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Film Noir. 100 All-Time Favorites

Story:

In den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ermittelten, überwiegend, aber nicht ausschließlich, im amerikanischen Kino verwegene Cops oder Detektive in undurchsichtigen Fällen. Zwielichtige Frauen, Femmes fatales genannt, umgarnten und verführten Gangster, korrupte Polizisten, intrigante Politiker. Sie entfalteten ihre schleifhaften Pläne erst im Verborgenen, wenn das Netz aus Schein, Sein, Lug und Betrug schon gesponnen war und sich der Held meist hoffnungslos darin verfing. In im Verbrechen versinkenden, von Korruption unterwanderten Metropolen standen die wenigen ehrbaren Gesetzeshüter einer Übermacht von Kriminalität und undurchschaubarem Verbrechen gegenüber, meist hingen viele der eigentlichen Lichtgestalten auch selber mit im Verbrechenssumpf. Wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen und nichts ist, wie es zunächst scheint, sich dunkle Schatten durch regennasse Straßen ziehen und allgemein Schwarz überwiegt, sehen Sie einen Krimi oder Thriller aus der Schwarzen Serie, wie Film noirs im Deutschen genannt werden…



Meinung:

Die im Taschen Verlag erschienene, 688 Seiten starke Schwarte Film Noir. 100 All-Time Favorites ist allein schon wegen der Fülle vorgestellter Film noirs ein beachtenswertes Werk. Auf ca. 600 Seiten finden sich Filmbesprechungen von Klassikern wie Die Spur des Falken, Frau ohne Gewissen, Gilda oder Der dritte Mann. Beginnend im Jahr 1920 mit Das Kabinett des Dr. Caligari, der als deutscher expressionistischer Stummfilm eine der Basen des späteren Film noir-Stils darstellt, reicht die Palette der vorgestellten Filme über die klassische Ära der 40er und 50er Jahre bis hin zu Spätwerken Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre. Allerdings stoppt der Band nicht am Ende dieser Ära, sondern setzt seine Leistung über diesen Zenit hinaus fort. Stilmittel und weitere Elemente des Film noir wurden anfangs vereinzelt in den beginnenden 60er Jahren, später jedoch deutlich erkennbar und häufiger bis in die Gegenwart (Nicolas Winding Reffs Drive, Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie oder die period pieces L.A. Confidential und Gangster Squad, die nicht nur mit stilistischen, sondern auch inhaltlichen Eckpunkten die klassische noir-Ära aufgreifen und verfeinern) adaptiert, arrangiert, modernisiert oder variiert. Im Grunde genommen greifen moderne Filme inhaltliche wie stilistische Bestandteile der Klassiker auf und geben diesen mit heutigen Methoden neue Bedeutungen und unterstreichen damit die Wichtigkeit und den großen Einfluss der Filme der Schwarzen Serie.

Der vorliegende Band widmet sich diesen Werken in gleichem Maße, mit welchem bereits die Klassiker beleuchtet wurden. Hier finden sich teils überraschende Streifen modernerer Tage, die man nicht zwingend als sogenannte Neo noirs eingeordnet oder gesehen hätte. So fördert das Buch nicht nur Wissen und Interesse am Film noir, sondern lässt den Leser in eine aktive Auseinandersetzung mit dem Neo noir treten.

Dass David Finchers Sieben oder Michael Manns Heat und natürlich ganz eindeutig unverwechselbar die graphic novel-Adaption Sin City unbestritten als Neo noirs zu klassifizieren sind, ist nach kurzer Lektüre keine große Überraschung. Warum allerdings Takeshi Kitanos Verbrecherdrama Hana-bi - Feuerblume von 1997 ebenso zu den Neo noirs gezählt werden kann (nicht muss, da diese Art der Zuordnung keiner festen Gesetzmäßigkeit folgt sondern weitestgehend individueller Interpretation unterliegt, was jedoch in diesem Band hervorragend geleistet wird) wie Darren Aronofskys Meisterwerk Black Swan oder David Lynchs Mysterythriller Blue Velvet, erklärt der Text nachvollziehbar und erhellend.

Löblich ist die allgemeine Filmauswahl, die sich hauptsächlich aber keinesfalls ausschließlich auf amerikanische Produktionen beschränkt. Französische Produktionen wie Im Banne des blonden Satans (Bernard Borderie, 1953) oder Rififi (Jules Dassin, 1955) oder auch deutsche (Es geschah am helllichten Tag, 1958, von Ladislao Vajda mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe) und britische Meilensteine wie Der dritte Mann mit Orson Welles finden sich beschrieben. Weil auch keiner der amerikanischen Klassiker fehlt, besticht die Auswahl und unterstreicht die Ambition des Buches, 100 Favoritenfilme zu listen, die wichtig und bedeutsam waren bzw. es heute noch sind.

