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New York 1999

Story:
Es ist das Jahr 1999, und die Bevölkerungsexplosion hat voll zugeschlagen. Alleine in New York City drängen sich fünfunddreißig Millionen Menschen. Die meisten von ihnen versuchen, sich mit dem, was die staatliche Wohlfahrt bieten kann, mehr schlecht als recht durchzuschlagen. Die macht inzwischen beinahe den kompletten Staatshaushalt aus, aber für mehr als ein bisschen Ersatzlebensmittel aus Plankton reicht es nicht. Fleischimitat aus Soja ist Luxus, echtes Fleisch praktisch unbezahlbar. Das Wasser ist rationiert und wird auch schon mal für Tage gesperrt.

Andy Rusch ist Polizist und wird zum Schauplatz eines Mordes gerufen. Eigentlich will er auch in diesem Fall so verfahren, wie er es schon so oft getan hat: Wenn die Spuren sofort zum Täter führen, wird er festgenommen, weitere Ermittlungen kann die total unterbesetzte und überlastete Polizei nicht leisten. Aber der Tote war "Big Mike", eine Art Verbindungsmann zwischen dem organisierten Verbrechen und der Politik. Und es gibt Hinweise darauf, dass ein Gangsterclan von außerhalb der Stadt seine Finger im Spiel hat. Also wird der Polizei "nahegelegt", den Mörder schnellstmöglich zu fassen. Aber nicht nur die gewohnten Widrigkeiten der völlig überfüllten Stadt behindern Andys Ermittlungen, er wird auch von der geradezu atemberaubenden Ex-Geliebten des Toten abgelenkt.

Meinung:
Dieses Buch ist kein Krimi. Dieses Buch ist auch kein Politthriller. Das Thema dieses Buchs ist viel wichtiger als das.

1972 wies der Club of Rome zum ersten Mal in einer groß angelegten Studie auf das drohende Problem der Überbevölkerung hin. In nicht allzu langer Zeit, so die damalige Prognose, würden allein die Menschen in den USA mehr Rohstoffe verbrauchen, als die gesamte Welt produzieren könnte. Dieser Bericht erfuhr jedoch nicht die Resonanz, die er hätte haben können und müssen. Vielleicht, spekuliert Herausgeber Wolfgang Jeschke im Vorwort zu "New York 1999", weil die Zahlen und Diagramme zu abstrakt und nicht eindrücklich genug waren, um zum Handeln zu bewegen.

Wenn dieser Roman etwas ist, dann eindrücklich. Bereits auf den ersten Seiten macht sich ein beklemmendes Gefühl breit. Das nimmt im Lauf des Buches immer mehr zu, insbesondere dann, wenn die Geschichte aus der Sicht des Nebencharakters Billy Chung erzählt wird. Der lebt in Shiptown, einer Siedlung aus zusammengetäuten, halb abgewrackten Schiffen, die praktisch den gesamten Fluss bedeckt. Dort und eigentlich in der ganzen Stadt ist fast alles knapp: Nahrungsmittel und sonstige Güter von Rasiermesser bis zum Bettlaken, aber auch schlicht Raum. Die Charaktere sind nur selten alleine, immer sind da noch andere Menschen, immer folgen einem mehrere Augenpaare, und wohlgesonnen sind diese Beobachter nur selten. Für etwas zu essen gehen die Menschen buchstäblich über Leichen. An vielen Stellen ergreift den Leser ein fast klaustrophobisches Gefühl, wenn der Autor einen genauso wie seine Figuren nicht zur Ruhe kommen lässt. Der Originaltitel drückt es eigentlich am besten aus: "Make Room! Make Room!", zu Deutsch "Lasst Raum! Lasst mir Raum!".

Im Mittelpunkt der Geschichte steht nicht der Mord. Wer der Täter ist und wie es dazu kam, wird sofort verraten. "New York 1999" ist auch kein Politthriller, in dem Mike die Hintergründe der Tat in hohe und höchste Kreise verfolgen würde. In diese Kreise verschlägt es den Ermittler durchaus, aber eigentlich liefert Harry Harrison ein Gesellschaftsbild. Der Autor zeigt, wie sich eine Gesellschaft, wie sich die Menschen entwickeln, wenn man sie bis an die Grenzen einpfercht. Und dieses Bild ist kein schönes. Jeder ist sich selbst der nächste, auch der Held Andy findet nichts dabei, sich bei seiner Arbeit als Kriminalpolizist mal hier und da einige kleine Vergünstigungen zu sichern. Hoffnung auf eine positivere Zukunft hat aber niemand, man versucht heute einigermaßen über die Runden zu kommen.

Geschrieben wurde der Roman 1966, der Blick von damals auf das Jahr 1999 war also eine Dystopie. Im Jahr 2012 leben im realen New York City immerhin "nur" über acht Millionen Menschen, im Vergleich zu den 35 Millionen des Romans. Seine Leser packen kann das Buch aber auch nach bald fünfzig Jahren noch. Der Roman diente als Basis für den Science Fiction-Film "Soylent Greene" mit Charlton Heston und Edward G. Robinson, der in Deutschland unter dem Titel "... Jahr 2022 … die überleben wollen..." bekannt ist. Allerdings ist im Film nicht mehr viel aus dem Roman übrig geblieben, und die Macher brachten als zusätzliches Schockelement den Kannibalismus ein. Das hätte "New York 1999" eigentlich überhaupt nicht nötig gehabt.

Der Roman war eines der ersten Bücher von Harry Harrison, dessen Karriere 1960 begann und Jahrzehnte überspannte. Der 1925 geborene Autor begann seine Karriere in den 1949ern als Illustrator unter verschiedenen Pseudonymen. Dabei hob er mit dem Magazin Weird Science (EC Comics) die Science Fiction-Anthologie in Comicform mit aus der Taufe. Später arbeitete er, ebenfalls unter diverse Namen, als Redakteur für verschiedene Magazine und publizierte auch eigene Geschichten. 1960 erschien sein erster Roman "Die Todeswelt" über einen Planeten, der seine Bewohner regelrecht angreift. Zu seinen berühmtesten Werken gehört neben "New York 1999" die Serie um die "Stahlratte" Jim DiGris, der schon einige Jahre vor einem gewissen Han Solo die Galaxis aufmischte, sowie die Space Opera-Parodie "Bill, der galaktische Held". Am 15. August 2012 starb Harry Harrison im Alter von 87 Jahren.

Fazit:
Schon 1966 geschrieben, schildert "New York 1999" die gesellschaftlichen Folgen der Bevölkerungsexplosion überaus eindringlich. Der Leser fühlt sich fast selbst klaustrophobisch, wenn Harry Harrison vom Leben der 35 Millionen Menschen erzählt, die sich allein in New York City drängen. Anlass der Handlung sind zwar die Ermittlungen in einem Mordfall, aber ein richtiger Krimi oder Thriller ist der Roman nicht, eher eine Studie einer Gesellschaft unter enormem Druck und ohne wirkliche Hoffnung.

New York 1999 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Harry Harrison
New York 1999
Make Room! Make Room!

Übersetzer: Tony Westermayr und Wolfgang Jeschke
Erscheinungsjahr: 1999



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Heyne Verlag

ISBN:
3-453-16170-X

285 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Der Autor schildert die absehbaren Folgen einer totalen Überbevölkerung mehr als eindrücklich
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für dieses Book
Bewertung:
1
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Rezension vom: 19.08.2012
Kategorie: Science Fiction
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