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Null-Null-Siebzig 01: Operation Eaglehurst

Story:
Sein Name ist Gerald. James Gerald. Früher war er Agent beim britischen Geheimdienst SIS, inzwischen ist er jedoch siebzig Jahre alt und in Pension. Als ein alter Freund und Kollege in einer Seniorenresidenz stirbt, glaubt James als einziger an ein Verbrechen. Also quartiert er sich selbst in "Eaglehurst" ein und beginnt nachzuforschen. Schon kurz nach seiner Ankunft gibt es einen weiteren Todesfall zu beklagen...

Meinung:
Böse Zungen behaupten, es läge am Alter: Null-Null-Siebzig braucht seine Zeit, um in Fahrt zu kommen. Aber der Reihe nach.

Die Grundidee des Romans ist bestechend: James Bond, vierzig Jahre später. Der Agent ist in Pension, hat nichts von seinem Scharfsinn, aber durchaus etwas von seiner Mobilität verloren. Ohne Rollator geht nicht viel. Natürlich fehlen weder die üblichen technischen "Spielzeuge", zu denen auch der erwähnte Rollator gehört, noch die "Bond-Girls". Letztere werden vor allem von James' langjähriger Chefsekretärin Sheila verkörpert, die auch mit 67 mit Vorliebe Miniröcke trägt (und tragen kann). Diese Konstellation trifft auf die Seniorenresidenz Eaglehurst, wo der Höhepunkt der Woche aus dem Bingo-Nachmittag besteht.

Wer treibt wen zuerst in die Verzweiflung, Bond, ähm, Gerald die Bewohner und Mitarbeiter des Altenheims oder umgekehrt? Und ist tatsächlich etwas dran an James' Verdacht, dass sein alter Freund William in Eaglehurst keines natürlichen Todes gestorben ist? Damit bestreitet die Autorin einen Großteil der rund 270 Seiten. Das Ergebnis ist durchaus amüsant, besonders wenn das innere Auge seinen Teil beiträgt. Wer sich nicht bildlich vorstellt, wie der siebzigjährige Ex-Agent mit den alten Leutchen beim Tee sitzt, wie er in seinem Zimmer trotz Rauchverbot pafft oder wie er sich mit Sheila kabbelt, verpasst viel vom Reiz dieses Buches.

Die Britishness von Double-O-Seventy wirkt dabei nicht hunderprozentig echt. Es ist schwer, den Finger auf die genaue Ursache zu legen, aber man könnte von "Bühnen-Britisch" sprechen: So stellt sich der gemeine Deutsche wohl das Britisch-Sein vor. Der Roman verwendet alle Attribute, die auch in einem Theaterstück vorkommen würden, um dem Zuschauer klarzumachen: Also das hier ist britisch, nicht wahr? Aber es bleibt ein Touch von Kulisse. Das ist jedoch nicht als besonders gravierender Kritikpunkt gemeint. Man könnte sagen, der Roman leiht sich das britische Kostüm für ein paar Stunden aus, um seine Leser zu unterhalten. Mehr verspricht das Buch auch nicht.

Bis hierhin ist "Operation Eaglehurst" ein netter, aber nicht besonders tiefgründiger Roman, der sich beispielsweise als Reiselektüre sehr gut eignen würde: Ein paar Stunden gute Unterhaltung, die sich flüssig lesen, danach dürfte das Buch schnell in Vergessenheit geraten. Aber ziemlich genau im letzten Viertel nimmt Null-Null-Siebzig fast überraschend Fahrt auf. Die Charaktere sind inzwischen genügend eingeführt, um über ihre jeweilige Rolle – James Gerald als James Bond-Derivat, Sheila als "das Mädchen" und so weiter – hinaus Interesse beim Leser zu finden. Man möchte wissen, was aus ihnen wird, ob und wie sie die am Horizont aufziehenden Gefahren überleben. Das Finale und die Auflösung(en) hätten auch einem "normalen" Krimi ohne das Gimmick des gealterten Geheimagenten gut zu Gesicht gestanden.

Dadurch wird der erste "Null-Null-Siebzig"-Band ein Stück weit ambivalent. Zunächst ist es ein amüsanter, aber weitgehend "harmloser" Krimi, wie man ihn etwa nach einer anstrengenden Woche im Büro am Wochenende zum Entspannen liest. Der Schluss ist dann längst nicht mehr so harmlos und braucht sich hinter einem ausgewachsenen Kriminalroman nicht zu verstecken. Diese gewisse Doppelgesichtigkeit ist kein gewaltiges Manko des Romans, aber man sollte als Leser wissen, dass man mit diesem Buch gewissermaßen beides bekommt.

Die Anlehnungen an eine andere Legende der britischen Kriminalliteratur, die im kurzen Nachwort aufgezeigt wird, ist im Nachhinein gut sichtbar. Während des Lesens wären aber wohl nur die wenigstens darauf gekommen, gerade diesen Charakter aus dem Hintergrund winken zu sehen.

Die Autorin Marlies Ferber, 1966 geboren, hat seit ihrer Jugend ein Faible für alles Englische. Beruflich wandte sie sich dann aber zunächst einer anderen Region zu und studierte neben Germanistik Sinologie. Danach arbeitete sie als Buchredakteurin bei verschiedenen Verlagen, bevor sie sich als Übersetzerin, Redakteurin und Autorin selbständig machte. Das erste Abenteuer von Agent Null-Null-Siebzig ist auch ihr erster eigener Roman.

James Gerald ist derweil bereits unterwegs zu seinem nächsten Fall: Im zweiten Band "Agent an Bord" schickt die Autorin ihn auf Kreuzfahrt.

Fazit:
James Bond, ähm, James Gerald, vierzig Jahre später. Was als amüsanter, aber weitgehend harmloser Krimi mit bestechender Grundidee beginnt, mündet in eine Auflösung, die sich hinter einem "ernsthaften" Kriminalroman nicht zu verstecken braucht.

Null-Null-Siebzig 01: Operation Eaglehurst - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Marlies Ferber
Null-Null-Siebzig 01: Operation Eaglehurst
Erscheinungsjahr: 2012



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
dtv

Preis:
€ 9,95

ISBN:
978-3-423-21345-5

271 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Die bestechende Grundidee wird angemessen umgesetzt. Das hätte theoretisch auch peinlich werden können.
  • Die Konfrontation des gealterten Agenten mit den noch mehr gealterten Bewohnern der Seniorenresidenz fällt amüsant aus.
  • Das Ende würde jedem "normalen" Krimi gut zu Gesicht stehen.
Negativ aufgefallen
  • Die "Britishness" wirkt etwas aufgesetzt, wie Kulisse
  • Der vergleichsweise harmlose Hauptteil und das ernsthaftere Ende wirken zusammen etwas doppelgesichtig.
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Rezension vom: 04.02.2013
Kategorie: Krimi
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