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Den Löwen zum Fraß

Story:
Marcus Didius Falco hat endlich einen richtig lukrativen Auftrag an Land gezogen: Um die chronisch ausgeplünderte Staatskasse wieder zu füllen, hat Kaiser Vespasian den Großen Zensus ausgerufen. Das bedeutet, jeder Bürger muss seine Vermögensverhältnisse vollständig offenlegen und dann entsprechend Steuern zahlen. Die Aufgabe von "Falco und Partner" ist es dabei, in Verdachtsfällen genauer nachzubohren, ob der Steuerpflichtige nicht doch die eine oder andere Villa oder eine Unternehmung in den Provinzen "vergessen" hat. Von allem, was sie dem Fiskus zusätzlich einbringen, bekommen sie einen Anteil als Honorar.

Aktuell überprüfen sie die Geschäfte von Calliopus, der Gladiatoren und wilde Tiere für die Zirkusspiele liefert. Ein Insasse der Menagerie liegt dem Ermittler auch aus privaten Gründen am Herzen. Der Löwe Leonidas soll bei nächster Gelegenheit in der Arena für die Hinrichtung eines Massenmörders sorgen, den Falco überführt hatte.

Aber eines Tages liegt Leonidas tot in seinem Käfig. Und sein Besitzer Calliopus will den Ermittler plötzlich noch schneller loswerden als vorher schon. Das weckt das Misstrauen des Schnüfflers, der sich in die Angelegenheit verbeißt. Und bald zeigt sich, dass hinter der Sache mehr steckt als ein in Gefangenschaft eingegangenes Wildtier.

Meinung:
Es sieht so aus, als würden die Parzen Falco ausnahmsweise mal gewogen sein. Der Ermittler überprüft in kaiserlichem Auftrag die Angaben von Steuerpflichtigen, ob es da nicht doch noch mehr für den Fiskus zu holen gibt. Von den Mehreinnahmen bekommen "Falco und Partner" einen prozentualen Anteil. Und da die Steuermoral im alten Rom auch schon eher unterentwickelt war, gibt es da einiges zu holen. Da ist es sogar fast erträglich, dass sich hinter "und Partner" nun doch sein alter Feind Anacrites verbirgt. Der muss sich tatsächlich verbergen, da er offiziell nach wie vor sein Krankengehalt als Oberspion kassiert. Aber wer die Romane von Lindsey Davis kennt, weiß, dass sie ihren Helden nicht so leicht davon kommen lässt. Und so stößt Falco während der Arbeit für den Zensus auf eine Leiche. Dabei handelt es sich zwar nicht um einen Menschen, sondern um den Löwen, der den im letzten Band entlarvten Massenmörder seiner Strafe zuführen soll. Aber das hindert den Ermittler nicht daran, sich in den Fall zu verbeißen, notfalls auch ohne Auftraggeber und Bezahlung. Auch in seinem Privatleben geht es hoch her. Helenas jüngerer Bruder Justinus ist mit Claudia Rufina durchgebrannt. Dabei war die doch eigentlich als Ehefrau des älteren Bruders Aelianus vorgesehen. Jetzt hat es das Pärchen nach Afrika verschlagen, auf der Suche nach einer ebenso legendären wie wertvollen Pflanze. Es ist nicht schwer zu erraten, wem die Familie die Schuld an dem Desaster gibt. Für zusätzliches Kopfzerbrechen sorgt einer von Falcos Schwägern.

Reichlich Material also, aus dem die Autorin eine spannende Geschichte webt. Diesmal sind Falcos privates und berufliches Leben sogar noch enger verzahnt als gewohnt. Das ermöglicht der Autorin unter anderem den Kunstgriff, die Ermittlungen nach etwa der Hälfte des Buches schlicht abzubrechen. Sie lässt den Detektiv in zwei eigenen Kapiteln (von denen eines aber gerade einmal drei Zeilen lang ist) erläutern, dass jetzt alle heißen Spuren ausgeschöpft seien. Zufällige, unerwartete Hinweise, die dann doch noch zur Lösung führen, kämen nur in Fabeln vor, nicht im wirklichen Leben. Es bleiben aber noch so viele andere Dinge zu erledigen, dass auch in der zweiten Hälfte keine Langeweile aufkommt. Und es ist nicht zu viel verraten, dass das Ende der Nachforschungen so endgültig dann auch wieder nicht ist. Ebenfalls den gut verwobenen Handlungsfäden zu verdanken sind die gleich zwei Schockmomente im großen Finale, von denen mindestens einer noch großen Einfluss haben dürfte.

