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Interview mit Aileen P. Roberts
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Sehr geehrte Frau Roberts. Danke dafür, dass ich ihnen ein paar Fragen stellen darf. Meine allererste ist vielleicht etwas ungewöhnlich: Wofür steht das P. in ihrem Namen?

Ja, ja, das liebe P.. :) So ungewöhnlich ist die Frage eigentlich gar nicht, die habe ich schon häufiger gestellt bekommen. Das P. ist das einzig "reale" an dem Pseudonym und kürzt meinen Spitznamen ab. Wenn Sie wissen wollen was genau dahinter steckt, müssen Sie Terry Pratchett "The wee free men" lesen, da gibt es völlig chaotische kleine Wesen, genannt "Pictsies". Mehr sag ich nicht dazu. :) (Anmerkung der Redaktion: Wer mehr über das Buch von Terry Pratchett erfahren möchte, für den dürfte unsere Rezension der deutschen Ausgabe von "Kleine freie Männer" interessant sein.)

Dass sich ein deutscher Autor ein englisches Pseudonym zulegt, kannte ich bislang nur aus der Science Fiction. Was hat sie dazu motiviert?

Wirklich? Ich habe mir eigentlich nie Gedanken darüber gemacht, ob es "üblich" ist oder nicht. Aber zum einen war mein 1. Roman "Rhiann" ein Jugend/Schottlandroman, der in den Highlands spielt, und da wollte ich ein britisch klingendes Pseudonym, mit dem Hintergedanken, dass mir die Leser dann vielleicht eher abkaufen, dass ich mich dort wirklich auskenne, :) was allerdings definitiv der Fall ist! Nachdem schon ein paar Bücher veröffentlicht waren, hat Goldmann das Pseudonym dann gerne übernommen.

Wie sind sie zum Schreiben gekommen?

Mein Mann wollte immer einen Fantasyroman schreiben, hatte schon angefangen und dann nicht weitergemacht. Nachdem er ständig herumgejammert hat "Ich müsste mal weiterschreiben …" habe ich ihn irgendwann so lange genervt, bis er's getan hat - und diesem Zusammenhang dann überlegt "Hmm, könnte ich auch versuchen". So entstand, in zahllosen Nächten und damals noch handschriftlich mein 1. Jugendroman. Der kam gut an, es folgten die Fortsetzung, dann habe ich mich auch an Fantasy gewagt und schließlich die ersehnte Zusage von Goldmann.

Wenn ich mir ihre bisherige Bibliographie angucke, so fällt mir auf, dass sie innerhalb von fünf Jahren ungefähr genauso viele Bücher geschrieben haben wie andere Fantasy-Autoren innerhalb des dreifachen Zeitraums. Wie schaffen sie das?

Das frag ich mich auch manchmal. :) Gut, die Jugendromane sind jetzt nicht ganz so umfangreich, und ich habe mir auch, gerade zu Anfang so einige Nächte um die Ohren geschlagen. Aber nachdem ich während der letzten Jahre eigentlich immer maximal halbtags angestellt war, und mich schließlich auch noch selbständig gemacht habe, ging das schon - irgendwie …

Wenn ich erst mal in einer Geschichte wirklich drin bin, schreibe ich auch sehr schnell. Deutlich aufwendiger ist dann die Überarbeitung.

Wie sieht eigentlich ihr typischer Tag aus? Wie kriegen Sie ihre Arbeit als Reitlehrerin mit dem Schreiben unter einen Hut?

Typischer Tag - hab ich eigentlich nicht. :)

Es ist recht unterschiedlich, wann und wie lange ich schreibe. Meist erledige ich früh eher Bürokram, weil ich vor 10 oder so nicht sonderlich kreativ bin. Oft versorge ich auch morgens die Pferde, weil wir einen Selbstversorgerstall haben, oder reite selbst noch 1 oder 2 Stunden. Die Reitstunden für meine Schüler kann ich ja zum Glück inzwischen so legen, dass es mir passt, mal Nachmittag, mal Vormittag. Tja, und dann setze ich mich an den Schreibtisch, beantworte Emails, oder betreue, wie zurzeit, Leserunden und versuche, mich nicht allzu sehr von Facebook&Co abhalten zu lassen. :)

Irgendwann geht's dann ans Schreiben oder Korrigieren, je nachdem was gerade ansteht und manchmal flutschen dann auch noch mehr oder weniger lästige (aber auch wichtige) Ideen für neue Bücher dazwischen, die ich dann auch noch irgendwo notieren muss …

Also wirklich gleich oder geordnet ist eigentlich keiner meiner Tage - das würde auch meinem Naturell nicht unbedingt entsprechen - siehe das ominöse P. in meinem Pseudonym ;-)

Sie sind ein großer Schottland-Freund, besonders was die Highlands betrifft. Gibt es Pläne, eventuell irgendwann aus Deutschland wegzuziehen und sich dauerhaft in Schottland niederzulassen?

