Star Wars: Einsame Entscheidungen
Story:
Die Rahmenhandlung
Da man Star Wars derzeit in etwa einen so großen Bekanntheitsgrad wie der Marke Coca Cola zusprechen kann, entfallen die einführenden Worte zum Setting des Romans. Lediglich einige Eckdaten zur chronologischen Verortung der Geschichte in den Annalen der Star Wars Welt:
Einsame Entscheidungen spielt etwa 1 Jahr nach der Zerstörung des ersten Todessterns und knüpft damit an Ereignisse an, die allen bekannt sind, die die Filme gesehen haben. Luke der angehende Jedi-Ritter, Prinzessin Leia, der Schmuggler Han Solo und sein treuer Begleiter Chewbaca sind den Rebellen beigetreten, um diese beim Kampf gegen das Imperium zu unterstützen. Der Imperator und dessen rechte Hand Lord Darth Vader machen gnadenlos auf Jagd auf die kleine Gruppe und knechten ganz nebenbei einen Großteil der bekannten Welten.
Wie der Stein ins Rollen kommt…
Ein Gouverneur des Imperiums scheint der Rebellenarmee just zu diesem Zeitpunkt ein großartiges Angebot zu machen, indem er einen verlassenen Mienenplaneten in seinem System als Zufluchtsort für die Untergrundkämpfer anbietet. Da diese nichts dringender brauchen als einen gut zu verteidigenden Stützpunkt, werden die Besten als Kundschafter geschickt, um heraus zu finden, wie viel an dem Angebot dran ist.
Doch noch während Han auf dem Planeten (natürlich) in Schwierigkeiten gerät und Luke einen hohen Würdenträger der Rebellen aus den Augen verliert und mit seinen gerade erst erwachenden Jedi-Fähigkeiten ringt, bringt der Imperator eine weitere Partei ins Spiel. Mara Jade, eine Sith, wie sie tödlicher kaum sein könnte, ist ebenfalls zu dem Planeten unterwegs. Denn Verrat wird im Imperium nicht geduldet.
Und das sind nur die Figuren von denen der Leser zu Beginn weiß, dass sie beteiligt sind. Inwiefern etwa der mysteriöse Kriegslord aus den Fremdwelten Nuso Esva an dem Konflikt beteiligt ist oder was den Gouverneur zu dem vermeintlichen Verrat veranlasst haben könnte, bleibt zunächst im Dunklen.
Meinung:
Der Autor
Timothy Zahn ist im Star Wars Universum ein alter Hase. Der in Ilinois lebende Physiker machte sich ins Besondere mit einer Trilogie um den imperialen Großadmiral Thrawn einen Namen (der auch im vorliegenden Roman eine Rolle spielt). "Einsame Entscheidungen" ist der Nachfolger zu "Treueschwur", kann aber auch gelesen werden, ohne den Vorgänger zu kennen, auch wenn einige Charaktere in beiden Geschichten auftreten.
Star Wars Feeling
Nicht alle Autoren, die sich an so eine große Lizenz wagen, schaffen es, dass betretene Terrain auch mit Leben zu füllen. Timothy Zahn hat damit keine Probleme und beweist das mit dem vorliegenden Band einmal mehr. All das was Star Wars auszeichnet - die vielen Rassen, eine Unzahl bunter Welten, technische Wunderwerke und noch viel mehr schillernde Persönlichkeiten - findet man in den Abenteuern von Luke, Leia, Han, Jade und den Sturmtrupplern, die als die "Hand der Gerechtigkeit" bekannt sind, wieder.
Verschiedene Perspektiven und ungewöhnliche Bündnisse
Für einen Star Wars Roman ganz besonders gelungen finde ich die unklaren Grenzen zwischen Gut und Böse. Natürlich empfindet man intuitiv und durch die Erlebnisse der Filme beeinflusst die Sache der Rebellen als gerecht. Doch einige der Charaktere überschreiten immer wieder Grenzen und müssen Entscheidungen fällen, die sie in letzter Instanz nur von ihrem inneren Kodex abhängig machen können. Und da tritt zum Teil erstaunliches zu Tage.
Die wahrscheinlich stärkste Figur im Buch ist die "Hand des Imperators": Mara Jade schaltet in einigen Szenen ganze Gruppen von Soldaten im Alleingang aus, weiß aber die Hilfe einiger fähiger Mitarbeiter durchaus zu schätzen. Schon die Wahl ihrer Helfer zeigt, dass die rothaarige Sith-Kriegerin gerne unkonventionelle Wege beschreitet.
In den Szenen in denen die Kämpferin im Mittelpunkt steht, lernt der Leser ihre Sichtweise auf das Imperium kennen. Warum herrscht Korruption und Machtgier an allen Ecken des Imperiums, das doch als so eine großartige Idee begonnen hatte? Mara sieht sich selbst als Werkzeug einer höheren Sache von der sie überzeugt ist, ohne jedoch die Methoden der herrschenden Schicht in Frage zu stellen.
Durch eine ungewöhnliche Situation finden - ohne es voneinander zu wissen - eine Sith und ein Jedi-Anwärter als Bündnispartner zueinander. Dabei werden sie von einem Schmuggler und desertierten Sturmtrupplern unterstützt. Diese Konstellation wirkt zunächst konstruiert, doch die erschaffene Szenerie rund um den "korrupten" Gouverneur haucht der Situation Leben ein (mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, um Spoiler zu vermeiden).
Ein glaubwürdiger Plot
Wie eingangs erwähnt, befindet sich Rebellion etwa ein Jahr nach der Zerstörung des Todesstern noch nicht im sicheren Hafen des Hoth Systems, sondern ist stets auf der Hut vor Übergriffen durch das Imperium. In diese Not herein erscheint ein zunächst so abwegiger Plan, wie der Vorschlag des Gouverneurs plötzlich als Strohhalm. Und auch das die Rebellion ihre Helden schickt, um eine neue Basis auszukundschaften erscheint nur plausibel. Der Plot wird spannend und dennoch nachvollziehbar weiter gesponnen. Die Kunst einerseits zu überraschen und andererseits nicht konstruiert zu wirken, gelingt dem Autor und schafft eine von vorne bis hinten spannende Geschichte.
Der Wechsel der Perspektiven treibt stets die Handlung voran und hilft an entscheidenden Stellen zu verstehen, warum was als nächstes passiert. Dadurch wird eine scheinbar wahnwitzige Verkettung von Zufällen zu einem spannenden Gesamtbild. Darüber hinaus entstehen spannende Schnittpunkte, wie zum Beispiel die gegenseitige Verblüffung als Luke und Mara bemerken, dass sie beide den Umgang mit dem Lichtschwert als selbstverständlich betrachten - eigentlich eine seltene Kunst…
Fazit:
Mara Jade und die „Hand der Gerechtigkeit“ machen einfach Spaß und bringen frischen Wind in die Geschichten rund um die Rebellen, Skywalker, die Crew des Millenium-Falken und die schöne Prinzessin. Alles für einen tollen Ausflug ins Star Wars Universum ist an Bord.
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