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Blutklingen

Story:

In den Bergen von Fernland wurde Gold gefunden. Die Verheißung auf schnellen Reichtum zieht jedoch nicht nur Goldschürfer und Glücksritter an.

Lamm und Scheu sind hingegen auf einer ganz anderen Suche: Sie verfolgen eine Horde Marodeure, die ihren Hof niederbrannten. Und manchmal ist es auch einfach nur das Schicksal, das einen Mann wie Tempel aus einem Söldnerheer nach Knick, der verruchtesten Goldgräberstadt in ganz Fernland zieht.



Meinung:

"Blutklingen" ist bereits der sechste Roman der "Klingen-Serie" des britischen Autoren Joe Abercrombie, die eigentlich nur als Trilogie um den Barbaren Logen Neunfinger angelegt war. Jedoch bewog ihn der phänomenale Erfolg seines Erstlings und damit auch seines Durchbruchs dazu, seine Stammserie fortzusetzen.

Der Umstand, dass diese ursprünglich nur auf 3 Romane ausgelegt war und so Welt und Charakterentwicklung bereits zum dritten Mal ausgedehnt werden, ist deutlich zu spüren. So ist von den ursprünglichen Charakteren keiner mehr anzutreffen und von ihren Taten nur noch hier und da etwas zu hören. Tatsächlich kommen nur 2 ältere Bekannte, der Söldnerhauptman Cosca und dem Nord-Kriegsveteranen Espe, kurz zum Vorschein. Das dient sicherlich dazu, um den Eindruck zu erwecken, dass die Geschichte immer noch einen Bezug zu den vorhergehenden besitzt.

Nachdem bereits das 4. Buch der Reihe einen temporären, wie auch lokalen Bruch im Erzählverlauf dargestellt hat, ist im nunmehr sechsten Band auch die Story an sich völlig neu, um nicht zu sagen, für einen Fantasy-Roman absolut untypisch!:
Tatsächlich ist die Rahmenhandlung ein Goldrausch im sogenannten Fernland, einer wilden Prärie, die an den mittleren Westen der USA erinnern soll. Es handelt sich hierbei also eher um einen Western ohne Schießpulver und Dynamit, als um einen dreckig-direkten Low-Fantasy Roman, wie bislang.

Trotzdem ist das Buch ein typischer Joe Abercrombie Roman. Sein Schreibstil zeichnet sich durch seine Klarheit, Direktheit, Zynismus und Sarkasmus aus, der seine Geschichten, deren Blick nah an der Realität angelehnt ist, mit bissig-bösem Humor füllt.

Die Geschichte beginnt so trostlos, wie nur irgend möglich. Hauptcharakter ist Scheu. Sie ist eine zähe Farmerstochter, die den Männern in Kraft und List in nichts nachsteht. Eine Frau aus Leder und Stahl. Ihr Gegenpart scheint der friedliebende und etwas unbeholfene Nordmann Lamm zu sein, dessen Name scheinbar alles über sein Gemüt aussagt. Er ist ein Freund ihres verstorbenen Vaters und hilft auf ihrem Gehöft aus. Eigentlich könnten sie ein einfaches, aber behagliches Leben mit ihren zwei kleinen Geschwistern führen. Jedoch wird die Idylle abrupt von Kinderfängern und Marodeuren zerstört, die den Hof niederbrennen und den alten Freund des Hauses massakriert zurücklassen. So reisen sie ihnen hinterher, der Spur der Verwüstung folgend, die sie bis nach Fernland ziehen. Auf ihrem Weg stoßen sie auf einen Treck, der auf dem Weg nach Knick, DER Goldgräberstadt schlechthin ist und schließen sich ihm an.

Tempel, Rechtsgelehrter im Söldnerheer des berüchtigten sowie exzentrischen General Cosca, stößt eher unfreiwillig dazu. Nachdem er aus Coscas Heer desertierte und unbewaffnet einem Angriff der sogenannten "Geister" (vgl. amerikanische Ureinwohner) nur knapp entkam, stürzt er in einen Fluss und wird Scheu direkt vor die Füße gespült. Sie bezahlt seine Passage und er ist von nun an ihr Untergebener.

Auf dem Weg schlagen so ziemlich alle Widrigkeiten, mit denen auch ein Reisender im Wilden Westen zu rechnen hatte, zu und Tempel und Lamm entpuppen sich als vielschichtiger, als bislang vermutet. Doch schließlich erreichen sie alle Knick, einem Moloch voller menschlichem Abschaum. Entgegen aller Hoffnungen ist dies weder das erwartete El Dorado, noch der Ort, an dem Scheu ihre Geschwister findet.

Leider passiert neben einem kleinen Scharmützel mit einer Horde Eingeborener während dieser Reise, 200 Seiten erst einmal gar nichts. Allerdings steigert sich die Spannung und das Tempo in der letzten Hälfte des Buches wieder etwas, auch wenn schon allein der Plot keine annähernd so epische Kulisse bildet, wie in den Vorgängern, sondern nur mit Authentizität und Atmosphäre punkten muss.

Der Versuch des Schriftstellers, Fantasy mit Western zu verbinden ist ein interessanter Ansatz. Leider passt das überhaupt nicht mit seiner mittelalterlichen Low-Fantasy Welt zusammen, ja wirkt schon beinahe bizarr und abstoßend. Dies mag möglicherweise auch im Auge des Betrachters liegen. Doch passt es einfach nicht mit unserem allgemeingültigen Westernbild zusammen. Außerdem muss man an vielen, elend langgezogenen Passagen erkennen, dass der Autor sich irgendwie zum Schreiben seines Buches gezwungen haben muss. Genau wie er sich zwang, die Stellen zu schreiben, genauso langatmig lassen sie sich zum Teil lesen.



Fazit:

Joe Abercrombie versucht mit seinem neusten "Klingen-Roman" die Grenzen der Mainstream-Fantasy zu durchbrechen. Dazu versucht er seine typisch westliche Mittelalter-Low-Fantasy-Welt mit einem Western zu kreuzen. Dass dies ein schwieriges Unterfangen werden muss, stand von Anfang an fest. Leider muss man konstatieren, dass dieser Hybrid alles andere als ein zukünftiger Klassiker geworden ist. Eher wirkt es wie ein zusammengeschnibbeltes Frankenstein-Monster eines Youngster-Autoren, der zwanghaft versucht, eine erfolgreiche Triologie auf Biegen und Brechen über den 5. Roman hinaus fortzusetzen. Und das, auch nachdem keiner der Ursprungscharaktere mehr existiert und das Stammland der Handlung längst verlassen wurde. An dieser Stelle muss man wie so oft einfach sagen: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist!



Blutklingen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Joe Abercrombie
Blutklingen
Red Country

Übersetzer: Kirsten Borchardt
Erscheinungsjahr: 2013



Autor der Besprechung:
Alexander Prinz

Verlag:
Heyne Verlag

Preis:
€ 15,99

ISBN:
978-3453314832

748 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Klare, sachliche Sprache und Bilder
  • Realitätsnähe trotz Fantasy-Setting
  • Schwarzer Humor und Zynismus
Negativ aufgefallen
  • Gezwungene Handlung
  • Langatmig
  • Szenemischung unpassend
  • Charaktere haben zu wenige Facetten
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Rezension vom: 24.08.2013
Kategorie: Fantasy
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Leseprobe
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Größe: 1.64 MB
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