zu hoch gegriffen. Negativ fällt vor allem auf, dass Morson seinen Helden zu perfekt gestaltet. Er ist natürlich hochintelligent und lässt sich von den verbreiteten Ansichtung und Vorurteilen seiner Epoche nicht beeinflussen. Außerdem ist er körperlich stark, kann aber auch ganz sanft sein.

Man könnte vermuten, dass diese Unausgewogenheit dem Autor selbst aufgefallen ist und er Master Falconer deshalb wie nachträglich ein deftiges Handycap mitgegeben hat. Der Dozent ist nämlich praktisch blind, was weiter als die eigene Nasenspitze entfernt ist sieht er nur als verschwommene Umrisse. Dadurch wird der Protagonist auf der anderen Seite wieder so stark eingeschränkt, dass es dem Leser irgendwann auf die Nerven geht.

Es gibt allerdings nicht nur Negatives über diesen Roman zu sagen. Gut gelungen ist Morson die Schilderung aus verschiedenen Perspektiven. Denn die Geschichte wird nicht nur aus der Sicht von Master Falconer erzählt, sondern gleich ein rundes halbes Dutzend Figuren übernehmen im Wechsel diese Rolle. Das hilft dem Autoren nicht nur dabei, seine Welt zu entwickeln. Das Vorgehen erweist sich auch als Kunstgriff dafür, die Spannung hochzuhalten. Denn durch die unterschiedlichen Perspektiven entwickelt sich auch die Handlung auseinander. Jeder der (zeitweisen) Protagonisten hat seine eigenen Ideen und wird eigenständig aktiv. Dabei Überblick und Kontrolle zu behalten, ist für Morsons Ermittler alles andere als leicht.

Einer der Charaktere, durch dessen Augen der Leser sieht, ist sogar der Mörder selbst. Motiv, die genaue Vorgehensweise und so weiter sind also den gesamten Roman über kein Geheimnis. Natürlich verrät der Autor erst am Ende, hinter welcher "Maske" unter den anderen Figuren sich der Täter verbirgt. So erhält er die Spannung weiter aufrecht, verstärkt sie sogar noch. Auf der anderen Seite entwickelt man als Leser beinahe so etwas wie Verständnis für den Mörder. Man heißt seine Taten nicht gut, aber man kann nachvollziehen, warum er tut, was er tut. Bei vielen Lesern wird sich auch ein Stück Mitleid dazugesellen. Aber hier soll nicht zu viel verraten werden.

Die historische Einbettung ist, abgesehen vom Helden der Serie, gut gelungen. Die damalige Zeit war tatsächlich voller Unruhen. Bereits als er als Neunjähriger hastig zum König gekrönt wurde, sah sich Heinrich III. mit rebellierenden Baronen und französischen Angreifern konfrontiert. Und 1264, im Jahr der Romanhandlung, war sogar Rebellenführer Simon de Montfort de facto Herrscher, weil Heinrich im Vorjahr in Kriegsgefangenschaft geraten war. Die Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und der Universität werden ebenfalls realistisch beschrieben. Spannungen dieser Art, die nicht selten blutige Ausmaße annahmen, gab es zwischen den meisten mittelalterlichen Universtitäten und "ihren" Städten.

Nur der Held der Reihe, Master Falconer, fällt wie erwähnt aus dem Rahmen. Nicht nur hat er alle Vorurteile beispielsweise gegen Juden schon lange abgelegt, er gibt sich auch keiner der heute als "mittelalterlich" verschrieenen Vorstellungen hin. Tatsächlich wirkt er oft wie ein heutiger Mensch, den es zufällig ins 13. Jahrhundert verschlagen hat.

Der Autor Ian Morson ist natürlich ein heutiger Mensch, der 1947 in den Midlands geboren wurde. Das Kind einer Arbeiterfamilie besuchte er die erste Schule des Landes, an der Russisch unterrichtet wurde. 1965 erhielt er ein Stipendium, mit dem er an der Universität von Oxford russische Literatur und Sprache studieren konnte. Während dieser Zeit entwickelte Morson ein Faible für Folk Music. Einige Jahre forschte er über dieses Genre an der Universität von Leeds, bevor er, um die Rechnungen bezahlen zu können, einen Job in einer Bibliothek annahm. Zum "ernsthaften" Schreiben kam Ian Morson erst mit über 40 Jahren, und, wie er es auf seiner Homepage formuliert, "I've not looked back". Neben bisher neun Abenteuern von Master Falconer gehören zu seinem Werk weitere Romane und Kurzgeschichten.

Fazit:
"Im Namen des Falken" ist ein solider historischer Roman, der vor allem unter zwei Dingen leidet: Unter seiner einerseits übermächtigen, anderseits stark eingeschränkten Hauptfigur, sowie unter zu hohen Erwartungen durch die (allerdings branchenübliche) Verlagswerbung. Gut gefällt dagegen, dass der Autor seine Leser durch die Augen vieler Figuren, darunter sogar der Mörder höchstpersönlich, blicken lässt.

Falconer 01: Im Namen des Falken - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ian Morson
Falconer 01: Im Namen des Falken
Falconer's Crusade

Übersetzer: Bruno Genzler
Erscheinungsjahr: 1995



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Goldmann Verlag

ISBN:
3-442-42856-4

220 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven, sogar aus der des Mörders, erzählt
  • Die historische Einbettung ist gelungen
Negativ aufgefallen
  • Der Hauptprotagonist ist einerseits zu perfekt, bekommt andererseits wie nachträglich ein deftiges Handycap
  • Die Verlagswerbung legt die Latte deutlich zu hoch
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Rezension vom: 16.09.2013
Kategorie: Historisches
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