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Fortunas Rache

Story:
Treveris, das heutige Trier, Mitte des dritten Jahrhunderts. Die junge Invita hatte bisher nicht viel Glück im Leben: Als Findelkind in die Sklaverei verkauft, ist sie die meiste Zeit damit beschäftigt, im Palast des römischen Provinzstatthalters die Latrinen zu schrubben. Ansonsten findet sie sich immer wieder im Ergastulum, der Strafzelle, wieder. Denn das junge Mädchen hat nicht nur ein vorlautes Mundwerk und einen wachen Verstand, sondern auch einen ebenso aufsässigen wie hitzköpfigen Charakter.

Ihre Situation wird dadurch nicht besser, dass sie die Finger nicht von der Bibliothek des Statthalters lassen kann. Bei einem früheren Herren hat sie mehr aus Versehen Lesen und Schreiben gelernt, und seither hält sie mit kleinen, gestohlenen Brocken von Seneca, Catull und Vergil ihre Seele am Leben. Für den sadistischen Sklavenaufseher sind das nur Gelegenheiten, das Mädchen als gewohnheitsmäßige Diebin streng zu bestrafen.

Als ein anderer Sklave des Haushalts von einem Botengang nicht zurückkehrt, gerät sofort Invita in Verdacht, ihm bei der Flucht geholfen zu haben. Die junge Frau sieht nur eine Chance, den drohenden Strafen zu entgehen: Sie muss selbst herausfinden, was mit dem Verschwundenen tatsächlich passiert ist. Aber nicht nur der Aufseher hat sie längst auf dem Kieker und versucht, mit allen Mitteln ihre "Schuld" zu beweisen – auch andere Bewohner des Palastes haben ihre Geheimnisse, an die eine schnüffelnde Sklavin besser nicht rühren sollte...

Meinung:
Maria W. Peter hat mit Invitas Abenteuern eine neue Serie gestartet, die eine im historischen Krimi eher selten besuchten Epoche und Gegend besucht. Wenn Autoren aus dem römischen Reich erzählen, spielt die Handlung sehr oft in der Hauptstadt Rom selbst und etwa um die Zeitenwende. Die Provinzen dienen normalerweise nur als malerische Kulisse für Erzählungen der Figuren oder zeitweise Ausflüge, während hier Gallia Belgica und besonders Treveris im Zentrum stehen.

Auch eine Sklavin als Hauptfigur und Ich-Erzählerin zu wählen, ist eine ungewöhnliche Idee. Denn ihr geringer sozialer Status – selbst innerhalb des Hauspersonals steht die junge Sklavin mehr oder weniger auf der untersten Stufe – machen ihr die "Ermittlungen" nicht gerade leichter. Wie sollte sie irgendjemandem Fragen stellen können, zumal Verwalter Celsus mit Argusaugen darauf lauert, ihr auch nur das kleinste Vergehen anhängen zu können?

Und so lässt die Autorin ihre junge Heldin meist durch Zufall über immer neue Mosaiksteine aus der Lösung stolpern. Oftmals werden zwar Invitas Neugier und ihr selbst eingestandenes Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen, zu Katalysatoren der Handlung, aber selten stecken dahinter gezielte "Ermittlungsaktionen". Eher bemerkt das Mädchen zufällig, wie sich beispielsweise eine Mitsklavin aus dem Haus schleicht und beschließt ihr zu folgen.

Entsprechend schöpft der Roman seine sehr wohl vorhandene Spannung weniger aus der Frage, was denn nun hinter allem steckt, sondern eher aus der Frage, ob seine Heldin lange genug durchhält, bis auf die eine oder andere Weise die Wahrheit ans Licht kommt. Denn sie wird, insbesondere von Celsus, regelmäßig körperlich angegangen. Der Verwalter hält etwa die Strafe von 25 Hieben mit dem Knüttel, die an einer Stelle über das junge Mädchen verhängt wird, für viel zu milde und würde sie gerne härter bestrafen.

