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Mein schönes Leben als Junkie

Story:

Sie hat Billy Idol den ersten Schuss gesetzt, war kurzzeitig die Geliebte von Karl Bartos und hat jede erdenkliche Droge eingenommen, derer sie habhaft wurde. Sie hatte mehrere Entziehungen hinter sich, ist aktuell liiert und stolze Mutter eines Sohnes. Muriel Scheu hat ein interessantes Leben und blickt in ihrer Autobiografie darauf zurück.



Meinung:

Das deutsche Standardwerk, wenn es um das Thema Drogen geht, ist "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Der Bericht über die Erfahrungen der jungen Abhängigen Christiane F. sorgte damals in der Bundesrepublik für Aufsehen. Und es ist bis heute der Maßstab, an dem sich andere Junkie-Erinnerungen messen müssen.

Nun bringt der Rowohlt Verlag die Autobiografie von Muriel Scheu heraus. Es handelt sich hierbei um das Pseudonym einer Frau, die ein wildes Leben geführt hat. Sie wurde 1956 im Sauerland geboren und hat auf vier Kontinenten Drogen zu sich genommen. Ihre Erinnerungen "Mein schönes Leben als Junkie" ist ursprünglich unter dem Titel "Kein ganzes Halbes" im Wunderlich Verlag erschienen.

Ihr Leben als turbulent zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Mit 14 Jahren raucht sie ihren ersten Joint, nimmt dann kurz darauf das erste Mal LSD und zwei Wochen nach ihrer ersten Begegnung mit Drogen spritzt sie sich Heroin. Und von diesem Moment an ist ihr Leben alles andere als normal.

Frau Scheu fängt, wie es bei vielen Lebenserinnerungen Standard ist, mit einem Moment aus der Mitte ihrer Erinnerungen an. Sie erzählt, wie sie in Malaysia mit Freunden eine Opiumhöhle besucht, dort einen Unbekannten kennenlernt und dann später mit ihm und einer weiteren Person vollgedröhnt Sex hat. Kurz darauf blendet die Erzählung in das Jahr 1998 um, als sie in einer Entzugsklinik eincheckt um, wie sie selbst sagt, Freiheit zu erlangen.

Erst später erfährt man mehr über ihr Leben und wie sie zu den Drogen gekommen ist. Ihr Vater war ein herzensguter Mensch, während ihre Mutter sehr streng mit ihr war. Oft musste sich Muriel anhören, dass sie der Ruin der Familie wäre, oder dass aus ihr nichts werden würde. Doch ihre Tochter reagiert nicht darauf, sondern schluckt es herunter. Später zieht die Familie aus beruflichen Gründen nach Afrika, wo Muriel schon bald jemanden findet, der ihr Liebhaber wird.

Ohne irgendwie etwas zu verschönen oder zu verheimlichen blickt die Autorin auf ihr Leben zurück. Und als Leser ist man ebenso fasziniert wie auch abgestoßen. Heute, als über Drogen aufgeklärter Mensch, ist man verwundert, wie einfach die Erzählerin süchtig geworden ist. Doch muss man bedenken, dass damals, als Muriel ihre ersten Erfahrungen mit diesen Stoffen gemacht hat, die Aufklärung über die Gefahren der Suchtmittel längst noch nicht so verbreitet war wie heute.

Und so ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn man liest, wie Muriel Scheu immer tiefer und tiefer in die Abhängigkeit reinrutscht. Später in ihrem Leben ist sie sogar schon so weit, dass sie für den nächsten Schuss sich von Leuten Geld leiht, oder es sogar stiehlt. Dass sie nicht davon los kommt, mag auch daran liegen, dass ihre Freunde und Liebschaften alle auch süchtig sind oder die Gefahr unterschätzen.

Wenn es darum geht, die Auswirkungen von Drogen zu beschreiben, ist die Autorin wirklich gut. An keiner Stelle hat man das Gefühl, dass sie in ihren Schilderungen untertreibt, zu lebendig wirken die Erinnerungen.

Doch muss man sich wegen ihren anderen Bekanntschaften fragen, ob sie hierbei nicht flunkert. Besonders im letzten Drittel des Romans verkommt der Text zu purem Name-Dropping. So behauptet sie, eine gute Freundin des US-Regisseurs Peter Bogdanovich zu sein, für den sie in Malaysia gearbeitet hat. Sie hatte Sex mit dem "Kraftwerk"-Mitglied Karl Bartos und hat mit erlebt, wie die Rolling Stones an der Theke, wo sie gearbeitet hat, Linien geschnupft haben. Auch will sie angeblich eine Figur mit dem Namen "Susi Farblos" in der berühmten Talkshow "Live aus dem Alabama" gewesen zu sein, ehe sie nach sechs Episoden gekündigt wurde. Keine ihrer Behauptungen lassen sich nachweisen, weshalb man der Auffassung sein kann, dass sie in dieser Hinsicht einem einen Bären aufbindet.

Und so ist, trotz der gelungen Darstellung der Brisanz des Stoffes, "Mein schönes Leben als Junkie" "nur" zum "Reinschauen" zu empfehlen.



Fazit:

Muriel Scheu erinnert sich in "Mein schönes Leben als Junkie" an ihrer Vergangenheit als Drogensüchtige. Es ist ein wildes und turbulentes Leben, welches sie durchgemacht hat. Als Jugendliche süchtig geworden rutscht sie im Laufe der Jahre immer tiefer in die Drogensucht hinein, ehe sie erneut einen Entzug wagt. Schade ist allerdings, dass man sich nicht sicher sein kann, ob alles, was sie erzählt, auch wahr ist. Besonders das Namedropping im letzten Drittel des Buches irritiert und wirkt wenig überzeugend.



Mein schönes Leben als Junkie - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Muriel Scheu
Mein schönes Leben als Junkie
Erscheinungsjahr: 1. Juli 2011



Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
Rowohlt

Preis:
€ 9,99

ISBN:
978-3-499-62561-9

480 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Eindrucksvolle Autobiographie
Negativ aufgefallen
  • Name-Dropping im letzten Drittel wirkt unglaubwürdig
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Bewertung:
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Rezension vom: 22.08.2011
Kategorie: Biographien
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