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Rungholt Band 1: Rungholts Ehre

Story:
Lübeck im Jahre 1390, zur Hochzeit der Hanse. Im Leben des angesehenen Kaufmanns Rungholt könnten die Dinge kaum besser stehen. Die Geschäfte laufen gut, und in wenigen Tagen wird seine Tochter Mirke mit einem anderen Händler verlobt werden. Das eröffnet noch zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten. Nur ein schmerzender Zahn trübt die Freude.

Aber dann hämmern die Büttel des Rates an die Tür von Rungholts Haus: Sein Lehrling Daniel soll bei einer Wirtshausschlägerei einen Mann ermordet haben. Der Kaufmann zweifelt an der Schuld des Jungen, aber der Richteherr sieht den Fall geklärt und lässt Daniel in die Fron werfen. Schon bald soll das Blutgericht sein Urteil fällen.

Rungholt will sich nicht damit abfinden und stellt eigene Nachforschungen an. Bald zeigt sich, dass es um mehr gehen muss als nur um eine Prügelei nach Unstimmigkeiten beim Würfelspiel. Und auch Rungholts eigenes Leben gerät in Gefahr.

Meinung:
Der 1973 geborene Derek Meister arbeitet seit 1999 als freier Autor. Seine Geschichten erzählt er aber nicht nur in gedruckter Form, auf der Liste seiner Werke finden sich auch TV-Serien wie "Mit Herz und Handschellen" oder der Abenteuerfilm "Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen", der vier Nominierungen für den deutschen Fernsehpreis einheimsen konnte. Für das preisgekrönte Computerspiel "Wiggles" lieferte Meister das Drehbuch. Am bekanntesten dürfte er aber für seine Serie historischer Krimis um den ebenso beleibten wie eigensinnigen Patrizier Rungholt sein. "Rungholts Ehre" ist das erste dieser Bücher.

Dabei merkt man schon mit den ersten Zeilen, dass der studierte Film- und Fernsehdramaturg aus den "optischen Medien" kommt. Meister schreibt ausgesprochen bildreich. Der Leser sieht die Leiche, mit der der Autor die Handlung eröffnet, quasi vor dem inneren Auge die Trave hinabtreiben. Man könnte sich den Roman ohne größere Veränderungen als Drehbuch für einen Fernsehfilm vorstellen.

Dadurch kommt man leicht in die Geschichte hinein, und die geschilderten Geschehnisse gewinnen eine erstaunliche Intensität. Nicht zuletzt deshalb ist dieser Krimi auch keine Lektüre für zu junge Leser. Beispielsweise wird ein Kind durch einen Armbrustbolzen schwer verletzt und muss lange leiden, bis sein Vater es aus der Gefahrenzone bringen kann. Wer mit den sehr nachvollziehbar geschilderten Schmerzen des Jungen, aber auch mit der Verzweiflung seines Vaters nicht zurecht kommt, sollte sich besser anderen Büchern zuwenden.

Die Figuren sind klug gezeichnet und verfügen über viele Facetten. Beispielsweise ist Rungholt nicht einfach nur der Held, der alles aufklärt und am Ende den Tag rettet. Er hat durchaus auch negative Charakterzüge wie seine regelmäßigen cholerischen Anfälle oder die generelle Unfähigkeit, einem Besäufnis aus dem Weg zu gehen. Nicht ohne Grund ist "Rungholts Ehre" zum Titel geworden: Seine Ehre sieht der Kaufmann durch die Anklage gegen ein Mitglied seines Haushalts verletzt. Auch wenn er Daniel liebgewonnen hat (und er nicht ahnt, wer den Jungen noch viel mehr liebt), ein wichtiger Antrieb für seine Nachforschungen ist zumindest auch, dem aufstrebenden Richteherren Kerkring einen reinzuwürgen.

Als klassischer Krimi funktioniert der Roman gut: Seine Gegner scheinen dem Kaufmann ständig mindestens einen Schritt voraus zu sein, und auch der Leser weiß häufig mehr als der Protagonist. Das erhöht die Spannung nochmals, ebenso wie die geschickte Wortwahl an vielen Stellen. Wenn etwa eine Komplizin an dem Mord ihrerseits beseitigt werden soll, schafft Meister mit Begriffen wie "Flucht" (was sich vordergründig auf eine Häuserflucht bezieht) oder einen "toten Platz" am Ende einer Sackgasse geschickt die richtige Stimmung.

