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Engelke Geerts 03: Dreissig Silberlinge

Story:
Hamburg im Jahre 1401. Engelke Geerts hat allen Grund zur Freude: Ihr Brauhaus läuft gut, die Piraten um Godeke Micheels sind endlich gefasst und werden bald hingerichtet werden, und ihre Cousine Anna ist aus Riga zu Besuch und erwartet ihr erstes Kind.

Dann aber verdüstern schreckliche Ereignisse das Bild. Mehrere kleine Kinder aus armen Familien verschwinden spurlos und werden später mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden. In der Stadt macht sich Angst breit, und Wut, denn der Rat erweist sich ohne die geringste Spur als hilflos. Engelke befragt auf eigene Faust zwei Bettlerinnen, die in der Nähe eines der Fundorte hausen. Kurz darauf sind die beiden Frauen ebenfalls tot. Zur gleichen Zeit verhält sich einer der Schuldner von Engelkes Familie, ein leichtlebiger, ungeschickter Kaufmann, sehr merkwürdig. Die junge Frau muss wieder einmal zu ungewöhnlichen Methoden greifen, um den Morden ein Ende zu setzen.

Meinung:
Man könnte fast den Eindruck haben, als wollte Barbara von Bellingen mit ihren Romanen um Engelke Geerts die verschiedenen Varianten durchspielen, die bei einem historischen Roman möglich sind. Ging der erste Band, Jungfernfahrt, noch vor allem in Richtung Abenteuer, war der Nachfolger Verlorene Seelen eher ein "echter" Krimi. Teil Drei wirkt wie ein Versuch, einen Thriller aus alter Zeit zu schreiben. Werden Kinder zu Opfern, fiktiv oder nicht, ist es immer noch etwas schlimmer als bei anderen Verbrechern. Hinzu kommt, dass es sich um besonders grausame Morde handelt. Der Untertitel lautet dabei fast unverändert "Ein Roman aus der Hansezeit".

Allerding scheint von Bellingen diese Spielart nicht besonders zu liegen. "Dreissig Silberlinge" ist bisher der schlechteste Band der Reihe – auch wenn das Jammern auf recht hohem Niveau ist. Das liegt insbesondere daran, dass die Geschichte zu Beginn nicht recht in Schwung kommt. Die ersten vierzig, fünfzig Seiten gehen fast nur für Exposition und andere Vorbereitungen drauf. Spannend wird es erst, wenn Engelke zufällig dazu kommt, als das erste ermordete Kind gefunden wird.

Dann allerdings zeigt die Autorin wieder einmal, dass sie an den "Fäden" ihrer Leser zu ziehen versteht. Die hintergründige Bedrohung und Dringlichkeit, die Engelke empfindet, überträgt sich fast unmittelbar: Kleine Kinder müssten sterben. Der Rat ist offenkundig hilflos, was die Stimmung in der Stadt dem Siedepunkt entgegentreibt. Als dann die beiden Bettlerinnen getötet werden, nachdem und anscheinend weil Engelke sie über ihre Beobachtungen in der Tatnacht befragt hat, fühlt sich die junge Frau um so mehr getrieben, den Untaten ein Ende zu setzen.

Die Auflösung, die sie am Ende aufdeckt, kann überzeugen, auch wenn die allerletzte Volte nicht hätte sein müssen. Ein anderer Pluspunkt fällt einem erst im Nachhinein so richtig auf: Ein bestimmter Nebencharakter wird immer wieder, wie beiläufig erwähnt. Erst am Schluss wird klar, um wen es sich dabei eigentlich handelt. Und diese Auflösung und was daraus entsteht ist einfach nur schön zu lesen; man könnte sagen, ein richtiger Seelenstreichler. Die regelmäßigen Anspielungen sind geschickt in die Handlung eingewoben.

