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Die Trolle

Story:

2007 erhielt der in Lüdenscheid geborene Christoph Hardebusch für das vorliegende Werk den Deutschen Phantastik-Preis für das beste deutschsprachige Romandebüt. Nach seinem Studium der Anglistik und Medienwissenschaft, blieb der zukünftige Schriftstelle zunächst als Texter bei einer Werbeagentur aber das Interesse an Fantasy und Geschichte, führte schließlich zum Schreiben. Da sich die gesamte Trilogie großer Beliebtheit erfreute, konnte der 1974 geborene Hardebusch sich seitdem auf seine Arbeit als freischaffender Autor konzentrieren.

In der heuteigen Fantasy-Literatur ist es nicht mehr ungewöhnlich Figuren ins Zentrum des Geschehens zu setzen, deren Betrachtungsweise von der menschlichen hin und wieder deutlich abrückt. Da gibt es bereits "die Elfen", die zwar annähernd menschlich aussehen aber doch - als meist unsterblich dargestellt - mit gänzlich anderen Problemen kämpfen, "die Orks" werden gemeinhin als stumpfe Tötungsmaschinen angesehen, haben aber durch die gleichnamigen Romane an Profil gewonnen und natürlich die Zwerge, denen nicht nur Markus Heitz mit seiner Trilogie ein beeindruckendes Monument errichtet hat. Die Liste ließe sich noch verlängern aber das Prinzip scheint klar.

Eine Rasse, der sich die fantastische Literatur bisher eher stiefmütterlich gewidmet hat sind die Trolle. Beim Hobbit kommen sie nicht gerade gut weg, sie sollen sehr stark sein, stinken, viel Fleisch fressen und auch vor Kannibalismus nicht zurück schrecken. Trolle hausen in den meisten Darstellungen in Höhlen, sind unterdurchschnittlich intelligent und meiden das Sonnenlicht, da es sie - je nach Geschichte - in einen tiefen Schlaf fallen oder sogar versteinern lässt. Soweit zum allgemeinen doch was macht der Autor im konkreten Fall daraus?

Eine bewegte Geschichte
An jeder Grenze von den steil aufragenden Sorkaten umgeben, liegt das Land Wlachkis auch Ardoly genannt. Die stolzen Ureinwohner des Landes (zumindest nachdem sich die Elfen in die Wälder zurückgezogen haben) sind die Wlachaken. Raue Gesellen, die ihr Land lieben und den großen Städten zum Trotz die sie errichtet haben, der Natur und dem Geist des Landes auf dem sie leben sehr verbunden sind. In den Bergen lebt das kleine Volk mit dem die Menschen nur selten in Berührung sind, um Handel zu treiben. Und in den Wäldern sollen Lebewesen aus anderen Zeitaltern ihr Unwesen treiben…

Vor etwa 300 Jahren wurde Wlachkis von den Masriden einem Reitervolk trotz heftiger Gegenwehr im Sturm erobert. Seit dieser Zeit konnte die Wlachaken nur einen kleinen Teil ihres Landes gegen die "Eindringlinge" halten: Das unwirtliche Mardew eine bergige Region im Süden des Landes. Doch auch unter den Masriden herrscht Misstrauen nach dem die Herrschaftsgewalt sich auf drei von ihnen verteilt sogenannte Marczegs. Der schlimmste ist Zorpard.

Ein junger Rebell
Sten ist ein junger wlachakischer Krieger und einer der Rebellen, die noch immer an ein freies Wlachkis glauben und sich zum Leidwesen der Masriden unter der Führung ihrer Voivoiden tatkräftig dafür einsetzen. Doch es passiert was passieren muss und Sten wird erwischt und "dem Wald übergeben" - in einem Käfig. Das kommt natürlich einem Todesurteil, würde er dort nicht den Trollen begegnen. Nach leichten Startschwierigkeiten bietet Druan der Anführer der kleinen Trollgruppe einen Handel an. Stens Leben gegen seine Hilfe. Denn die Trolle haben ein Problem und die Ursache scheinen die Masriden zu sein, deren Magier sich mit finsteren Mächten eingelassen haben um die Höhlen der Trolle zum Einsturz zu bringen. Das kann den Zwergen als Todfeinden der Trolle nur recht sein und so riecht alles nach einem Bündnis.

Sten und die fünf Trolle machen sich also auf dem Weg zur Ursache des Übels und aus der Zweckgemeinschaft schein nach und nach ein engeres Bündnis mit gegenseitigem Respekt zu entstehen. Die Trolle sind furchterregen und besonders Pard der größte von ihnen scheint sich nicht immer im Griff zu haben wenn er mit den "schwächlichen" Menschen zu tun hat. Allen Schwierigkeiten zum Trotz reift in Sten ein Plan heran bei dem die Trolle auch eine Rolle im Kampf der Wlachaken um ein Leben in Freiheit spielen.



