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Bruder Cadfael 15: Bruder Cadfael und das fremde Mädchen

Story:
Kurz vor Weihnachten des Jahres 1142 erleidet ein Mönch in der Benediktinerabtei zu Shrewsbury einen schrecklichen Unfall. Auf der Schwelle zwischen Leben und Tod beichtet Buder Haluin lange zurückliegende Sünden: Vor fast zwanzig Jahren verschuldete er den Tod seiner früheren Geliebten.

Haluin überlebt seine schweren Verletzungen, aber seine Füße werden für immer verstümmelt bleiben. Trotzdem will er unbedingt zum Grab des Mädchens wandern und dort für ihre Seele beten. Bruder Cadfael begleitet ihn auf seinem Bußgang. Aber sie müssen feststellen, dass die Ereignisse von damals noch weitere Geheimnisse bergen – und dass sie bis heute den Tod bringen können...

Meinung:
Vieles, was über den vorherigen Band der Reihe gesagt wurde, gilt im noch größeren Ausmaß für diesen. Ellis Peters variiert erneut das aus den Abenteuern von Bruder Cadfael vertraute Grundmuster, das Ergebnis kann diesmal jedoch nicht mit den bisherigen Romanen mithalten.

Im Mittelpunkt von "Bruder Cadfael und das fremde Mädchen" steht der Bußgang des Mönchs Haluin. Der bringt zwar die Steine in's Rollen, und es wird nach und nach immer deutlicher, dass es außer den Sünden des Benediktinerbruders noch andere, verborgene geben muss. Trotzdem nimmt seine Pilgerfahrt zu viel Raum ein, erst nach etwa der Hälfte des Romans beginnt die eigentliche Geschichte um diese Geheimnisse. Und der gepeinigte Haluin ist als Figur einfach nicht interessant genug, um weite Teile der Handlung fast alleine zu tragen. Daran kann auch die oft bewiesene Stärke der Autorin, nämlich glaubwürdige und für den Leser relevante Figuren zu erschaffen, nichts ändern.

Im letzten Drittel gewinnt die Erzählung dann sogar eine beachtliche Intensität, und hier kann Ellis Peters auch wieder ihr Talent ausspielen. Aber bis dahin dürfte so mancher Leser das Buch bereits enttäuscht beiseitegelegt haben. Der erste Teil liest sich doch zu sehr wie eine Mischung aus Reiseroman und Selbstfindungsgeschichte, die nicht wirklich fesseln kann. Das in der Reihe obligatorische Liebespaar lernt der Leser sogar im letzten Abschnitt erst kennen. Diesmal wird seinem männlichen Teil kein schweres Verbrechen vorgeworfen, trotzdem steht ihrem Glück ein unüberwindbares Hindernis im Wege – oder ist doch alles ganz anders als es scheint?

Auch der Detektiv in der Mönchskutte, den der deutsche Verlag ab diesem Band als "Bruder Cadfael und ..." sogar im Titel unterbringt, bleibt lange Zeit ein nahezu vollständig passiver Beobachter. Umso aktiver wird er dann zum großen Finale, wenn er fast wie ein Racheengel die eigentlich schuldige Person mit ihren Sünden konfrontiert. Ungewöhnlich für die Reihe ist ebenfalls, dass die weltliche Justiz fast vollständig außen vor bleibt. Eines bleibt trotzdem wie gewohnt: Am Schluss hat Cadfael alles wieder in's Lot gebracht.

Die große Politik des Bürgerkriegs bleibt hier reine Kulisse, vom erneuten Umschwung des Kriegsglücks wird nur kurz berichtet. Auch sonst ist die Geschichte kaum in ihre Zeit eingebunden. Es hätte nur wenige Änderungen gebraucht, um sie in einer anderen Epoche oder einem anderen Land spielen zu lassen. Bei den historischen Details, die auftauchen, fällt jedoch dem vorgebildeten Laien kein Fehler in's Auge.

Es wäre der Geschichte vermutlich nicht schlecht bekommen, wenn man im ersten Teil den einen oder anderen Abschnitt gestrafft oder sogar ganz gestrichen hätte. Zwar ist der Roman bereits in der vorliegenden Form der bislang schmalste der Reihe, aber einige Kürzungen hätten ihm gut getan. Alternativ hätte die Autorin weitere Nebenhandlungen einbinden können, Ansätze wären vorhanden.

"Bruder Cadfael und das fremde Mädchen" kann prinzipiell außerhalb der Serie gelesen werden. Die Anspielungen und Referenzen auf frühere Ereignisse halten sich in engen Grenzen. Es sei aber trotzdem davon abgeraten, den Roman als erstes Cadfael-Abenteuer zu wählen. Denn aus den beschriebenen Gründen steht er nicht repräsentativ für die Reihe, die sich damit gewissermaßen unter Wert verkaufen würde.

Fazit:
Erneut präsentiert Ellis Peters eine neue Variation von Bruder Cadfaels Abenteuern, aber diesmal mit geringerem Erfolg: Der Bußgang des verstümmelten Mönchs Haluin ist zu präsent, und die Figur ist nicht stark genug, um die Geschichte nahezu alleine zu tragen. Viele Leser werden deshalb das Buch bereits beiseitegelegt haben, bevor sie das sehr wohl starke letzte Drittel erreichen.

Bruder Cadfael 15: Bruder Cadfael und das fremde Mädchen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ellis Peters
Bruder Cadfael 15: Bruder Cadfael und das fremde Mädchen
The Confession of Brother Haluin

Übersetzer: Jürgen Langowski
Erscheinungsjahr: 1993



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Heyne Verlag

ISBN:
3-453-06139-X

188 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Im letzten Drittel hat die Geschichte eine beeindruckende Intensität
Negativ aufgefallen
  • Der Bußgang von Bruder Haluin nimmt zu viel Raum ein und stellt die Figur zu sehr in den Mittelpunkt, wofür sie nicht stark genug ist
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Rezension vom: 26.02.2011
Kategorie: Historisches
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