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Bruder Cadfael 20: Bruder Cadfaels Buße

Story:
Seit Jahren ächzt England unter dem blutigen Streit um den Thron, den König Stephen und Kaiserin Maude ausfechten. Mal hat die eine Seite die Gunst des Augenblicks für sich, mal die andere, aber eine wirkliche Entscheidung ist nicht abzusehen. Um dem leidenden Land weitere Kämpfe zu ersparen, unternehmen einige Fürsten und Bischöfe einen erneuten Versuch, die Parteien an einen Tisch zu bringen. Und tatsächlich reisen beide Parteien zu einer Konferenz nach Coventry an.

Auch Bruder Cadfael ist bei den Gesprächen anwesend. Er hat ein ganz persönliches Anliegen: Kürzlich ist ein junger Ritter, der auf Seiten der Kaiserin kämpft, in Gefangenschaft geraten – Olivier de Bretagne, Cadfaels Sohn. Aber im Gegensatz zu anderen, die sein Schicksal teilen, wurde für ihn kein Lösegeld gefordert, und niemand weiß, wer genau ihn festhält. Der Benediktiner hofft, unter den Mächtigen mehr über den Verbleib seines Sohnes zu erfahren und vielleicht zu seiner Freilassung beitragen zu können. Das gleiche Ziel hat auch Yves Hugonin. Seit der Zeit von Die Jungfrau im Eis ist er zu einem jungen Mann herangewachsen, der seinem Schwager und Freund Olivier zu Hilfe eilen will.

Aber die Konferenz steht unter keinem guten Stern: Sowohl Stephen als auch Maude rücken kein Iota von ihren Forderungen ab, niemand gibt Auskunft über Olivier, und Yves steht sogar im Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Cadfael muss sich zwischen seinen Gelübden als Mönch und seinem eigenen Fleisch und Blut entscheiden – und diesmal ist es mit einem Zurechtbiegen der Regeln nicht getan...

Meinung:
Bislang hatte der kluge Benediktinermönch Cadfael noch immer einen Weg gefunden, das was er als richtig erkannt hatte, innerhalb der Gebote seines Ordens zu erledigen. Mal gelang ihm das mit einer kreativen Auslegung der Regeln, mal gaben ihm seine Vorgesetzten ihr Placet. Diesmal aber muss er offen den Gehorsam verweigern und seinen Platz im Kloster aufs Spiel setzen.

Diese Unsicherheit, die die Autorin mehr als einmal thematisiert, trägt merklich zur Spannung bei. Denn zum ersten Mal in der Serie ist der Held vollständig auf sich allein gestellt. Selbst die Mönchskutte, die im zwölften Jahrhundert ihrem Träger einiges an Respekt und Vertrauensvorschuss verschaffte, müsste er eigentlich ablegen. Cadfael ruht also nicht wie gewohnt in sich selbst und kann von diesem Fixpunkt aus die aus dem Gleichgewicht geratene Welt wieder beruhigen. Stattdessen wird er ebenso von den Geschehnissen herumgewirbelt wie die anderen Figuren.

Seine stärkste Waffen bei seinen Bemühungen sind sein Verstand, Ehrlichkeit und das Vertrauen darauf, dass sich seine Gegenüber den schlüssig vorgetragenen Argumenten nicht verschließen werden. Entsprechend enthält dieser Band auch viele "Duette", die sich teils wie Kammerspiele lesen: Zwei Figuren unterhalten sich miteinander und versuchen, sich von ihrer jeweiligen Meinung zu überzeugen oder aus dem Gegenüber schlau zu werden. Cadfael und Philip, Philip und Olivier und andere.

Das schildert Ellis Peters auf ansprechende Weise. Objektiv gesehen passiert in dem Roman eigentlich nicht viel, aber man liest es trotzdem sehr gerne. Beispielsweise passiert der Mord, der Yves vorgeworfen wird, erst nach rund einem Drittel des Buches. Aber das bemerkt man nur, wenn man darauf achtet, so angenehm liest sich das Buch. Auch das Talent der Autorin, glaubwürdige und für den Leser interessante Charaktere zu schaffen, trägt hierzu sehr bei.

Überhaupt stehen der Mord und seine Aufklärung eher im Hintergrund und sind Mittel zum Zweck. Wie schon in der ersten Geschichte, in der Olivier und Yves auftraten, ist auch "Bruder Cadfaels Buße" mehr ein Abenteuerroman als ein klassischer Krimi. Nichtsdestoweniger ist dieser Teil der Geschichte geschickt konstruiert. Erfahrene Leser mögen ahnen, wer den Dolch tatsächlich im Gewande trug, aber die wenigsten werden das Motiv erraten. Im Nachhinein erscheint es dafür um so logischer.

Die historische Einbettung ist gewohnt gut. Von der fehlgeschlagenen Friedenskonferenz in Coventry mögen die Geschichtsbücher nichts berichten, aber die Auseinandersetzung zwischen Robert von Gloucester und seinem Sohn Philip hat es tatsächlich gegeben. Als der Sohn auf seinen Burgen Faringdon und Cricklade von den Truppen König Stephens belagert wurde, sandte der Vater keine Unterstützung. Daraufhin liefenPhilip und sein Kastellan Brian de Soulis zu den Angreifern über, was einen schweren Schlag für die Kaiserin bedeutete. Ob es dabei zu den Vorgängen kam, die Ellis Peters ihren klugen Mönch hier enthüllen lässt, sei dahingestellt.

Interessant ist auch, dass das bislang obligatorische Liebespaar diesmal nicht vorkommt. Es gibt zwar eine junge Frau, die auch durchaus an Yves interessiert zu sein scheint, aber über Andeutungen kommt die Sache noch nicht hinaus. Man kann nur vermuten, dass die Autorin die Beziehung in späteren Geschichten vertiefen wollte. Dazu sollte es aber nicht kommen, "Bruder Cadfaels Buße" ist der letzte Band der Reihe, den Ellis Peters schreiben konnte. Sie verstarb im Herbst 1995. So trifft es sich gut, dass in diesem Band einige Dinge ausgesprochen werden, die bislang unaufgelöst im Raum standen. Trotz dieses eher unfreiwilligen Abschlusses hätte so mancher Leser sicher gerne noch weitere Abenteuer von Bruder Cadfael, dem klugen Benediktinermönch aus Shrewsbury, gelesen.

Fazit:
Auch das letzte Abenteuer mit dem klugen Benediktinermönch, das Ellis Peters vor ihrem Tod vollenden konnte, ist ein gelungener historischer Roman. Auch wenn der Kriminalfall gegenüber der Abenteuerhandlung stark in den Hintergrund gerät, ist er geschickt und glaubwürdig konstruiert. Die historische Einbettung ist sorgfältig und ohne offensichtliche Fehler wie eh und je.

Bruder Cadfael 20: Bruder Cadfaels Buße - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ellis Peters
Bruder Cadfael 20: Bruder Cadfaels Buße
Brother Cadfael's Penance

Übersetzer: K. Schatzhauser
Erscheinungsjahr: 1999



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Heyne Verlag

ISBN:
3-453-16098-3

349 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Bruder Cadfael muss ohne die Rückdeckung seines Ordens agieren
  • Ein Stammbaum am Ende verschafft Überblick über die komplexen royalen Verwandschaftsverhältnisse
  • Gewohnt gut gezeichnete Figuren
  • Die historische Einbettung ist wieder einmal gut gelungen
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 18.04.2011
Kategorie: Historisches
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