Meinung:
Eine Frage der Perspektive
Aus Sicht der Trolle ist es natürlich, dass Menschen Kannibalismus kategorisch ablehnen: Wenn die Alten eines natürlichen Todes sterben, ist nicht viel an ihnen dran und außerdem gibt es an der Oberfläche Nahrung genug. Aber warum man so etwas wie Geld benötigt, werden die Bewohner der dunklen Höhlen unter Wlachkis wohl nie verstehen. Jeder nimmt sich was er braucht und nicht mehr. Wenn es ein anderer braucht, wird im Zweifelsfall darum gekämpft, aber nicht bis zum Tod. denn Denn "Trolle töten keine Trolle", nur bis einer sich unterordnet.

Die Regeln der wirklich bedrohlich dargestellten Wesen erscheinen einfach und zweckmäßig einer Umwelt angepasst, die lebensfeindlicher kaum sein könnte. Der Autor erschafft eine plastisch wirkende Spezies, deren nachdenklicher Blick auf die "schwachen Menschen" immer wieder für Schmunzeln sorgt. Druan und seine Gefährten sind alle groß, tödlich und sehen bedrohlich aus, das transportiert beinahe jede Szene mit den Trollen überdeutlich. Aber darüber hinaus bekommen die ungeschlachten Riesen von Hardebusch Leben eingehaucht. Eine der "Bestien" begeistert sich beispielsweise für das Schreiben lernen und Druan versucht alles über die Menschen zu lernen, um sie zu verstehen und zeigt dabei, dass auch ein Troll über einen scharfen Verstand verfügen kann.

Den Trollen wird mit Sten ein sympathischer Begleiter an die Seit gestellt, der zunächst zwar etwas durchschnittlich wirkt, sich aber im Verlauf des Buches entwickelt und auch nachdenkliche Charakterzüge trägt. Als Gallionsfigur der Rebellion erfüllt der wlachakische Krieger das Klischee des cleveren, redegewandten Schwertkämpfers, für den seine Männer durch die Höhle gehen würden. aber Aber er ist sich auch der last Last dieser Verantwortung bewusst und sehnt sich nach einem Leben in Frieden für die Wlachaken, aber nicht unter der Knute seiner Besatzer.

Mit zu erleben, wie die beiden grundverschiedenen Spezies auf Tuchfühlung zueinander gehen und erstaunlicherweise nicht nur Unterschiede entdecken, macht von der ersten bis zur letzten Seite Spaß und ist definitiv eines der Highlight des Buches.

Mal wieder ein kleines Land zwischen Bergen
Zugegeben: Ein Land, das ringsumher von Gebirgen umgeben ist, in denen die Zwerge wohnen und in dessen Wäldern die Elfen leben… Kennen wir das nicht irgendwoher? Das wirkt etwas stereotypisch, stört aber den unterhaltungswert Unterhaltungswert des Buches nicht im Geringsten.

Wlachkis gewinnt im Verlauf des Buches durch die gesamte Eroberungsgeschichte und die Kultur der beiden darin lebenden menschlichen Völker samt deren Konflikt immer mehr an Profil. Die liebevoll gestaltete Karte im Einband des Buches tut ihr übriges, damit man sich schnell zurechtfindet.

Die Unterschiede zwischen den Wlachaken und Masriden beginnen bei der Haartracht und enden bei der Reiterei und deren Prunkharnischen noch lange nicht. Der Autor nimmt sich auch immer wieder Zeit, um vermeidlich unwichtige Details wie Unterschiede in der Architektur oder Geschichten aus der Vergangenheit der Wlachaken einzuflechten. Das zeigt Liebe zum Detail und macht das Eintauchen in den Roman zu einem Vergnügen.

Charaktersache
Die große Stärke der Geschichte sind definitiv die Figuren. da Da sind die Trolle, die erst so stereotyp erscheinen, aber im Verlauf der Handlung immer mehr an individuellen individuellem Profil gewinnen. und Und da ist Sten ein junger Krieger der sich seiner großen Verantwortung nur zu sehr bewusst ist. aber da sind auch eEbenso sind da viele Nebencharaktere, die dem Leser schnell ans Herz wachsen. Stens scharfzüngiger bester Freund und Mentor Natiole, dessen Verstand genauso scharf wie seine Klinge ist und Voivoiden Ionna eine starke Frau, die für die Wlachaken alles opfern würde und eine große Feldherrin ist, Stens Schwester und natürlich der herrlich böse Marczeg Zorpard sind nur einige der Figuren, die das Land, in dem die Abenteuer rund um die Trolle passieren, lebendig werden lassen.



Fazit:
Auf rund 750 Seiten ist genug Raum für eine solide Geschichte auf deren Grundlage sich Helden, Begleiter und Antagonisten entwickeln können. Christoph Hardebusch verleiht den Trollen ein Gesicht und macht Lust auf mehr.

Die Trolle - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Christoph Hardebusch
Die Trolle
Erscheinungsjahr: 9.4.2012



Autor der Besprechung:
David Weigel

Verlag:
Heyne Verlag

Preis:
€ 9,99

ISBN:
9783453533813

784 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Betrachtungen der Menschen & Trolle
  • Sich entwickelnde Charaktere
  • Eine solide Geschichte als Handlungsrahmen
Negativ aufgefallen
  • Naja, ein Land zwischen den Bergen, ein Reitervolk und die Urbevölkerung... ein wenig Klischee ist erlaubt.
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Rezension vom: 30.04.2013
Kategorie: Rezensionen
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