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Nicholas Bracewell 01: Das Haupt der Königin

Story:
Das London des Jahres 1588 ist von Stolz und Erleichterung erfüllt: Die große Kriegsflotte des spanischen Königs, die noch vor kurzem für Angst und Schrecken sorgte, ist besiegt! Die fast völlige Vernichtung der Spanischen Armada ist auch eine gute Nachricht für die Schauspielertruppe Lord Westfield's Men, denn Stücke mit genügend patriotischem Pathos sind gerade regelrechte Erfolgsgaranten.

Aber Nicholas Bracewell, Inspizient und Regisseur der Gruppe, ist nicht frei von Sorgen. Einer der Schauspieler, der außerdem ein guter Freund war, wird bei einer Wirtshausschlägerei getötet. Nicholas setzt alles daran, den Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Aber offenbar steckt hinter dem vermeintlichen einfachen Streit zwischen Betrunkenen viel mehr...

Meinung:
Die historischen Krimis um Nicholas Bracewell und Lord Westfield's Men spielen in der Welt des elisabethanischen Theaters, und ein bisschen wie Theater fühlt sich auch dieser Roman an. Speziell zu Beginn wirken die Charaktere nicht so recht "echt", sondern eher wie Rollen, die von Schauspielern vor- und dargestellt werden. Ähnliches gilt für die Handlung. Häufig kann man zumindest erahnen, was der Autor mit bestimmten Handlungsschritten erreichen will. In erstaunlich vielen Fällen bekommt man es sogar direkt gesagt: Der Autor erklärt zu oft, wo er besser darstellen, zeigen sollte.

Das soll aber nicht heißen, dass Figuren und Geschichte durchweg ungenügend sind. Auch bei einer Aufführung im realen Leben werden die meisten sich bewusst sein, dass dort oben auf der Bühne nicht Richard III. oder MacBeth stehen. Trotzdem kann die Theatertruppe sehr gute Arbeit abliefern. Das Prädikat "sehr gut" haben Marstons Figuren zwar nicht unbedingt verdient, aber für einen unterhaltsamen Nachmittag reicht es locker. Besonders die kleinen Dramen, Starallüren und Eifersüchteleien hinter den Kulissen von Lord Westfield's Men sorgen für Trubel und oft zumindest ein Schmunzeln. Man könnte "Das Haupt der Königin" mit einem etwas groben Schwank eines kleineren Dorftheaters vergleichen. Böswillig könnte man von Gebrauchsliteratur sprechen: Der Roman liefert einige Stunden Unterhaltung, mehr will er nicht, und für mehr betreibt er nicht den Aufwand.

Das merkt man auch beim Kriminalfall. Der zieht sich zwar wie der berühmte rote Faden durch die gesamte Geschichte, tritt aber häufig hinter die Vielzahl an Schwierigkeiten, die Nicholas als Inspizient und "Go-To-Guy" der Truppe lösen muss, zurück. Erfahrene Krimileser merken schnell, auf wen als Übeltäter die Sache hinauslaufen könnte, falsche Spuren werden nur wenige gelegt. Wenn man das Buch zugeklappt hat, beginnt man sich außerdem zu fragen, wie Nicholas das Ende eigentlich bewerkstelligen konnte. Es erscheint höchst unwahrscheinlich, dass die offiziellen Stelle sich auf dieses Spiel eingelassen hätten.

Während des Lesens lässt man sich jedoch nicht von solchen Überlegungen ablenken, denn Marston hat es durchaus geschafft, eine spannende Geschichte zu schreiben. Speziell vor dem großen "Showdown" am Ende wird die Versuchung, nur mal schnell ein paar Seiten vorzublättern, fast übermächtig. Das ist, wenn man die beschriebenen Begrenzungen des Romans und seines Personals betrachtet, ziemlich erstaunlich und zeigt, wie viel schriftstellerisches Talent in Marston steckt. Manchen Leser könnte etwas Wehmut befallen, wenn er bedenkt, was für einen Roman Marston hätte schreiben können, wenn er in Figuren und Geschichte mehr investiert hätte.

Möglicherweise macht sich hier der Anfang von Marstons Karriere bemerkbar. Denn Edward Marston ist ein Pseudonym von Keith Miles. Der gebürtige Waliser studierte Moderne Geschichte an der Universität von Oxford, wo er auch einige Jahre unterrichtete, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Zunächst arbeitete Miles als Scriptwriter für britische TV- und Radiosoaps wie "Crossroads" oder "The Archers". Es ist Spekulation, aber die Vermutung, dass Miles sich hier einen "ökonomischen" Arbeitsstil aneignete, liegt nahe. 1986 begann er unter seinem bürgerlichen Namen die Romanreihe um Alan Saxon, einen Profi-Golfer und Amateurdetektiv. 1988 erschien unter dem Namen Edward Marston der erste Roman mit Nicholas Bracewell, eben "Das Haupt der Königin". Seither sind insgesamt 16 Bände erschienen, außerdem weitere Reihen historischer Krimis aus unterschiedlichen Perioden der englischen Geschichte. Neben dem Pseudonym Edward Marston, das Miles hauptsächlich verwendet, schreibt er unter weiteren Namen, beispielsweise Martin Inigo oder Conrad Allen.

Unabhängig vom Namen auf dem Cover, "Das Haupt der Königin" ist sicher kein großartiger historischer Roman, aber er bietet für einige Stunden gute Unterhaltung. Und oft will man ja gar nicht mehr als das.

Fazit:
Der Auftakt der Abenteuer um Nicholas Bracewell und Lord Westfield's Men ist sicher kein großartiger historischer Roman. Dazu sind Figuren und Geschichte zu dünn, zu sehr als eben dies erkennbar. Trotzdem kann der Autor ein erstaunlich hohes Niveau an Spannung aufbauen. Für ein paar Stunden gute Unterhaltung reicht es allemal.

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Edward Marston
Nicholas Bracewell 01: Das Haupt der Königin
The Queen's Head

Übersetzer: Benno F. Schnitzler
Erscheinungsjahr: 1992



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Goldmann Verlag

ISBN:
3-442-42685-5

252 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Ein paar Stunden gute Unterhaltung...
Negativ aufgefallen
  • ... für mehr reichen Personal und Geschichte auch nicht
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Rezension vom: 02.09.2013
Kategorie: Historisches
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