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Eisenhand

Story:
Nach dem Abenteuer mit der Kupfervenus sind Marcus Didius Falco und Helena Justina mehr oder weniger offiziell ein Paar. Die Senatoren-Tochter ist sogar in seine winzige Absteige auf dem Palatin gezogen. Den neuen Auftrag aus dem Kaiserpalast würde der Detektiv jedoch am liebsten ablehnen. Zum einen soll die Reise wieder an die kaum gezähmten Ränder des Imperiums gehen, diesmal nach Germanien. Zum anderen drängt sich ihm der Verdacht auf, dass Titus, der Sohn von Kaiser Vespasian, sich in seiner Abwesenheit an Helena heranmachen möchte.

Aber die Dame seines Herzens verlässt nach einem Streit die Stadt mit unbekanntem Ziel. Also hält auch Falco nichts mehr in Rom, und er akzeptiert die Mission doch. Offiziell soll er in Moguntiacum (heute besser bekannt als Mainz) der Vierzehnten Legion ein neues Feldzeichen überbringen, um die Leistungen der Soldaten bei der Niederschlagung des Bataver-Aufstandes zu würdigen. Hinter den Kulissen soll der Schnüffler sich aber auch ein Bild machen, wie loyal die Legion zu Vespasian steht. Schließlich war die Region am Rhein noch vor kurzem eine wichtige Machtbasis eines seiner Rivalen um den Thron, und die Vierzehnte hat schon einmal gemeutert.

Außerdem möchte der Kaiser einige offene Fragen aus der Zeit der Rebellion geklärt wissen. Ein hoher römischer Offizier wurde zu dieser Zeit verschleppt und einer germanischen Seherin zum Geschenk gemacht. Falco soll herausfinden, was aus dem Mann wurde, und die Seherin am besten auch gleich unschädlich machen. Civilis, der Anführer des Aufstandes, ist seinerseits mittlerweile spurlos verschwunden. Auch ihn soll der Beauftragte des Palastes aufstöbern und sicherstellen, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht.

Unser Held muss also ebenso dies- wie jenseits des Rheins, der die Grenze zwischen dem Imperium und dem freien Germanien bildet, auf Spurensuche gehen. Und ebenso dies- wie jenseits des Flusses gibt es Menschen, die es gerne sähen, wenn er von dieser Mission nicht zurückkehrte...

Meinung:
Es ist eine fast unlösbare und gleichzeitig hochbrisante Aufgabe, die Marcus Didius Falco diesmal erfüllen soll. Die vierzehnte Legion, die in der Vergangenheit schon einmal gemeutert hat, tut jetzt in einer sehr heiklen Gegend Dienst. Der Aufstand der germanischen und gallischen Stämme ist erst seit kurzem einigermaßen niedergeschlagen. Für die Akzeptanz von Vespasians Sendboten ist es dabei alles andere als hilfreich, dass der neue Kaiser seinerzeit am Ausbruch der Revolte nicht ganz unschuldig war. Das Gebiet war nämlich seinerzeit die Machtbasis seines Vorgängers und Rivalen um die Macht Vitellius. Und um diesem zusätzliche Probleme zu bescheren, ermunterte Vespasian die Einheimischen dazu, sich gegen Rom aufzulehnen. Das funktionierte aber viel besser als gehofft, und der neue Herrscher kann den von ihm mit gelegten Flächenbrand nur mühsam unter Kontrolle bringen.

Nimmt man diesen Hintergrund zusammen mit der Tendenz der Vierzehnten, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln – immerhin hat sie in der Vergangenheit gemeinsam mit einer anderen Legion schon mal den Statthalter einer Provinz aus dem Land gejagt –, kann man sich leicht vorstellen, dass Falco bei seiner Ankunft in Moguntiacum praktisch nur auf Ablehnung stößt. Anstelle Hilfe bei seinem Auftrag zu bekommen, muss er sich darauf einstellen, aus dem Hinterhalt erdolcht zu werden.

Auch der Rest seines Auftrags ist nahezu unmöglich zu erfüllen. Wie soll er, nahezu komplett auf sich allein gestellt, in den Tiefen der germanischen Wälder außerhalb des römischen Machtbereichs zwei verschwundene Männer und eine Seherin aufstöbern? Die dortige Bevölkerung mag Römer außerdem am liebsten in Form von Totenschädeln in den Schreinen ihrer Götter.