Oh ja, die gibt es - sogar schon sehr lange! Aber dafür muss ich wohl noch ein paar Bücher mehr verkaufen - also Leute, auf in die Buchläden!!

Gibt es irgendetwas an Schottland, das ihnen nicht gefällt?

Ja, die Midges! Ansonsten fällt mir da eigentlich wenig ein, auch das als sooo schlimm verschrieene Wetter empfinde ich als weniger dramatisch, da hatte ich in Deutschland schon deutlich öfters Dauerregen!

Auf ihrer Homepage zitieren sie ein wunderschönes Gedicht des schottischen Barden Robert Burns. Welches Werk können sie empfehlen, um mehr über ihn und sein Werk zu erfahren? Überhaupt, was ist ihrer Erfahrung nach, die beste Empfehlung, die "Seele" von Schottland kennenzulernen?

Ich muss gestehen, ich kenne auch nur einzelne Gedichte von Robert Burns und habe hier und da Artikel oder im Internet über ihn gelesen, von daher kann ich jetzt kein spezielles Buch empfehlen - allerdings ist das eine Bildungslücke, die ich irgendwann mal schließen muss :). "My heart's in the Highlands" mag ich ganz besonders, weil es eigentlich genau das ausdrückt, was ich empfinde, wenn ich aus Schottland fort muss.

Die Seele Schottlands - hmm - ich würde sagen, man sollte sich abseits der Pfade von Plastik-Nessies und Touristenstrecken begeben. Gerade die unbekannten Gegenden mit dem Rucksack zu erforschen, in privaten Bed&Breakfast-Pensionen übernachten, mit den Einheimischen sprechen, völlig allein mit sich und der Welt an einer Steilküste stehen und aufs Meer hinaussehen, mit dem Zelt an einem menschenleeren Strand übernachten, oder in urigen Pubs den Tag ausklingen lassen - dann lernt man das Schottland kennen, das ich so liebe.

Was lesen sie zurzeit?

Leider sehr wenig, weil ich so viel mit Schreiben beschäftigt bin, aber ich habe momentan "Die Feuerritter" von meiner Kollegin Ann-Kathrin Karschnick zu lesen, weil ich auch bei ihrer Leserunde mitmache.

Als Reitlehrerin und Reitpädagogin haben Sie viel mit jungen Leuten zu tun. Gab es darunter Vorbilder für ihre Figuren, insbesondere natürlich in "Thondras Kinder"?

Also von meinen Reit/Therapiekindern eigentlich weniger, "Die Sieben" in Thondras Kinder sind wirklich frei erfunden, aber Vorbilder für meine Bücher gibt es immer wieder und sie sind auch in beinahe jedem Buch versteckt. :) Zum Beispiel Horac aus Weltennebel, aber ich verrate jetzt nicht, wen ich da "verarbeitet" habe. Ähnlichkeiten mit lebenden und toten Personen … Sie wissen schon …

Was mir an ihrem Roman "Das Magische Portal" so gut gefallen hat, ist die Darstellung ihrer Figuren. Sie haben wirklich Wendungen eingebaut, die mich überrascht haben. Vor allem, weil ihre Charaktere sich so ganz anders verhalten als man es aus anderen Fantasy-Romanen her kennt. Was hat sie dazu motiviert, sie so zu schreiben?

Vielen Dank, das freut mich! Jetzt hätte ich mal eine Frage: :) In wiefern verhalten sie sich denn anders?

Es ist schwer zu sagen, aus welcher Motivation heraus sich die Figuren so oder so verhalten - sie tun es einfach! Natürlich habe ich ein Grundgerüst, wie das Buch in etwa ablaufen soll, aber manchmal führen die Charaktere auch ein Eigenleben und entwickeln sich ganz anders als ich am Anfang dachte. Den Schluss von Weltennebel zum Beispiel habe ich mir sehr lange offen gehalten. Wenn ich anfange zu schreiben läuft das alles im Prinzip wie ein Film vor mir ab und die Handlung nimmt ihren Lauf …

Am besten fand ich eigentlich, dass ihre Figuren zwar flüchtig gesehen die klassischen Rollen einnehmen, sie sie aber anders schreiben als erwartet. Wie ist es ihnen gelungen, die sonst so typischen Rollen-Klischees zu vermeiden, ohne Gefahr zu laufen, sie sozusagen "automatisch" doch noch zu verwenden?

