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Von Ladies, Leichen und Ganoven

Story:
Ein Landpfarrer trickst den gerissensten Ganoven Europas aus, ein Uhrmacher rächt den Tod seines Bruders auf ebenso brutale wie kreative Weise, und neben dem berühmtesten von allen hat auch der erste Detektiv der Weltliteratur seinen Auftritt. Das 19. Jahrhundert war offenbar eine gute Zeit für Kriminalgeschichten, von denen eineinhalb Dutzend in diesem Band gesammelt sind.

Meinung:
Kriminalgeschichten, die beispielsweise im englischen Mittelalter oder im alten Rom spielen, haben einen Nachteil (oder Vorteil, je nachdem wie man es betrachtet): Weder Autor noch Leser lebten in der Zeit, in der die Charaktere agieren. Beim 19. Jahrhundert ist das anders. Seit Edgar Allan Poe 1841 erstmals seinen Auguste Dupin auf die Spur geheimnisvoller Verbrechen schickte, haben sich unzählige Autoren an Detektivgeschichten versucht. Die Herausgeberin Doris Mendlewitsch versammelt in diesem Band 18 Geschichten "von Ladies, Leichen und Ganoven", die nicht nur im 19. Jahrhundert spielen, sondern auch in dieser Epoche geschrieben wurden.

Dabei lässt sie, was die zeitliche Grenze angeht, Großzügigkeit walten. Einige der Detektive, denen der Leser begegnet, wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Papier gebracht. Ihre Abenteuer sind aber nach wie vor stark vom vorherigen Säkulum geprägt, und keine entstand nach dem gewaltigen historischen Einschnitt des Ersten Weltkriegs. Vertreten sind neben vertrauten Namen wie Arthur Conan Doyle, G. K. Chesterton, Anton Čhechov, Poe oder Ambrose Bierce auch Autoren, die dem nicht mit der Epoche vertrauten Leser auf den ersten Blick weniger sagen. Die Geschichten sind in Thematik und Stil durchaus unterschiedlich und spiegeln gut die Bandbreite wieder, die die Kriminalgeschichte bereits in den ersten Jahrzehnten ihres literarischen Daseins erreicht hat.

Gemeinsam haben sie jedoch eine gewisse Eleganz und die Art von Klugheit, die man nicht mit Cleverness verwechseln sollte. Chesterton lässt es seinen Ermittler Valentin gleich in der ersten Geschichte sozusagen zur Hälfte auf den Punkt bringen: "Der Verbrecher ist der schöpferische Künstler, der Detektiv nur der Kritiker". Und tatsächlich findet man in diesem Band anstelle des plumpen Killers eher den Gentleman-Gangster, dem man auch als Leser seine Verbrechen nur bedingt übel nehmen kann. Neben eben der Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts wird sich mancher an "Der Clou" oder Edgar Wallaces Geschichten um das "Silberne Dreieck" erinnert fühlen. Das soll aber nicht heißen, dass keine "richtigen" Verbrechen begangen werden: Die schon im Titel genannten Leichen kommen sehr wohl vor. Außerdem stellt die zitierte Bemerkung das Licht der Ermittler unter den Scheffel, denn auch unter ihnen gibt es genügend schöpferische Künstler in diesem Sinne.

Im Vergleich mit heutigen Krimis sind die Gesichten in diesem Buch also merklich anders. Nicht nur der Stil ist eleganter, schörkeliger als meist in unserer Zeit, man merkt auch, dass seinerzeit das Künstlerisch-Literarische gegenüber der reinen Kriminalgeschichte im Vordergrund stand. Das wird nicht Jedermanns Geschmack sein. Wer einen reinrassigen Thriller oder eine hard boiled detective story erwartet, ist bei "Von Ladies, Leichen und Ganoven" falsch. Wem aber etwa die Eskapaden eines Arsene Lupin (der ebenfalls mit einer Geschichte vertreten ist) schon immer ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert haben, hat ein paar angenehme Stunden vor sich. Positiv fällt auch auf, dass es zu jedem Autor zumindest ein paar Zeilen Kurzbiografie gibt. Der Band ist aktuell nur noch antiquarisch erhältlich, aber auf dem Gebrauchtmarkt gut zu bekommen.

Die Herausgeberin Doris Mendlewitsch ist Autorin und Kommunikationsberaterin und hat 1987 ihren Dr. phil. Erworben. Neben wissenschaftlicher Fachliteratur gehören zu ihrem Werk unter anderem eine Buchreihe zur ARD-Kinderwissenssendung "Wissen macht Ah!" (gemeinsam mit anderen Autoren), Reiseführer oder Übersetzungen aus dem Amerikanischen. Auf "Von Ladies, Leichen und Ganoven" folgten drei weitere Bände mit historischen Kriminalgeschichten aus anderen Epochen.

Fazit:
Herausgeberin Doris Mendlewitsch versammelt Kriminalgeschichten, die nicht nur im 19. Jahrhundert spielen, sondern auch in dieser Epoche geschrieben wurden. Zu vertrauten Namen wie Conan Doyle, Chesterton, Čhechov, Poe oder Bierce gesellen sich Autoren, die eher dem Fachmann bekannt sind. Wer ein Faible für den eleganten Gentleman-Gangster und einen mehr künstlerisch-literarisch als "kriminalistisch" geprägten Erzählstil hat, kann sich auf einige angenehme Stunden freuen. Wer jedoch hard boiled crime oder einen nervenzerfetzenden Thriller erwartet, ist hier falsch.

Von Ladies, Leichen und Ganoven - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Doris Mendlewitsch (Hrsg.)
Von Ladies, Leichen und Ganoven
Übersetzer: Diverse
Erscheinungsjahr: 1994



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Econ

ISBN:
3-612-25097-3

466 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Eine reizvolle Auswahl für Freunde von Gentleman-Gangstern und Lady Detectives
Negativ aufgefallen
  • Wer mit dem Stil und Duktus nichts anfangen kann, der sich doch merklich von aktuellen Krimis unterscheidet, wird enttäuscht werden
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Rezension vom: 19.11.2012
Kategorie: Historisches
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