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Tod einer Sklavin. Ein Fall für Medicus Ruso

Story:
Britannien zur Zeit Kaiser Hadrians. Der römische Militärarzt Ruso hat sich an den trostlosen nördlichen Rand des Imperiums versetzen lassen, um mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen, und praktisch sein gesamtes Vermögen ging für die Schulden drauf, die sein Vater aufgehäuft hat. Noch heute muss er jede Münze, die er irgendwie entbehren kann, zur Tilgung an seine Familie schicken.

Als er einer jungen Sklavin begegnet, die von ihrem Besitzer auf offener Straße fast zu Tode geschunden wird, gibt er einem Impuls nach und kauft das Mädchen. Vielleicht kann er sie, wenn er sie erst mal wieder gesund gepflegt hat, mit Gewinn weiterveräußern. Aber in Rusos Unterkunft im Lager der Legion ist kein Platz für sie. Es bleibt ihm nichts anders übrig, als für die junge Frau, die mehr aus Zufall den Namen Tilla bekommt, ein Zimmer in einer nahen Schenke zu mieten.

Aber dann stellt sich heraus, dass die angebliche Schenke ein Bordell ist, in dem die "Mitarbeiterinnen" mehr als schlecht behandelt werden. Eine der Prostituierten ist außerdem vor einiger Zeit spurlos verschwunden, und eine weitere wurde ermordet aufgefunden...

Meinung:
"Tod einer Sklavin" ist der der Auftakt einer Reihe historischer Romane um das Gespann Ruso und Tilla. Die Autorin Ruth Downie wollte nach dem Abschluss in Englisch am Londoner King's College eigentlich ein geruhsames Leben als Ehefrau führen, aber sie merkte schnell, dass sie das nicht ausfüllte. Also begann sie zu schreiben, zunächst Kurzgeschichten und Artikel für Zeitschriften, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Das erste Abenteuer des Medicus ist ihr erster Roman.

Und der Auftakt der Serie ist ihr gelungen. Zwar segelt der Roman mit Slogans wie "SPQR meets CSI" etwas unter falscher Flagge: Obwohl die Detektivgeschichte ständig präsent ist und auch für den spannenden Showdown sorgt, stehen im Mittelpunkt viel mehr die beiden Protagonisten und ihre Beziehung zueinander. Während Tilla zu Beginn nur das Ziel hat, möglichst bald mit ihrer Familie in der "anderen Welt", sprich im Jenseits, wieder vereint zu werden, entwickelt sie sich über die 79 Kapitel zu einer selbstbewussten jungen Frau. Ruso erweist sich als Mensch mit starkem Gerechtigkeitsempfinden, das ihn mehr als ein Mal in Schwierigkeiten bringt. Und auch das Verhalten der Menschen um ihn herum bereitet ihm Kopfzerbrechen, allen voran seine hübsche Sklavin...

Ermittelt im eigentlichen Sinne wird kaum, nicht zuletzt weil der Arzt neben seinen Pflichten im Armeekrankenhaus schlicht keine Zeit und keine Befugnisse für aufwendige Befragungen hat. Außerdem will er mit diesem ganzen Schlamassel eigentlich nichts zu tun haben.

Das soll aber nicht heißen, dass der Roman nicht spannend wäre, ganz im Gegenteil. Der Leser gewinnt die beiden Hauptfiguren und auch eine ganze Reihe der Nebenfiguren schnell lieb, und als Tilla über einige Kapitel nicht auftaucht, macht man sich gemeinsam mit Ruso Sorgen. Und auch der Medicus gerät in Gefahr, denn trotz seiner besten Vorsätze, nicht nachzuforschen, gilt er bald als der Mann, der den Tod der Sklavinnen aus der Schenke untersucht, was zu mehreren "Unfällen" führt. Seine Schwierigkeiten im Umgang mit der Krankenhausbürokratie, seinem Kollegen und Mitbewohner sowie den Rudel Hundewelpen, das die beiden vom Vorbesitzer der Unterkunft "geerbt" haben, sorgen dafür immer wieder für Heiterkeit.

Insgesamt erinnert "Tod einer Sklavin" in mehrerlei Hinsicht an Lindsey Davis' Romane um die Abenteuer des Privatermittlers Marcus Didius Falco. Ein Held, der hinter grummeligem Äußeren den berühmten "goldenen Kern" verbirgt, eine starke Frau an seiner Seite, aber auch gestalterische Elemente wie das Personenverzeichnis am Beginn des Buches wirken vertraut. Ruth Downie hat aber kein Falco-Abziehbild geschrieben. Ihr Medicus Ruso und vor allem Tilla sind eigenständige Figuren, die den Leser von sich überzeugen können.

Was die historische Glaubwürdigkeit betrifft, kann das Buch problemlos mit anderen Geschichten aus der römischen Kaiserzeit mithalten. Die Autorin merkt zwar im Nachwort an, dass sie sich mangels verlässlicher Quellen die eine oder andere künstlerische Freiheit erlaubt hat – ob es etwa den Posten des leitenden Medicus, von dem sich der Arzt eine Gehaltsaufbesserung verspricht, tatsächlich gegeben hat ist reine Spekulation – , aber insgesamt vermittelt sie ein korrektes und stimmiges Bild des Britannien unter römischer Besatzung.

Auch rein quantitativ überzeugt das Preis-Leistungs-Verhältnis: Nicht jedes Taschenbuch zum Preis von 8,95 Euro bringt mehr als 500 Seiten auf die Waage. Im englischen Original ist bereits der vierte Band der Serie in Planung, der im Frühjahr 2011 erscheinen soll. Hierzulande kann der interessierte Leser Ruso und Tilla in "Der Fluch des Hirschgottes" wiedertreffen.

Fazit:
Weniger ein Kriminalroman als es die (Verlags-)Werbung Glauben machen könnte, lebt der erste Roman aus der Medicus Ruso-Serie nicht zuletzt von seinen starken Hauptfiguren. Wer ein Fan der Falco-Reihe von Lindsey Davis ist, könnte hier neues Lesefutter finden.

Tod einer Sklavin. Ein Fall für Medicus Ruso - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ruth Downie
Tod einer Sklavin. Ein Fall für Medicus Ruso
Medicus and the Disappearing Dancing Girls

Übersetzer: Bärbel und Velten Arnold
Erscheinungsjahr: 2009



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Goldmann Verlag

Preis:
€ 8,95

ISBN:
978-3-442-47180-5

510 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Interessante, dreidimensionale Hauptfiguren
  • Eine spannende Geschichte, nicht zuletzt über den Kriminalfall hinaus
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 17.09.2010
Kategorie: Historisches
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