Den romantischen Part haben ein Stück weit Justinus und Claudia übernommen. Nachdem mittlerweile jedem klar sein sollte, dass Falco und Helena sich in diesem Leben nicht mehr trennen werden, übernimmt das neue Pärchen den Part des "Sie küssten und sie schlugen sich".

Wie von der Reihe nicht anders zu erwarten, ist auch für reichlich Humor gesorgt. Dazu trägt nicht nur der trockene Humor und der unprätentiöse Blick auch auf höchste Würdenträger bei, den der Ich-Erzähler an den Tag legt. Auch die Handlung hat so manche witzige Stelle zu bieten, wenn etwas die Suche nach der Wunderpflanze Silphion ganz genau so ausgeht wie das Klischee es "vorschreibt".

Das wertvolle Gewächs ist auch ein gutes Beispiel für die gewohnt gelungene historische Einbindung. Silphion war im Altertum nämlich tatsächlich ein überaus begehrtes Gewürz- und auch Heilkraut, das am Ende mit Silber aufgewogen wurde. Allerdings hatte nicht zuletzt menschliche Gier dafür gesorgt, dass die Pflanze vermutlich ausgestorben ist. Die vorhandenen Exemplare wurden zu intensiv beerntet, und damit der Vorrat knapp und die Preise oben blieben, sorgten die Landeigentümer dafür, dass Vieh in den Anbaugebieten weidete. Die Desertifikation des kleinen Gebietes im heutigen Syrien, in dem Silphion zu finden war, tat ihr Übriges dazu, dass die Wissenschaft heute nicht mal mehr sicher ist, um was für ein Gewächs es sich eigentlich mal gehandelt haben könnte.

Auch Gaius Rutilius Gallicus, dem die kleine Reisegruppe in Tripolitanien begegnet, ist nicht nur eine historische Figur. Seinen Auftrag, in der nordafrikanischen Provinz die Grenzen neu festzulegen, hat es ebenfalls wirklich gegeben. Die "echte" langjährige Geliebte Vespasians, Antonia Caenis, spielt ebenfalls eine Rolle.

Das mittlerweile zehnte Abenteuer von Marcus Didius Falco kann man notfalls auch eigenständig lesen, es sei aber nachdrücklich empfohlen, die Bände in der richtigen Abfolge zu genießen. Denn sonst entgehen einem viele Anspielungen auf die etablierten Beziehungen von Falcos Familie, Freunden und Feinden.

Für zu junge Leser ist "Den Löwen zum Fraß" allerdings nicht geeignet. Neben den zu erwartenden Aspekten, es handelt sich immerhin um einen Krimi, sorgt das Setting im Milieu der Gladiatoren und Zirkusspiele für zusätzlich Blut und Gewalt.

Fazit:
Ein weiteres Mal überzeugt Lindsey Davis mit einem Abenteuer ihres Privatschnüfflers im alten Rom. Neben der gelungenen Verknüpfung von Falcos beruflichen und privaten Aktivitäten fällt besonders die gewohnt gute historische Einbindung auf, reichlich Humor gibt es sowieso. Nur für zu junge Leser ist dieser Band aufgrund des Settings im Gladiatoren- und Zirkusmilieu etwas zu blutig.

Den Löwen zum Fraß - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Lindsey Davis
Den Löwen zum Fraß
Two for the Lions

Übersetzer: Susanne Aeckerle
Erscheinungsjahr: 2003



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Knaur

ISBN:
3-426-62284-X

527 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Privates und Beruf hängt wie so oft bei Falco eng zusammen
  • Lindsey Davis gräbt wieder einmal historische Episoden aus, die auf den ersten Blick wie ausgedacht klingen
Negativ aufgefallen
  • Die Handlung im Gladiatoren- und Zirkusumfeld sorgt für ungewohnt viel Blut und Gewalt, was den Roman für sehr junge Leser ungeeignet macht
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Rezension vom: 04.04.2011
Kategorie: Historisches
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