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Die Insassen

Story:

Was passiert, wenn drei ehemalige Topmanager und eine Chefsekretärin in einer Nervenklinik aufeinander treffen? Eigentlich etwas vollkommen Natürliches: Sie versuchen den Laden auf Kurs und an die Börse zu bringen.



Meinung:

Banker, vor allem in gehobenen Positionen, sind immer wieder gerne Ziel von Schimpf und Schande. Nicht erst seit der Finanzkrise 2007 ist man der Meinung, dass "die dort oben" absolut keinen blassen Dunst von der Realität haben und nur auf möglichst hohe Rendite aus sind. Teilweise kann man sich sogar des Eindrucks nicht erwehren, dass der einzige Unterschied zu einem Irrenhaus die Bezeichnung ist.

Die Autorin Katharina Münk greift diesen Gedanken auf und spinnt ihn weiter, bis er am Ende ihren Debüt-Roman "Die Insassen" ergibt. Sie weiß, wovon sie redet, denn sie war lange Zeit selbst Teil der Finanzbranche. Als Chefsekretärin hat sie so einiges mitgekriegt, was sie in Sachbüchern wie "Denn sie wissen nicht, was wir tun: Was Chefs über ihre Sekretärinnen erfahren sollten" oder "Höhenflüge und Höllenfahrten: Was man als Chefsekretärin so alles im Aufzug erfährt" verarbeitet hat. Inzwischen hat sie ihren Beruf an den Nagel gehängt und arbeitet als Personal Coach für Fach- und Führungskräfte.

Für Wilhelm Löring ist es der absolute Albtraum: Er kommt ins Büro und sein Schreibtisch ist leer. Keine Akten, keine Bilder und seine Sekretärin ignoriert ihn. Als er dann auch noch erfährt, dass man ihn eigentlich schon längst gefeuert hat, weil er angeblich nicht mehr klar kam, ist für ihn deutlich, dass es sich hier um ein Komplott handelt. Doch als er dann in die Nervenklinik St. Ägidius kommt, begreift er, was wirklich los ist: Er hat einen neuen Auftrag und soll diese Anstalt auf Vordermann bringen. Und es muss natürlich einiges getan werden, ehe er dieses Objekt an die Börse bringen kann.

Schnell findet er Verbündete: Den ehemaligen Beteiligungsmanager der Investment-Firma Benderman Ley, Herr Winter, die ehemalige Chefsekretärin Karin Schlick und den ehemaligen Investor Wienkamp. Gemeinsam machen sie sich frisch ans Werk und unternehmen alles, um die Klinik fit für den Börsenbetrieb zu machen. Doch es stellt sich die Frage: Wer ist hier der Patient, und wer der Pfleger?

Eine interessante Frage, die die Autorin auch gebührend versucht zu beantworten. Dabei nimmt sie hauptsächlich die Position der vier Protagonisten ein und schildert ihre Sicht der Dinge. Gleichzeitig macht sie aber auch klar, dass diese alle einen leichten "Dachschaden" haben, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt.

Am stärksten betroffen ist Herr Winter, der die Nähe anderer Menschen nicht ertragen kann, ein Perfektionist ist, der seinen eigenen Bewegungsablauf auf Möglichkeiten untersucht, Millisekunden einzusparen und wenn mal etwas nicht so läuft, wie er es will, die Kontrolle über sich verliert. Er ist derjenige, der die größte Unterstützung für Wilhelm Löring liefert, wobei nie ganz klar wird, wieso er dies tut.

Wilhelm Löring indes entpuppt sich als die treibende Kraft des Ganzen, wobei man dies durchaus wortwörtlich nehmen darf. Er hat eine Vision und er setzt sie um, komme was wolle. Und wenn etwas zuerst nicht in sein Realitäts-Bild passt, interpretiert er es halt solange um, bis es sich nicht mehr beißt. Wenn er beispielsweise ein Handy findet, welches orange mit einem Boygroup-Wallpaper ist, interpretiert er es sofort als sein wiedergefundenes Blackberry, halt nur ein wenig anders. Es ist schon erstaunlich, wie hartnäckig er dies tut und somit die Realität verleugnet. Dass er, entgegen seiner eigenen Ansicht, auch nicht ganz klar im Kopf ist, wird durch seinen anderen Löring deutlich, den er in einem mentalen Gefängnis einsperrt, damit dieser ihm nicht in die Quere kommt.

Das Ganze liest sich recht amüsant, wobei der Humor aus der Absurdität der Situation entsteht. Doch leider macht die Autorin daraus zu wenig. Es sind vor allem zwei Mankos, die den Roman etwas mies machen.

Zum einen konzentriert sich Frau Münk zu sehr auf die titelgebenden Insassen. Das Personal, das ja eigentlich die Kontrolle hat, taucht kaum auf und wird dann auch nur am Rande beschrieben. Sie sind Staffagen, die die Kulisse für die Pläne von Löhring und Co bilden. Ihre eigenen Gedanken bleiben unklar.

Des Weiteren ist das Ende eine riesige Enttäuschung. Ohne zu viel zu verraten hat man es kommen sehen. Und man hätte sich eigentlich einen guten Aufbau für den Schluss gewünscht, den es jedoch nicht gibt.

Und so herrlich absurd das Buch auch ist, es sind diese Mankos die dafür sorgen, dass es am Ende zu nichts mehr als ein "Für Zwischendurch" reicht.



Fazit:

Katharina Münk schildert in "Die Insassen" einige Top-Manager, die den Kontakt zur Realität verloren haben und beschließen, die Nervenklinik, in der sie sich befinden, an die Börse zu bringen. Die Geschichte wird fast ausschließlich aus der Sicht dieser Leute geschildert, die alle eindeutig einen an der Waffel haben. Allen voran Wilhelm Löring beeindruckt durch seine Zielstrebigkeit, mit der er seinen Plan umsetzen will. Die Geschichte ist recht lustig, wobei der Humor vor allem aus der Absurdität der Situation entsteht. Leider wird die Gegenseite nicht charakterisiert und ist das Ende eine Enttäuschung, da es nicht richtig aufgebaut wird.



Die Insassen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Katharina Münk
Die Insassen
Erscheinungsjahr: 1. Juni 2011



Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
dtv

Preis:
€ 8,95

ISBN:
978-3-423-21299-1

224 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Herrlich absurd
Negativ aufgefallen
  • Personal nur Staffage
  • Ende wird nicht richtig aufgebaut
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Rezension vom: 02.08.2011
Kategorie: Humor
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