Diese Filmbesprechungen haben meist einen Umfang von 4-8 Buchseiten, sind mit Illustrationen, Filmstille und Plakaten lebendig gestaltet und verfügen über einen stets eingängigen, leicht verständlichen, aber immerzu informativen Text. Auch der Unterhaltungsaspekt ist bei der Lektüre nicht abwesend. Vielmehr sieht sich der Leser mit fortlaufender Beschäftigung einem immer stärker werdenden Drang gegenüber, sich in ein dunkles Räumchen zurückzuziehen und die düsteren Streifen über den Bildschirm flimmern zu lassen. Hervorgehobene Zitate, Aussagen oder markante One-Liner maximieren dieses Bedürfnis zunehmend. Weiterer Teil der Besprechungen sind regelmäßig beigefügte Kästen, die Info-Texte zu bestimmten Merkmalen, Darstellern oder Sachverhalten rund um den Film noir geben. Im Rahmen von Gilda wird Glenn Ford vorgestellt, Peter Lorre auf den Seiten über M - Eine Stadt sucht einen Mörder und bei Die Spur des Falken finden sich Infos zu Detektivfilmen. Dazu sind drei zu Beginn des Buches angeordnete Textteile, die insgesamt 50 Serien umfassen, weitere Informationsquellen zum Film noir und Neo noir. Taxi Driver-Autor und Filmkritiker Paul Schrader steuert in seinem Text Notizen zum Film noir eine generelle Abhandlung bei, Herausgeber Jürgen Müller und Jörn Hetebrügge sezieren in ihrem Beitrag Out of Focus Orson Welles' The Lady from Shanghai und im dritten Textteil führt Douglas Keesey in den Neo noir ein. Gerade dieser Teil ist spannend und vermittelt Fachwissen, weil anhand moderner Filme wie Collateral oder Sin City der Einfluss der Klassiker auf das heutige Kino deutlich gemacht wird.

Der Autor führt darüber hinaus Elemente und Sequenzen aus Filmen auf, die weniger offensichtlich mit dem noir-Ansatz in Verbindung zu bringen sind. Die Abschnitte zu Hannibal, V wie Vendetta, Matrix oder Terminator sind erhellend und vertiefen das Verständnis für den Sachverhalt. Register und eine Liste von 1.000 Film noirs aus der ganzen Welt, die sich am Ende des Bandes befindet, runden das Gebotene ab, indem ein letztes Mal Daten und Fakten zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema gereicht werden.

Film Noir. 100 All-Time Favorites kommt als Hardcoverausgabe auf den deutschen Markt, die hochwertig und gut verarbeitet erscheint. Der stabile Einband und das kräftige Papier untermauern diesen Eindruck. Die insgesamt 688 Seiten geben dem Schinken ein beachtliches Gewicht. Mit diesem umfassenden und umfangreichen Werk kommt mal wieder aus dem Taschen Verlag ein für Cineasten durchweg interessanter Titel, der das Buchregal sowie die eigene Sammlung aufwertet.



Fazit:

Film Noir. 100 All-Time Favorites ist eine umfassende und einfach zugängliche Abhandlung über die Werke der klassischen Film noir Ära sowie die Vertreter des Neo noirs. Mit informativen, analytisch genauen und unterhaltsamen Texten ermöglicht das Buch das Erlangen von nachhaltigem und tiergehendem Wissen zum Thema. Viele Aspekte und Sachverhalten finden sich dargestellt. Vor allem die Vorstellung und Beschreibung der Filme überzeugt und macht Lust auf die variantenreichen Streifen der Schwarzen Serie. Durch seinen festen Einband und seine gute Papierqualität macht der Band einen wertigen Eindruck. Vor allem Cineasten und fachlich Interessierte dürften eine Anschaffung nicht bereuen.



Film Noir. 100 All-Time Favorites - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Paul Duncan, Jürgen Müller
Film Noir. 100 All-Time Favorites
Übersetzer: Egbert Baqué
Erscheinungsjahr: 25. Mai 2014



Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Verlag:
Taschen

Preis:
€ 39,99

688 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Umfangreiche Auflistung
  • Informative Texte
  • Hochwertige Qualität
Negativ aufgefallen
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Bewertung:
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Rezension vom: 20.07.2014
Kategorie: Rezensionen
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