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Kuchen backen in Kigali

Story:
Angel Tungaraza backt Kuchen in Kigali. Es spricht sich in der Hauptstadt Ruandas herum, wer einen ungewöhnlichen Kuchen für ein besonderes Ereignis braucht, muss nach Angel fragen. Ein junges Mädchen, die ohne ihr Handy nicht leben kann, bekommt einen Geburtstagskuchen, der aussieht wie ein großes Mobiltelefon. Für das Wiedersehen mit seiner Familie, von der er in den Wirren von Genozid und Flucht getrennt worden war, bekommt ein Mann einen Kuchen, der wie ein Geldschein aussieht – er ist heute Kassierer bei einer Bank. Und zum Abschied von einem Computerspezialisten, der zurück in seine Heimat Indien geht, wird eine süße Tastatur angeschnitten.

Aber Angel liefert nicht nur das Dessert. Während des Gesprächs, wie der Kuchen aussehen soll, kommt so mancher Kunde auch auf Dinge zu sprechen, die ihm sonst noch auf dem Herzen liegen. Und oft hilft ihm die Unterhaltung dabei, eine Entscheidung zu treffen oder die Lösung für ein Problem zu finden. In anderen Fällen weiß Angel Rat.

Meinung:
"Kuchen backen in Kigali" ist auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Buch. Es hat keinen großen Handlungsfaden, der sich durch den ganzen Roman zieht, wie etwa das aufzuklärende Verbrechen in einem Krimi oder eine Queste in einer Fantasy-Geschichte. Die Handlung wirkt eher, als hätte die Autorin einige Zeit das Leben echter Menschen mitgeschrieben.

Wenn man den Hintergrund der Autorin kennt, weiß man aber, dass genau das vermutlich so gewollt war. Gaile Parkin ist in Sambia aufgewachsen und hat nach einem Studium in England und Südafrika in vielen Ländern Afrikas studiert. Dabei hat sie auch die Schattenseiten des Kontinents kennengelernt. Beispielsweise fand sie ihren ersten Job in Soweto, als das Township nach dem Aufstand noch in Aufruhr war. Heute arbeitet sie als Beraterin zu Fragen der Erziehung, Geschlechterrollen und HIV. Sie hat bereits mehrere Schul- und Kinderbücher geschrieben, dieser Roman ist ihr erster Versuch auf dem Feld der Fiktion für Erwachsene.

Mit diesem Hintergrund könnte man das Buch als eine Art verkapptes Lehrbuch oder gar als Propaganda abtun. Seht nur, wie man alle Probleme überwinden kann, wenn man nur bei einem Stück Kuchen und einer guten Tasse Milchtee darüber spricht.. In gewissem Sinne trifft das auch zu. Angel backt nicht einfach nur Kuchen. Weil ihre Kunstwerke sehr persönlich auf den Kunden zugeschnitten sind, muss sie auch sehr viel über die jeweilige Person wissen. Und im Gespräch kommt man gemeinsam auf die Lösung vieler Probleme. Auch für ihre Nachbarn und Freunde hat Angel immer ein offenes Ohr. Die Protagonistin heißt kaum zufällig mit Vornamen "Engel".

Aber man würde "Kuchen backen in Kigali" Unrecht tun, wenn man es auf diesen Teil reduzierte. Gaile Parkin hat eine amüsante Geschichte mit lebensechten, dreidimensionalen Figuren geschrieben. Man muss oft lächeln, wenn Angel beispielsweise einer jungen Mutter ebenso unauffällig wie wirksam den Kopf zurecht rückt. Diese hatte eigentlich auf einen Sohn gehofft, aber eine Tochter bekommen. Die war dann aber auch gut genug, und genau so will sie das Mädchen nennen – "Gutgenug". Oder wenn die Bäckerin sich fast schämt, weil sie für die Silberhochzeit einer Botschafterin deren damaligen Hochzeitskuchen möglichst genau nachempfinden soll. Der war damals so langweilig komplett weiß, wie die Weißen es lieben. Aber die haben ja bekanntlich kein Stilempfinden, und es könnte sehr peinlich werden, wenn es sich herumspricht, dass dieser Kuchen von Angel stammt.

Die Protagonistin ist, trotz ihres Namens, auch nicht der rettende Engel, der für jedes Problem im Handumdrehen eine Lösung parat hat. Nicht zuletzt gibt es auch in ihrer Lebensgeschichte traumatische Erlebnisse. Ihre Tochter hat sich nach der Trennung von ihrem Mann regelrecht zu Tode gearbeitet. Und Angels Sohn wäre an Aids gestorben, wäre er nicht vorher von Räubern erschossen worden. Jetzt müssen sie und ihr Mann sich um die fünf Enkelkinder kümmern. Die Bäckerin hat auch keinerlei moralische Skrupel, von den Weißen, die als Entwicklungshelfer im Land sind, erheblich höhere Preise als von den Einheimischen zu verlangen. Die verdienen ja auch das Vielfache bei der UNO und anderen Organisationen.

Der Roman blendet die Schattenseiten Afrikas bei weitem nicht aus. Keine glaubwürdige Geschichte aus Ruanda kann die Armut verschweigen, die Folgen von Bürgerkrieg, Aids und anderen Katastrophen. Beispielsweise besucht Angel mit ihrem Mann und einigen seiner Kollegen eine Gedenkstätte für die Opfer des Genozids im Land, und gleich mehrere Figuren in der Geschichte sind mit HIV infiziert. Aber "Kuchen backen in Kigali" ergeht sich nicht im Jammern, wie schlecht doch alles sei. Die Geschichte feiert vielmehr die Kraft der Versöhnung und die Lebensfreude insbesondere der afrikanischen Frauen. Und sie tut das auf eine Art und Weise, die man einfach gerne liest.

Das neugeborene Mädchen, das eigentlich ein Junge hätte werden sollen, hat übrigens einen Kuchen mit seinem Namen darauf bekommen: "Perfect".

Fazit:
Eine Geschichte aus Afrika, die die Schattenseiten des Kontinents beileibe nicht ausblendet, aber in der Kraft zur Versöhnung Möglichkeiten zu ihrer Überwindung aufzeigt. Was sich zunächst wie ein verkapptes Lehrbuch oder gar Propaganda anhört, ist tatsächlich eine einfach gut erzählte Geschichte mit glaubwürdigen und sympathischen Charakteren.

Kuchen backen in Kigali - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Gaile Parkin
Kuchen backen in Kigali
Baking Cakes in Kigali

Übersetzer: Maja Ueberle-Pfaff
Erscheinungsjahr: 2010



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Ullstein

Preis:
€ 8,95

ISBN:
9783548282824

352 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Eine amüsante Geschichte mit glaubwürdigen und sympathischen Charakteren
  • Die negativen Seiten Afrikas werden nicht verschwiegen, ohne dass das Buch ins Jammern gerät
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 15.11.2010
Kategorie: Allgemeine Belletristik
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