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Bruder Cadfael 07: Zuflucht im Kloster

Story:
Der geordnet Alltag der Mönche in der Benediktinerabtei zu Shrewsbury gerät in Aufruhr, als sich mitten in einem Gottesdienst ein junger Mann in die Kirche flüchtet. Ein wütender Mob ist ihm auf dem Fersen und wirft ihm Raub und Mord vor. Der fahrende Gaukler soll, nachdem er seine Künste auf einer Hochzeit vorgeführt hatte, den Vater des Bräutigams überfallen und dessen Geldtruhe geplündert haben. Der junge Liliwin flüchtet sich in höchster Not ins Kirchenasyl.

Bruder Cadfael kommt schnell zu der Überzeugung, dass der Verdächtige unschuldig ist. Allerdings steht er mit dieser Meinung fast alleine da. Und der Schutz, den das heilige Haus nach altem Brauch bietet, kann nicht beliebig lange ausgedehnt werden – zumal manche im Kloster Liliwin so schnell wie möglich wieder loswerden möchten. Der Mönch muss dem wahren Täter schnell auf die Spur kommen.

Meinung:
Bisher hat Ellis Peters jeder Geschichte aus der Reihe einen besonderen Aspekt, einen eigenen Charakter gegeben, ohne sich dabei aber zu weit von dem zu entfernen, was ein Abenteuer von Bruder Cadfael ausmacht. Mal wurde die Handlung weg vom Kloster St. Peter und Paul verlagert, mal hielt sie die Rolle des Hauptdarstellers erstaunlich klein, oder sie variiert den Grad des Einflusses der "großen Politik" auf die Handlung.

Auch der inzwischen siebte Band macht da keine Ausnahme. In "Zuflucht im Kloster" steht der, in der Serie ohnehin gut vertretene, romantische Aspekt stärker im Vordergrund. Der Leser kann sozusagen aus nächster Nähe miterleben, wie ein junger Mann und eine junge Frau sich ineinander verlieben und zunächst gar nicht so recht verstehen, was da mit ihnen passiert. So "dicht dran" war man in den vorherigen Bänden nicht, es gibt sogar die erste "richtige" Sexszene. Und ohne zu viel zu verraten, ein weiteres Paar spielt eine entscheidende Rolle in der Geschichte.

Außerdem verknüpft Peters die Figuren, auch und insbesondere die Nebencharaktere, noch deutlicher als bereits gewohnt. Die Verbrechen und ihre Aufklärung stehen nicht alleine im Zentrum, sondern neben sie tritt fast gleichberechtigt ein Beziehungskonflikt in einer Familie, die durch eine Hochzeit nun ein Mitglied mehr hat. Wer soll die sprichwörtlichen Hosen anhaben im Haushalt oder besser gesagt, die Schlüssel verwahren – die neue Ehefrau oder die ältere, unverheiratete Schwester des Bräutigams, die sich bisher um alles kümmerte?

An einigen Stellen spielt die Autorin auch sehr schön mit den Erwartungen des Lesers. Als etwa ein junger Mann sich zwar als Kavalier, aber auch als sehr leichtsinnig erweist und sich in Gefahr begibt, ahnt man, dass das nicht gut gehen kann. Tut es aber doch – oder doch nicht? Diese positiven Enttäuschungen tragen auch zur Spannung des Romans bei.

Erst am Schluss der Geschichte erkennt man eine interessante Parallele. Mehrere der Figuren wurden im Leben benachteiligt, wurden bisher daran gehindert ihr Potential auszuschöpfen und ihr Glück zu finden. Aber das wirkt sich unterschiedlich, geradezu diametral auf sie aus und führt sie auf sehr verschiedene Wege. Hier zeigt sich wieder einmal, wie sorgfältig die Charaktere gezeichnet werden. Dadurch gewinnt das Buch auch einen Gutteil seines Reizes: Man will einfach wissen, was aus den verschiedenen Figuren wird, ob der (wie gewohnt offensichtlich unschuldige) Verdächtige entlastet wird und ob jeder bekommt, was er verdient hat. Worin das im Einzelnen besteht, ist nicht in jedem Fall so eindeutig. Außerdem könnte jede der beiden Haupthandlungen, die Kriminalgeschichte und der Hierarchiestreit innerhalb der Familie, grundsätzlich auch alleine ein Buch tragen, eben weil ihre Protagonisten gut genug ausgeformt sind.

Die historische Einbettung ist, wie aus den bisherigen Bänden bekannt, gut und weist keine für den vorgebildeten Laien erkennbare Fehler auf. Der Bürgerkrieg um die englische Krone hat diesmal wieder keinen direkten Einfluss auf die Handlung. Und auch wenn es schon der siebte Band der Serie ist, lässt sich "Zuflucht im Kloster" gut unabhängig davon lesen. Man dürfte allerdings noch mehr Freude daran haben, wenn man bekannten Charakteren wieder begegnen kann. Das betrifft nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch einige Nebenfiguren aus früheren Abenteuern. Man fühlt sich als Leser, als würde man etwa in dasselbe Hotel fahren, in dem man schon seit Jahren seinen Urlaub verbringt, und in dem man vom Portier bis zu den Zimmermädchen jeden mit Vornamen kennt. Dem Fan der Reihe wird außerdem auffallen, dass ein alter Antagonist und sein Helfer wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Fazit:
Ein gewohnt guter historischer Krimi, in dem die Liebe noch mehr im Fokus steht als sonst in der Reihe. Gut und sorgfältig gezeichnete Figuren und ihre diesmal besonders ausgefeilten Beziehungen untereinander tragen dazu bei, dass der Leser sich gerne für einige Stunden ins englische Mittelalter begibt.

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Ellis Peters
Bruder Cadfael 07: Zuflucht im Kloster
The Sanctuary Sparrow

Übersetzer: Dirk van Gunsteren
Erscheinungsjahr: 1988



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Heyne Verlag

ISBN:
978-3453007710

254 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Die gewohnt gut gezeichneten Figuren werden diesmal noch besser in Beziehung zueinander gesetzt
  • Der Originaltitel hat fast etwas poetisches
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 18.12.2010
Kategorie: Historisches
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