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Café Heimat - Die Geschichte meiner Familie

Story:

In "Café Heimat" erzählt Louise Jacobs ihre Familiengeschichte. Teils aus überlieferten Briefen, teils aus Erzählungen von Familienmitgliedern konstruiert die junge Autorin die Geschehnisse rund um die Familie Jacobs. Ein Schwerpunkt liegt bei diesem Buch auf der Entstehung der berühmten Kaffeemarke Jacobs und darauf, wie der Großvater der Autorin diese aus einem normalen Handelskontor, welches seinem Onkel gehörte, aufbaute. Aber auch die Seite ihrer Mutter, die jüdische Familie Jessurun, wird beleuchtet und der Leser erlebt die Flucht der Familie vor den Nationalsozialisten und welche Wege die Jessuruns gingen, bis die Mutter von Louise Jacobs wieder nach Deutschland gelangte.

Meinung:

Teils mit einfachen Worten die Fakten darlegend, teils mit erzählenden Teilen, wie sie hätten sein können, schildert Louise Jacobs die Geschichte ihrer Familie. Einen besonderen Schwerpunkt legt sie dabei auf die Generation ihrer Großeltern. Väterlicherseits erfährt man von Walther Jacobs, der das Geschäft seines Onkels zu der berühmten Kaffeemarke führte, die heute jeder kennt, und mütterlicherseits von der sephardisch-jüdischen Familie Jessurun, welche während des zweiten Weltkriegs aus Deutschland emigrierte.

Wer eine Biografie erwartet hat, in der er detailliert die Wege der legendären Kaffeerösterei beschrieben bekommt, wird enttäuscht. Nur wenige Details gelten der Firma. So erfährt man nur in zwei Sätzen, dass der Großvater aus Amerika wiederkam und innerhalb von zwei Jahren der Umsatz gewaltig stieg. Marketing und ein durchdachtes Konzept waren anscheinend das Erfolgsgeheimnis, doch die großen Sprünge, in denen dieser Teil erzählt wird, überlassen viel der Fantasie des Lesers. Erst ab dem Ende des zweiten Weltkriegs wird die Beschreibung etwas persönlicher und so langsam kann man sich den Unternehmer Walther Jacobs als fürsorglichen und erfolgreichen Mann vorstellen, der aber seiner eigenen Familie etwas hilflos gegenüberstand und dessen Kinder ihm zwar viel Respekt entgegenbrachten, aber mit Liebe und Vertrauen ihm gegenüber Probleme hatten.

Dafür bekommt der Leser eine Menge über die Kindheit der Großmutter von Louise Jacobs erzählt. Da wird seitenlang beschrieben, dass das kleine Mädchen keinen Spargel mochte, dass die Urgroßmutter nicht mit ihrer Schwiegermutter auskam und viele andere Kleinigkeiten. Dinge, die Louise Jacobs von ihrer Großtante Eva erfuhr, die sich wohl als eine der ergiebigsten Quellen für die Recherche der jungen Autorin zur Verfügung stellte. Erst langsam entwickelt sich die Erzählung von der glücklichen Kindheit der beiden Mädchen weg zur Emigration nach Portugal, wo sich die jüdische Familie ein neues Leben aufbaut.

Eigentlich geht es den Jessuruns dort gut. Der Vater hat ein neues Unternehmen mit einem Geschäftsfreund, Mutter und Kinder haben viel Kontakt zu Verwandten, nur die Schwiegermutter harrt weiterhin in Deutschland aus. Sie weigert sich, ihre Heimat zu verlassen, bis es fast zu spät ist. Und auch, wenn die Familie versorgt ist, fühlt sich die Mutter, Else Jessurun, in Portugal nicht wohl. Sie lernt die Sprache nicht, Hitler und seine Bedrohung sind ihr zu nah und unter ihren Stimmungsschwankungen hat die ganze Familie zu leiden. Letztendlich wandert die Familie weiter nach New York, wo Elses Bruder ihnen eine goldene Zukunft verspricht. Doch auch hier ist es nicht so einfach, wie man es sich vorgestellt hatte.

Dafür beginnt mit diesem Abschnitt in New York für den Leser der unterhaltsamste Teil des Buches, in dem der erzählerische Part überwiegt und man kann die Schwierigkeiten der Familie miterleben und mitleiden. Als Romanautorin hat Louise Jacobs ein glückliches Händchen, die fiktiven Teile dieser Biografie sind flüssig geschrieben und überaus unterhaltsam. Doch die Einbindung der Elemente, bei denen ihr nur die Fakten vorliegen und für die es keine persönlichen Dokumente gab, sind zu trocken, emotionslos und oft auch zu kurz geraten.

Gerade der Beginn der Familiengeschichte vor und während des zweiten Weltkriegs lässt den Leser ein wenig in der Luft hängen. Allein durch die noch vorhandenen Briefe des Kaffeerösters Jacobs an seine Vertreter im Land erfährt man ein wenig über die Höhen und Tiefen des Unternehmens während des Krieges. Und was eine spannende Firmengeschichte sein könnte, zieht sich so für den Leser doch erst einmal etwas länger hin. So sehr man die Leistung der jungen Autorin anerkennen muss, besonders angesichts der Tatsache, dass ihre Familie bei den Recherchen nicht sehr kooperierte, so liegt die Zukunft Louise Jacobs doch eher im Romanbereich, wo sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen kann, als bei sachlichen Biografien.



Fazit:

Das Buch "Café Heimat" von Lousie Jacobs ist trotz des schwerfälligen Anfangs eine unterhaltsame Biografie über die Familiengeschichte der jungen Autorin. Wer Details über den Aufbau des Kaffeeunternehmens Jacobs erwartet, wird zwar enttäuscht, dafür kann man aber die liebevoll beschriebene Geschichte einer Emigration während des zweiten Weltkriegs miterleben. Und gerade die Teile des Buchs, die auf den Erzählungen der Großtante von Frau Jacobs basieren, sind bewegend und interessant geschildert.

Café Heimat - Die Geschichte meiner Familie - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Louise Jacobs
Café Heimat - Die Geschichte meiner Familie
Erscheinungsjahr: 2006



Autor der Besprechung:
Konstanze Tants

Verlag:
Ullstein

Preis:
€ 19,95

ISBN:
978-3-550-07871-2

320 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Flüssige Schreibweise der erzählenden Elemente
  • Gelungene Darstellung einer Emigration
Negativ aufgefallen
  • Trockene Beschreibungen rund um Walther Jacobs
  • Zu große Sprünge in der Geschichte
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Rezension vom: 19.08.2007
Kategorie: Biographien
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