Die historische Einbindung ist ebenfalls gelungen. Viele Begriffe aus dem Lübeck der Hansezeit werden wie selbstverständlich verwendet und die dazugehörigen Erläuterungen in die Handlung eingeflochten, ohne dass sie wie Unterbrechungen wirken. Der Autor ist auch nicht der Versuchung erlegen, sozusagen heutige Menschen in Kostüme zu stecken und in das Jahr 1390 zu verfrachten. Rungholt und die anderen sind in ihrer Mentalität und ihren Wertvorstellungen eindeutig Kinder ihrer eigenen Zeit. Etwa betrachtet der Kaufmann seinen enormen Bauch als Ausweis für seine Größe und Macht in der Stadtgesellschaft, während heute starkes Übergewicht üblicherweise eher negativ gesehen wird. Einige Moralvorstellungen würden heute mindestens für Stirnrunzeln sorgen: Mirkes Verlobter wird von ihrem Vater ausgewählt, und eine Heirat aus Liebe gilt als unrealistische Träumerei eines jungen Mädchens. Sollte der Patrizier erfahren, dass sich seine Tochter auf abenteuerlichen Wegen zu Daniel ins Gefängnis geschlichen hat, muss sie fürchten, grün und blau geschlagen zu werden. Auch bei seinen Ermittlungen geht der Händler ziemlich ruppig mit seinen Mitmenschen um und macht sich so nicht nur diejenigen zu Gegnern, die hinter dem Tod des geheimnisvollen Fremden stecken.

Aber es gibt auch Negatives über "Rungholts Ehre" zu sagen. So eindrücklich und spannend die Handlung auch ist, es fehlt ihr auf die lange Strecke an Substanz. Man liest den Krimi gerne, aber es ist keine Geschichte, an die man sich in einigen Jahren noch erinnern wird. Um einen bereits angesprochenen Vergleich nochmals aufzugreifen, es reicht eben "nur" zum TV-Film und nicht zum Kinofilm, für den man dann nochmal auf DVD oder BD Geld investiert. Bei den Charakteren merkt man gleichermaßen zu häufig, weshalb sie so konstruiert sind wie sie es sind, welchen Zweck der Autor damit erzielen wollte.

Die häufigen Wechsel der Perspektive – der Leser erlebt die Geschichte nicht nur durch die Augen Rungholts, sondern auch durch die anderer Figuren – erschwert es außerdem, sich vollständig mit dem Protagonisten zu identifizieren. Man bleibt irgendwie immer Beobachter. Um einen alten Werbespruch abzuwandeln, man ist zwar mittendrin, aber nicht wirklich dabei.

Das Glossar am Schluss des Buches, das die Erklärungen für einige der verwendeten Begriffe nochmals sammelt, ist zwar eigentlich eine gute Idee. Es enthält jedoch längst nicht alle vorkommenden Begriffe, und es wird nicht klar, warum gerade die enthaltenen ausgewählt wurden.

Man könnte sagen, "Rungholts Ehre" ist das literarische Äquivalent des Popcornkinos: Gute, ja sehr gute Unterhaltung, solange man liest, aber die Blicke hinter die Kulissen sollte man in engen Grenzen halten.

Fazit:
Der Hintergrund des Autors als TV- und Filmdramaturg ist im Schreibstil deutlich zu erkennen: "Rungholts Ehre" könnte praktisch 1:1 als TV-Film umgesetzt werden. Allerdings hat der Roman auf die lange Strecke zu wenig Substanz, um wirklich überzeugen zu können. Er ist das literarische Äquivalent von Popcornkino: Sehr gute Unterhaltung, solange man liest, aber an vielen Stellen merkt man doch, dass die Kulissen nur aus Sperrholz bestehen.

Rungholt Band 1: Rungholts Ehre - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Derek Meister
Rungholt Band 1: Rungholts Ehre
Erscheinungsjahr: 2006



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Blanvalet

Preis:
€ 9,95

ISBN:
978-3-442-37484-7

544 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Die sehr bildhafte Sprache sorgt für ein intensives Miterleben der Handlung
  • Mit geschickten Kniffen bei Charaktergestaltung, Wortwahl und anderen Mitteln sorgt der Autor zusätzlich für Spannung
Negativ aufgefallen
  • Auf die Dauer mangelt es dann doch an Substanz
Die Bewertung unserer Leser für dieses Book
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Rezension vom: 23.05.2011
Kategorie: Historisches
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