Bei einer solchen Mission könnte man einen actiongeladenen Abenteuerroman vermuten. Tatsächlich aber schildert Lindsey Davis in "Eisenhand" in weiten Teilen eher die Verhältnisse in den Provinzen, durch die Falco reist. Es dauert fast 120 Seiten, bis er überhaupt in Moguntiacum ankommt. Auch danach muss sein Auftrag, was die Aufmerksamkeit von Autorin und Leser betrifft, wie aus den vorherigen Bänden gewohnt mit seiner Beziehung zu Helena konkurrieren. Denn, so viel sei verraten, auch die Senatoren-Tochter ist nach einigen Irrungen und Wirrungen in Germanien mit von der Partie. Diese Liebesgeschichte bringt wieder einmal einige anrührende Szenen hervor, speziell die allerletzte des Buches, die mit dem Schluss des ersten Bandes durchaus mithalten kann.

Das soll jedoch nicht bedeuten, dass die Geschichte nicht spannend wäre, im Gegenteil. Zum einen hat unser Held mit dem mächtigen Kaisersohn Titus einen veritablen Rivalen um Helenas Gunst bekommen. Zum anderen ist sein Auftrag natürlich nichtsdestoweniger sehr gefährlich, und er gerät mehr als einmal in lebensbedrohliche Situationen. Außerdem stößt der Detektiv in Germanien auf Probleme, von denen man in Rom noch gar nichts weiß, in die er sich ebenfalls verbeißt.

Auch für Humor ist wieder in ausreichendem Maße gesorgt, zum einen durch Falcos respektlose Sicht auf seine Welt und ihre Großen und Mächtigen, zum anderen durch die Kabbeleien zwischen ihm und Helena. Die historische Einbettung ist, wie bei der komplexen Hintergrundgeschichte zu erwarten, ebenso ausführlich wie stimmig geraten. Zumindest fallen dem historisch vorgebildeten Laien keine groben Schnitzer auf.

Auffällig ist, wie relativ ausgeglichen und differenziert Davis die verschiedenen Figuren und Parteien darstellt. Falco steht natürlich auf der Seite des Imperiums, aber er verteufelt nicht die "Barbaren", die es wagen, sich den Segnungen der römischen Zivilisation entziehen zu wollen. Auch die kleinen und großen Schurken, mit denen er es in Germanien und anderswo zu tun bekommt, werden nicht als durchweg böse dargestellt, und seine wenigen Verbündeten und Helfer als durchweg gut. Eigentlich jeder Charakter ist nicht schwarz oder weiß, sondern grau, natürlich in unterschiedlichen Schattierungen.

Der Roman kann im Zweifel außerhalb der Reihe gelesen werden. Wer sich jedoch für die Abenteuer von Marcus Didius Falco interessiert, dem sei empfohlen, vorne zu beginnen und die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Denn dabei lernt man den Detektiv, seine Freundin und den Rest des "Stammpersonals" immer besser kennen. Dadurch hat man nicht nur mehr Vergnügen an Anspielungen auf vorherige Geschichten, sondern freut sich auch auf ein Wiedersehen wie auf den Besuch alter, guter Bekannter.

Im Moment ist dieses Wiedersehen mit etwas mehr Aufwand verbunden, weil "Eisenhand" wie viele frühe Bände der Serie verlagsvergriffen ist. Aber es gibt immer noch den Gebrauchtmarkt, und der Roman rentiert etwas Mühe allemal.

Fazit:
Marcus Didius Falco ermittelt in Germanien. Neben einer fast unmöglich zu erfüllenden Mission für Vespasian macht ihm auch seine Beziehung zu Helena Kopfzerbrechen. Auch der vierte Band der Reihe bietet alle Qualitäten, die die Fans von Lindsey Davis inzwischen gewohnt sind.

Eisenhand - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Lindsey Davis
Eisenhand
The Iron Hand of Mars

Übersetzer: Christa E. Seibicke
Erscheinungsjahr: 1997



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Knaur

ISBN:
3-426-63042-7

463 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Ein gewohnt gutes Falco-Abenteuer
  • Glaubwürdige, nicht schwarz-weiß gezeichnete Charaktere
  • Gute, ausführliche Einbettung in den historischen Hintergrund
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 04.11.2010
Kategorie: Historisches
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