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Scar Night: Die Kettenwelt-Chroniken

Story:

Seit Jahrtausenden hängt die Stadt Deepgate an Ketten über einem finsteren Abgrund. Die Toten, die noch einen Tropfen Blut im Körper haben, werden dem angeblich dort unten hausenden Gott Ulcis geopfert. Doch dann beginnt jemand Menschen zu entseelen, ihnen das Blut abzuzapfen. Und der Vater eines der Opfer schwört Rache an allen, die er für den Tod seines Kindes verantwortlich macht. Damit löst er eine Kette an Ereignissen aus, die das Schicksal der gesamten Stadt verändern.



Meinung:

2007 brachte der Goldmann-Verlag "Scar Night" das erste Mal heraus. Es erschien in Form einer broschierten Ausgabe und war der Auftakt zu der Trilogie "Die Kettenwelt-Chroniken". Nun, über fünf Jahre später erscheint die Taschenbuch-Variante. Allerdings ist noch nicht sicher, ob auch die Nachfolge-Bände in dieser Erscheinungsform neu aufgelegt werden.

Der Roman stammt aus der Feder von Alan Campbell. Es handelt sich hierbei um das Debüt-Werk des schottischen Autoren. Jener hat zuvor beim Videospiel-Entwickler DMA Design gearbeitet und dort an der Programmierung des Games-Klassikers Grand Theft Auto mitgeholfen, ehe er sich gänzlich dem Schreiben widmete.

Deepgate ist eine besondere Stadt. Sie hängt an Ketten über einem Abgrund, in dem der Gott Ulcis angeblich leben soll. Ihm werden jene Tote geopfert, die noch nicht entseelt sind, also noch Blut im Körper haben. Die Regierung setzt sich aus der jahrtausendalten Priesterschaft zusammen, die jedoch inzwischen vollkommen in ihren Meinungen vollkommen reaktionär wurden. Intrigen gehören zum Tagesgeschäft und das Leben und Leiden der einfachen Bürger wird vergessen.

Dill ist der letzte der Erzengel und wurde bislang von der Priesterschaft von der Außenwelt abgeschottet aufgezogen. Das ändert sich, als die Spine, so die Bezeichnung der Attentäter der Kirche, Rachel seine Erziehung übernimmt. Sie bringt ihn aus seinem goldenen Käfig raus und ermutigt ihn gegen die Verbote der Presbyter zu verstoßen. Gleichzeitig brodelt es in Deepgate. Scar Night steht wieder bevor und damit die Nacht, in der Carnival sich erneut seine Opfer sucht. Außerdem werden ungewöhnlich viele entseelte Menschen gefunden, darunter auch die Tochter des Lumpensammlers Mr. Nettle. Als die Kirche ihr die Beerdigung verweigert, schwört er ihr Rache. Doch die Wahrheit ist komplizierter. Denn wie es aussieht, droht der Untergang der Welt. Ulcis scheint im Begriff zu sein, sich aus dem Abgrund zu erheben.

Scar Night ist alles andere, als typische Fantasy. Der Autor vermischt viele interessante Elemente und gibt dabei auch etwas Eigenes zu. Das Ergebnis ist ein Potpourri, der einzigartig ist.

Das fängt schon mit dem Handlungsort an. Deepgate ist im Grunde genommen ein Charakter für sich. Eine Stadt, die an Ketten hängt und deren Leben von dem finsteren Abgrund bestimmt wird, der sich unter ihr befindet. Und gleichzeitig existiert ein starkes, soziales Gefälle, was sich auch durch den Lebensort ausdrückt. Die, die es sich leisten können, existieren nahe der Ketten. Ihre Häuser werden nie abstürzen, es sei denn, die ganze Metropole stürzt ab. Doch je weniger Geld man hat, desto instabiler sind die Sicherungen, die dies vermeiden. Wenn man Pech hat, sind es nur noch bloße Seile. Und diese halten nicht ewig.

Zugegeben, man darf bei dieser Darstellung nicht zu sehr nachdenken. Sonst stößt man auf diverse Ungereimtheiten und Logische Brüche. Man würde sich sonst fragen, wo und wie diese Ketten befestigt sein sollen, um den Absturz einer ganzen Stadt, bestehend aus Stein und einer entsprechenden Industrie, zu verhindern.