Diese Rückkehr einer Figur bringt einen Handlungsstrang, der sich durch die gesamte Serie zog, zum Abschluss (und leitet gleichzeitig den folgenden ein). Auch insgesamt hat man beim Lesen den Eindruck, die Autorin wollte zumindest die wichtigsten noch offenen Fäden verweben, die Reihe zum Abschluss bringen. Tatsächlich wäre das Ende dieses Romans auch ein würdiges Ende für die Romane um Engelke Geerts insgesamt gewesen. Allerdings legte von Bellingen noch eine weitere Geschichte nach.

Die Charaktere sind wie gewohnt gelungen gezeichnet. Man fühlt sich beim Lesen gelegentlich, als würde man dem neuesten Klatsch über alte Bekannte hören. Wie schon in den vorherigen Bänden tragen nicht zuletzt die Ausflüge in den plattdeutschen Dialekt viel zur Atmosphäre bei. Diese Stellen zu lesen mag für Nicht-Fischköppe ungewohnt sein, aber es lohnt sich.

Die historische Einordnung lässt sich ebenfalls mit der in den vorherigen Teilen der Reihe vergleichen. Einerseits ist die Handlung klar datiert, und mit der Ergreifung der Likedeeler um Godeke Micheels hat die Autorin diesmal auch eine berühmte Gestalt der "realen", Geschichte integriert. Gleichzeitig hätte die Geschichte ohne viele Änderungen auch hundert Jahre früher oder später stattfinden können. Das ist erneut weniger eine Kritik als mehr eine Beobachtung.

Tatsächlich zu kritisieren sind erneut die zeitgenössischen, ortstypischen und anderen heute ungebräuchlichen Begriffe, die meist nicht weiter erklärt werden. Da ist nichts dabei, was das Verständnis wirklich behindern würde, aber so manches Mal fragt man sich doch, wovon genau da gerade die Rede ist. Das kurze Glossar, in dem in den vorherigen Bänden einige offenbar willkürlich ausgewählte Begriffe erklärt wurde, fehlt diesmal konsequenterweise ganz. Ebenfalls entfallen ist die Karte des Hamburgs der Hansezeit, die die Orientierung bei Engelkes ersten beiden Abenteuern doch deutlich erleichtert hatte.

Zusammengenommen ist das Ergebnis, auch wenn es nicht an die ersten beiden Folgen der Serie heranreicht, ein mehr als ordentlicher historischer Roman. Wem die vorherigen Bände gefallen haben, der wird auch hier auf seine Kosten kommen. Und wer gerne historische Romane liest, nicht zwingend auf die Unterkategorie des historischen Krimis eingeschränkt, bei denen einem die Charaktere schnell ans Herz wachsen und man ihnen in jedem Roman gerne wieder begegnet, der sollte einmal eine Blick in die Serie werfen. Allerdings ist zu empfehlen, am Anfang zu beginnen, da es eben in den späteren Folgen oft Rückbezüge auf früher gibt.

Fazit:
Das dritte Abenteuer von Engelke Geerts reicht nicht an die ersten beiden heran, ist aber immer noch ein mehr als ordentlicher historischer Roman. Schade ist vor allem, dass die Geschichte erst relativ spät Fahrt aufnimmt. Danach zeigt die Autorin jedoch, was sie kann. Die aus den bisherigen Romanen bekannten sonstigen negativen wie positiven Punkte gelten eigentlich auch für diese Geschichte.

Engelke Geerts 03: Dreissig Silberlinge - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Barbara von Bellingen
Engelke Geerts 03: Dreissig Silberlinge
Erscheinungsjahr: 1998



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Heyne Verlag

ISBN:
978-3453131309

254 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Die Charaktere funktionieren, wie von der Autorin gewohnt, auf Anhieb
  • Dass öfter mal plattdeutsch geschnakt wird, trägt sehr positiv zu Atmosphäre bei
Negativ aufgefallen
  • Der Anfang liest sich etwas schleppend
  • Wieder gibt es gelegentlich unerklärte Begriffe. Das Mini-Glossar fehlt diesmal gleich ganz
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Rezension vom: 07.05.2013
Kategorie: Historisches
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