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Die Hüter der Schatten

Story:

Die Psychologin Leslie kauft ein altes Haus, in das sie gemeinsam mit ihrer Schwester Emily zieht. Doch schon bald wird klar, dass etwas Unheimliches in ihrem neuen Domizil vor sich geht. Etwas, das starkes Interesse an Emily hat.

In einer zweiten Geschichte verliert die junge Sara innerhalb weniger Tage ihre gesamte enge Familie. Da erfährt sie von einer Erbschaft, einem Haus im tiefsten Hinterland von Amerika. Dort angekommen wird sie schon bald in einen magischen Zirkel verwickelt und muss um ihre Persönlichkeit kämpfen.



Meinung:

Zeit ihres Lebens war Marion Zimmer Bradley eine der berühmtesten und erfolgreichsten Autorinnen der Science Fiction und Fantasy. Mit ihrem Roman "Die Nebel von Avalon" schaffte sie sogar den Durchbruch in den Mainstream. Doch bei den Fans der eben genannten Genres ist sie vor allem als Schöpferin der "Darkover"-Reihe bekannt. 1999 starb sie an einem Herzanfall.

Der Bastei Lübbe Verlag hat bereits im Jahr 2000 "Hüter der Schatten" herausgebracht. Der Unterschied zwischen jener Ausgabe und dieser ist, das in diesem Band zusätzlich auch noch die Erzählung "Hexenhügel" enthalten ist. Beide Geschichten spielen in ein und demselben Universum, sind jedoch problemlos unabhängig voneinander lesbar. Das einzige Bindeglied ist der Parapsychologe Colin McLaren, der jedoch nicht wirklich viel zur Handlung beiträgt.

In der ersten Geschichte geht es um die Psychologin Leslie. Sie kann sich von einem Erbe endlich ein Haus kaufen, welches groß genug für ihre Praxis und die Instrumente ihrer musikalisch hochbegabten jüngeren Schwester Emily ist. Gleichzeitig versucht sie auch Distanz zu einer unglücklichen Beziehung zu kriegen. Doch ihr neues Domizil scheint nicht normal zu sein. Es scheint dort zu spuken, und jemand hat es auf ihre Schwester abgesehen. Wie es scheint, spielt ausgerechnet Leslies neue Liebe, Emilys Mentor Simon in dieser Angelegenheit eine gewichtige Rolle.

Horror und Grusel in all ihren Spielarten sind heutzutage kaum mehr wegzudenken. Vor allem Jugendlichen gefallen Spielfilme oder Serien, die in diesen Genres stattfinden. Und meistens geht es dabei recht heftig zur Sache. "Die Hüter der Schatten" ist ein Vertreter der eher leiseren Kategorie. Es fließt zwar Blut, doch nicht in einem übermäßigen Umfang. Stattdessen konzentriert sich das Buch auf unerklärliche Phänomene, wie zum Beispiel eine Katze, die ab und an tot ist.

Und ausgerechnet Leslie, die als Psychologin eine rationale Erklärung für diese Ereignisse sucht, ist schon fast ein Magnet für diese Ereignisse. Sie hat besondere Gaben, so konnte sie eine Vorhersage machen, mit der ein Massenmörder gefasst werden konnte, doch will sie davon nichts wissen. Allerdings trifft sie immer häufiger auf Phänomene, die sich mit der normalen Logik nicht erklären lassen. Auch ihre Klienten wissen von solchen Vorkommnissen zu erzählen, so dass Leslie bald den Nutzen ihrer besonderen Gaben akzeptiert. Doch versäumt es Marion Zimmer Bradley diesen Moment glaubwürdig vorzubereiten. Der Wechsel von Nicht-Glauben zu Akzeptanz passiert zu plötzlich und wirkt nicht besonders glaubwürdig.

Nicht ganz unschuldig an den Ereignissen im Haus ist Simon, ihr neuer Liebhaber. Er ist ein ehemaliges Musiktalent, der jedoch auf Grund einer verkrüppelten Hand nicht mehr spielen kann. Gleichzeitig ist er Emilys Mentor, der sie protegiert, wo es nur geht. Bei dieser Person vermeidet es die Autorin perfekt, ihn als klassischen Gegenspieler aufzubauen. Denn im Gegenteil hat man sogar Mitglied mit ihm.

Was Colin McLaren angeht, so taucht er zwar auf, doch sein Beitrag zur Geschichte beträgt sich auf ein bloßes "Deus ex Machina". Dementsprechend bleibt seine Figur blass und nicht sehr überzeugend.

"Hexenhügel", die zweite Geschichte, erzählt von Sara, einer jungen Frau. Innerhalb weniger Tage schlägt das Schicksal bei ihr mehrere Mal zu, und sie verliert alle näheren Familienmitglieder. Doch dann erfährt sie von einer Erbschaft, einem Haus, was jetzt ihr gehört. Doch jenes Objekt liegt im tiefsten Hinterland Amerikas, fern ab jegliches Großstadtleben. Sie zieht dorthin und stößt schon bald auf ein Geheimnis ihrer Familie. Magie kommt ins Spiel, und immer mehr und mehr wird sie von dem Geist einer längst verstorbenen Verwandten übernommen. Kann sie sich wehren?

Vergleicht man "Hexenhügel", welches in diesem Band sein Deutschland-Debüt feiert, mit "Die Hüter der Schatten" ist man enttäuscht. Zu keinem Zeitpunkt gelingt es Marion Zimmer Bradley aus der interessanten Prämisse eine lesenswerte Geschichte zu machen. Im Prinzip schildert sie nur, wie Sara auf verschiedene Art und Weise Sex hat. Die Story, die die Autorin um diese Szenen gestrickt hat, kann man nur mit viel Fantasie als dünne bezeichnen.

Dies merkt man vor allem an der Protagonistin, die vollkommen unglaubwürdig dargestellt wird. Sie bemerkt, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Doch anstatt sich dagegen zu wehren, um ihre Persönlichkeit zu kämpfen, wirkt sie eher wie eine willenlose Marionette, die im Laufe der Geschichte immer wieder Sex hat. Erst gegen Ende kommt es zu einem Aufbegehren ihres Willens, doch ist es dann schon zu spät. Man nimmt es dieser Person nicht mehr ab.


Für Fans von Marion Zimmer Bradley ist "Die Hüter der Schatten" vielleicht ein Pflichtkauf, vor allem wegen der zuvor noch nicht veröffentlichten Geschichte "Hexenhügel". Doch andere Leser sollten von einem Kauf absehen.



Fazit:

Marion Zimmer Bradley schreibt mit "Die Hüter der Schatten" zwei Geschichte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während in der ersten die Protagonisten interessant sind, und man nur von einigen kleinen logischen Mängeln reden muss, sieht es bei der zweiten schon anders aus. Die Hauptfigur Sara schafft es einfach nicht, interessant zu sein. Daher ist das Buch nur etwas Für Fans.



Die Hüter der Schatten - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Marion Zimmer Bradley
Die Hüter der Schatten
The Inheritor, Witch Hill

Originalsprache: Barbara Röhl
Erscheinungsjahr: 15. Juli 2008



Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
Bastei Lübbe

Preis:
€ 5,99

ISBN:
978-3-404-77271-1

720 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Erste Geschichte liest sich gut
Negativ aufgefallen
  • Zweite hingegen ein absoluter Reinfall
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Rezension vom: 13.05.2011
Kategorie: Horror
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