Also konzentriert man sich auf die Handlung und die Charaktere. Und erstere geriet sehr düster. Im Laufe der Seiten schlägt der Tod viele Male in unterschiedlicher Form zu. Doch trägt dies zur Atmosphäre bei, die den Roman aus der Masse an anderen Fantasy-Büchern hervorhebt.

Die handlungstragenden Personen sind alle wunderbar abwechslungsreich geworden. Jeder Charakter verfügt über seine eigenen Motive, die definieren. Manche sind allerdings nicht auf dem ersten Blick ersichtlich, wie man beispielsweise anhand des Presbyters Sypes erkennen kann. Er, der sich gerne senil gibt, verfügt in Wahrheit über einen messerscharfen Verstand, den er zu seinen eigenen, lange Zeit unklaren, Zwecken einzusetzen weiß.

Die Geschichte lebt allerdings eigentlich von dem Kontrast zwischen Dill und Carnival. Bei letzterer darf man sich nicht vom Namen täuschen lassen. Er hat nichts mit Fasching zu tun, sondern stammt von Carnivore, Fleischfresser ab. Und er beschreibt sie wunderbar. Eine von Blutdurst getriebene, die nur zur Scar Night, wenn der dunkle Mond voll aufgegangen ist, herauskommt, und die seit Jahrtausenden die Stadt heimsucht. Ihr Gegenüber ist der letzte Erzengel. Naiv, unbeholfen und doch vom Bedürfnis erfüllt, seinen Vorfahren nachzukommen.

Und tatsächlich liest sich der Roman im ersten Drittel sehr spannend. Doch dann ist auf einmal die Luft raus. Man blättert zwar weiter, doch das Interesse an der Handlung nimmt merklich ab. Woran liegt dies?

Unter anderem daran, dass man das Gefühl hat, dass der Autor hatte zu viele Ideen hatte und nun versucht sie in ein Buch hineinzupressen. Dabei hat dieses bereits um die 600 Seiten Umfang. Doch dies reicht einfach nicht aus, und so bleiben diverse Handlungsstränge auf der Strecke. Der Konflikt zwischen Rachel und ihrem Bruder wird nur kurz angedeutet und danach nicht mehr aufgenommen. Der Grund, wieso die Erzengel ausstarben bleibt ebenso im Dunkeln, wie es auch keine Andeutung über die wahre Herkunft von Carnival gibt.

Am meisten geht dann jedoch die Figur von Dill auf die Nerven. Alan Campbell bemüht sich nicht gerade sehr, den Charakter glaubwürdig weiterzuentwickeln. Seine persönliche Entwicklung tritt förmlich auf der Stelle. Lange Zeit bleibt er nur ein Befehlsempfänger, der zu allem ja und Amen sagt. Erst im letzten Viertel des Romans ändert sich dies. Doch, genau wie beim Ursprung von Carnival, wird diese Entwicklung nicht angedeutet, sondern passiert einfach.

"Scar Night" hat Potential. Doch wird es nicht genutzt. Und so kann man das Buch nur "für Zwischendurch" empfehlen.



Fazit:

"Scar Night: Die Kettenwelt-Chroniken" ist ein ungewöhnlicher Fantasy-Roman. Alan Campbell gelingt es in seinem Debüt-Werk eine ungewöhnliche Welt zu schildern. Die Stadt Deepgate verfügt förmlich über einen eigenen Charakter. Die handlungstragenden Personen sind äußerst abwechslungsreich geworden und der Kontrast zwischen Dill und Carnival belebt den Plot. Wobei dies das Buch nicht wirklich rettet. Denn nach dem ersten Drittel ist die Luft raus. Dill fängt an zu nerven und viele Entwicklungen oder Entdeckungen geschehen plötzlich, ohne dass darauf hin gearbeitet wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Nachfolge-Bände besser werden.



Scar Night: Die Kettenwelt-Chroniken - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Alan Campbell
Scar Night: Die Kettenwelt-Chroniken
Scar Night

Übersetzer: Jean Paul Ziller
Erscheinungsjahr: 16. Mai 2011



Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
Goldmann Verlag

Preis:
€ 9,99

ISBN:
978-3-442-47577-3

608 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Deepgate wirkt lebendig
  • Kontrast zwischen Dill und Carnival
Negativ aufgefallen
  • Dill beginnt nach kurzer Zeit zu nerven
  • Viele Entwicklungen und Enthüllungen geschehen einfach und werden nicht aufgebaut
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Rezension vom: 17.03.2012
Kategorie: Fantasy
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