Auch emotional wird der Heldin einiges zugemutet. Nicht nur muss sie ständig damit rechnen, dass irgendjemand ihr Böses will – Celsus, bei der Herrschaft petzende Mitsklaven oder der unverschämte Kriegsgefangene Flavus, mit dem man Invita gegen ihren Willen verkuppeln will –, auch die Ungewissheit, wo sie herkommt und wer ihre Eltern sind, macht dem Findelkind sehr zu schaffen. Diese Belastung und Anspannung überträgt sich ein Stück weit auch auf den Leser, weshalb sich der Roman nicht für zu junge Leser eignet.

Wer damit jedoch keine Probleme hat, bekommt mit "Fortunas Rache" eine spannende Lektüre geboten. Die personale Erzählperspektive und nicht zuletzt Invitas Kratzbürstigkeit lässt einem die junge Frau schnell ans Herz wachsen. So ertappt sich der Leser gelegentlich dabei, dass er der Heldin am liebsten hilfreich zur Seite springen würde. Das ist nicht nur bei der Aufklärung der verschiedenen großen und kleinen Geheimnisse so, sondern auch in der Liebe. Denn die unerklärlichen Gefühle, die die Siebzehnjährige neben allem anderem ziemlich verwirren, kann sich der Leser relativ schnell erklären.

Auch als historischer Roman kann sich das Buch sehen lassen. Wie die Autorin in der Danksagung schreibt, sind in "Fortunas Rache" zehn Jahre Recherche über die römische Zeit an Saar und Mosel eingeflossen. Die Gymnasiallehrerin Maria W. Peter interessiert sich nach eigenen Angaben schon seit ihrer Schulzeit für die Antike, im Studium legte sie die Schwerpunkte neben Sprachen und Literatur auch auf Klassische Archäologie und Alte Geschichte. Diese umfassende Fachkenntnis zeigt sich auch in der Stimmigkeit und Ungezwungenheit, mit der Fakten, Namen und Zusammenhänge aus der damaligen Zeit in die Geschichte des Romans eingeflochten sind. Invita erklärt kaum einmal ausdrücklich Dinge, die für ein Publikum zu ihrer Zeit selbstverständlich wären. So mancher Ausdruck wird erst im Glossar am Ende des Buches erläutert. Trotzdem sollte auch der geschichtlich eher weniger beschlagene Leser keine Probleme haben, der Handlung zu folgen.

Die Autorin mag mit ihren Geschichten um Invita (drei Bände sind bereits erschienen, der vierte ist für November angekündigt) nicht den historischen Kriminalroman revolutioniert haben. Eine liebenswerte Heldin in einer lesenswerten Romanserie hat sie trotzdem geschaffen, in die sowohl Fans des historischen Krimis als solchem als auch Interessierte an der Epoche oder der Region einmal einen näheren Blick werfen sollten.

Fazit:
Der Auftakt der Abenteuer der Sklavin Invita aus der Feder von Maria W. Peter ist ein historisches Kriminalabenteuer aus ungewohnter Perspektive in mehrerlei Hinsicht. Wer historische Krimis mag oder sich allgemein für das Saar-Mosel-Gebiet im späten römischen Kaiserreich interessiert, sollte einen näheren Blick auf das Buch werfen.

Fortunas Rache - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Maria W. Peter
Fortunas Rache
Erscheinungsjahr: 2007



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
BLT

Preis:
€ 8,95

ISBN:
978-3404922697

319 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Eine gerade in ihrer Kratzbürstigkeit liebenswerte Heldin
  • Eine ungewohnte Perspektive für historische Romane, sowohl von der Heldin als auch von Epoche und Region her
Negativ aufgefallen
  • Die starke emotionale wie körperliche Belastung Invitas könnte für zu junge Leser zu groß sein
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Rezension vom: 17.08.2010
Kategorie: Historisches
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