Hab ich das? Hurrah!

Nein, mal im Ernst, ich glaube, man wird immer mal wieder in irgendwelche Klischees reinrutschen, oder das von Kritikern vorgeworfen bekommen. Natürlich, Darian ist bewusst nicht der typische Strahleheld, der alles kann und alles weiß oder es innerhalb kürzester Zeit erlernt. Das wäre mir zu unrealistisch für einen jungen Mann aus unserer Welt erschienen.

Manch ein anderer, Samukal, Fehenius usw. scheinen ja vielleicht zumindest als die eher "typischen" Bösewichte, ob sie dann so typisch sind, überlasse ich dem Leser nach dem letzten Band. :)

Ich finde Klischees nicht schlimm - sofern sie nicht Überhand nehmen - und wer ein Klischee finden will wird immer eins finden und sich daran aufhängen. Insgesamt bin ich der Meinung, dass man bestimmte Völker / Rollen durchaus klassisch beschreiben darf sofern es ins Buch passt.

Was ebenfalls zu ihrem Spiel mit den Klischees gehört, ist die Art und Weise, wie sie das Thema Drogen in ihren Roman eingebaut haben. Wie sie dies geschrieben haben, las sich sehr realistisch, schon fast wie selbst mit erlebt. Was war ihre Quelle für dieses Handlungselement?

Mit erlebt habe ich das - zum Glück - nicht! Aber es freut mich, dass Darians Sucht realistisch rüberkam - da kam mir dann wohl mein Sozialpädgogik-Studium zu Gute. :) Da habe ich dann doch einiges über Suchtverhalten/Probleme/Bewältigung mitbekommen.

Aus Rezensionen oder Kommentaren in Leserunden habe ich da schon sehr unterschiedliche Einstellungen gelesen. Manch einer fand es - so wie Sie - als sehr realistisch beschrieben und fand das auch gut so. Anderen ging Darians lange Sucht und sein Verhalten auf die Nerven. Verständlich, aber ich wollte es eben, wie gesagt, realitätsgetreu beschreiben, und ein Süchtiger verhält sich nun einmal nicht ehrenhaft oder tut wenig nachvollziehbare Dinge und fängt sich meist erst dann, wenn er wirklich am Boden ist - leider!

Ich kenne mich in schottischer Mythologie leider überhaupt nicht aus. Daher die Frage: Haben sie Elemente aus den dortigen Sagen mit in ihr Buch aufgenommen? Wenn ja, was für welche?

Das ein oder andere Element habe ich schon aufgegriffen, zum Beispiel die Banshees, die Todesfeen aus der schottischen/irischen Mythologie. Dann gibt es noch sogenannte Wasserschlangen in Albany, die allerdings erst im 2. Band auftauchen - was die dann sind - na, der ein oder andere mag es sich denken …

Die Nebelinsel, wo die ausgestoßenen Nebelhexen leben, liegt zum Beispiel dort, wo in unserer Welt die Isle of Skye ist, genannt "The Misty Isle". Auch die Steinkreise, die ich beschrieben habe gibt es in der Realität, und im 2. Band wird dann noch ein britischer Mythos aufgeklärt, aber das kann ich jetzt noch nicht verraten. :)

Ihre "Weltennebel"-Trilogie wird Ende des Jahres abgeschlossen sein, und auf ihrer Homepage kann man schon ein wenig mehr über ihre zukünftigen Projekte erfahren. Wie weit in die Zukunft haben sie denn büchermäßig geplant?

Also einen festen Erscheinungstermin habe ich bis jetzt erst für meinen neuen Fantasy-Einteiler, der 2012 bei Goldmann erscheint, eine Mischung aus Zeitreise und Fantasy. Dann gibt es noch ein paar Anthologien, an denen ich beteiligt sein werde, und das Gemeinschaftsprojekt mit meinem Mann ist in Planung, allerdings bisher noch ohne konkreten Veröffentlichungstermin. Und dann spukt mir schon wieder eine ganz neue Idee im Kopf herum - Hilfe!!

Vielen Dank für das Interview

Gern geschehen, ich bedanke mich für das Interesse an mir und meinen Büchern.

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Special vom: 18.07.2011
Autor dieses Specials: Götz Piesbergen
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Die "Weltennebel"-Trilogie
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