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Tod eines Senators

Story:
Rom zur Zeit Kaiser Vespasians. Marcus Didius Falco und sein Anhang sind nach den Abenteuern in Britannien wieder in der Heimat angekommen. Um potentielle Kunden wieder auf "Falco und Partner" aufmerksam zu machen, nimmt man auch kleine Aufträge an, darunter der Transport eines Beweisdokuments im Verfahren gegen den Senator Metellus.

Der wird tatsächlich wegen Korruption verurteilt, was besonders den professionellen Ankläger Silius freut. Der hatte Metellus vor Gericht gebracht und bekommt jetzt einen mehr als großzügigen Anteil an der Geldstrafe. Allerdings begeht der Senator offenbar kurz nach der Verurteilung Selbstmord, um der Schande zu entgehen. Dadurch würde Silius leer ausgehen. Deshalb beauftragt der Ankläger Falco, Beweise dafür zu suchen, dass es kein Selbstmord, sondern Mord oder ein Unglücksfall war. Dann nämlich könnte Silius trotzdem kassieren.

Falco beginnt also, hinter den Kulissen der Familie Metellus zu stochern. Allerdings sind die Fronten in diesem Fall ziemlich unübersichtlich. Der Verteidiger in einem Prozess wird zum Ankläger im nächsten, auch innerhalb der Metelli findet der Privatermittler nur selten familiären Zusammenhalt. Und bald zeigt sich, dass "Falco und Partner" in diesem Fall ein weit größeres Risiko eingehen, als nur einen Prozess zu verlieren.

Meinung:
Es scheint, als hätte Lindsey Davis eine ausgeprägte Meinung zu Rechtsanwälten und Gerichten – und keine sonderlich gute. In "Tod eines Senators" zeichnet sie ein außerordentlich unsympathisches Bild vom altrömischen Rechtssystem und seinen Protagonisten. Die Ankläger sind vor allem an der Belohnung interessiert, die der Verurteilte im "Erfolgsfall" zu zahlen hat. Der Anwalt, der eben noch ein Familienmitglied verteidigte, hat keinerlei Probleme damit, im Prozess gegen einen anderen Angehörigen plötzlich als Ankläger aufzutreten. Aussagen und Beweise werden so gedreht, wie man sie gerade braucht. Und wenn ein angeklagter Apotheker behauptet, seine Pillen könnten das Opfer nicht getötet haben, wird das eben an ihm selbst ausprobiert – auf Vorschlag seines Verteidigers ...

Wie schon in "Tod eines Mäzens", wo sie sich mit ihrem eigenen Berufsstand auseinandersetzte, scheint auch hier die Abneigung der Autorin gegen eine bestimmte Gruppe ein Stück weit die Oberhand über eine gute Geschichte zu gewinnen. Besonders wenn sie die Ankläger und ihre Taktiken beschreibt, weicht der positiv-schnoddrige Falco-Tonfall einem beinahe zynischen. Ob sich in diesem Buch Lindsey Davis' Erfahrungen aus dreizehn Jahren Staatsdienst widerspiegeln, bleibt der Spekulation überlassen.

Glücklicherweise berappelt sich der Roman nach einigen Kapiteln wieder, und spätestens ab der Hälfte ist der Falco zurück, den seine Fans kennen und lieben. Der Kunstgriff, dass der Privatermittler noch mitten in seinen Ermittlungen ist, während er und seine Mitstreiter bereits vor Gericht die Mordanklage vertreten, sorgt für Spannung – vor allem gegen Ende, wenn nicht nur der Prozess zu einem ungünstigen Abschluss zu kommen scheint. Ebenfalls eine nette Idee der Autorin ist es, Teile der Geschichte in Form von Vernehmungsprotokollen, Notizen zum Fall oder Gerichtsplädoyers zu erzählen.

Am Anfang muss der Leser mit dem Tempo der Geschichte Schritt halten, wenn Falco praktisch täglich einen neuen Auftraggeber und neue Hauptverdächtige bekommt. Dann kommt der Roman in ruhigere Gewässer, und die Handlung konzentriert sich darauf, Stück für Stück die komplexe Intrige zu enthüllen, die hinter allem steckt. Die zeigt eine gerade in "hard boiled" Krimis häufige Eigenschaft: So ziemlich jeder hat auf die eine oder andere Art Dreck am Stecken. Ein weiteres typisches Krimi-Motiv wird auf den Kopf gestellt: Nicht der Detektiv ruft die Verdächtigen zusammen, um den Täter zu entlarven, die Familie im Zentrum des Ganzen bestellt Falco und Partner zu sich, um schlußendlich doch das entscheidende Puzzlestück zu liefern.

Nach einem Anfang, der Rückfälle zum schon erwähnten "Tod eines Mäzens" befürchten ließ (ob es Zufall ist, dass beide Romane in der deutschen Übersetzung ähnliche Titel tragen?), ist Lindsey Davis mit "Tod eines Senators" ein guter Falco-Roman gelungen. Da ist es direkt schade, dass der deutsche Verlag den nächsten Band – im englischen Original liegen noch drei Abenteuer Falcos vor, und zwei sind für 2009 und 2010 angekündigt – direkt als Taschenbuch und erst für Herbst nächsten Jahres angekündigt hat. So lange möchte man eigentlich nicht auf die nächste Begegnung mit Falco, Helena und ihrem Anhang warten.

Fazit:
Der Titel und die ersten paar Kapitel erinnern zwar an schwächere Bücher aus der Serie. Aber danach findet Lindsey Davis zu ihren Stärken zurück, und den Fans präsentiert sich ein mehr als solides Abenteuer des Privatermittlers im kaiserlichen Rom.

Tod eines Senators - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Lindsey Davis
Tod eines Senators
The Accusers

Übersetzer: Susanne Aeckerle
Erscheinungsjahr: 2007



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Knaur

Preis:
€ 8,95

ISBN:
978-3-426-63662-6

462 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Alles in allem ein guter Falco-Krimi
  • Die Autorin wählt interessante Stilmittel, um ihre Geschichte zu erzählen
  • Die zeitliche Verknüpfung von Ermittlungen und Mordprozess hält Falco auf Trab und die Geschichte spannend
Negativ aufgefallen
  • Der Anfang ist zynischer und härter als von Falco gewöhnt
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Rezension vom: 25.11.2008
Kategorie: Historisches
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