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Rungholt Band 4: Todfracht

Story:
Nach seinen Abenteuern in München ist Rungholt wieder glücklich zurück im heimischen Lübeck. Auch die Brauerei, die ihn in den Ruin zu stürzen drohte, hat sich inzwischen zu einem guten Geschäft entwickelt und spült reichlich Geld in seine Kassen. Die Stadt indessen ist weniger glücklich dran: Die Vitalienbrüder, Piraten auf der Ostsee, blockieren den gesamten Seehandel. Für eine Hansestadt wie Lübeck ist das tödlich, eine Hungersnot droht.

Damit scheint ein Überfall, dessen Zeuge Rungholt und sein Kapitän Marek werden, zunächst nichts zu tun zu haben. Ein Engländer und seine Ehefrau werden im Hafen angegriffen, der Mann getötet. Rungholt nimmt die überaus hübsche Witwe bei sich auf und verbeisst sich darin, die Täter dingfest zu machen. Außerdem sieht er sich gezwungen, den Tod einer Dirne aufzuklären. Erst spät erkennt Rungholt, dass er in einen tödlichen Handelskrieg geraten ist, der auch Daniel – seinen Schwiegersohn, der in London neue Handelswege erschließen soll – in tödliche Gefahr bringt.

Meinung:
Der dicke, cholerische Hansa ist wieder in seiner Heimatstadt, und erneut bietet Lübeck die Kulisse für eine Mörderjagd. Das Wort "Kulisse" trifft es recht gut, denn Rungholt steht auch in diesem Band eindeutig im Zentrum der Geschichte. Er sucht die Mörder eines Engländers, dessen sehr attraktive Witwe nicht nur seinen Haushalt, sondern auch seinen Kopf durcheinanderbringt. Außerdem sucht er die Mörder einer Prostituierten aus einem Badehaus, und das nicht ganz freiwillig: Ein alter Feind hat Druckmittel in der Hand, mit der er die Spürfähigkeiten des "Bluthundes" Rungholt für seine politischen Zwecke nutzen will. Erst nach und nach wird deutlich, dass die Ursachen der Verbrechen doch recht weit entfernt vom Orbit um Rungholt zu suchen sind.

Auch Schwiegersohn Daniel, der im fernen London neue Geschäfte anbahnen soll, wird fast zu einer Kopie des Hauptdarstellers: Er beginnt einen Bauch anzusetzen, kann seine Wut nicht immer beherrschen – und bekommt weibliche Gesellschaft, die ihn, sagen wir, von seinen eigentlichen Aufgaben ablenkt. Diese Entwicklung lässt der Autor ihn augenzwinkernd sogar selbst konstatieren. Daniel ist auch fast der einzige Protagonist neben Rungholt, durch dessen Augen der Leser die Geschichte erlebt.

Dieses Erleben funktioniert, wie von der Serie gewöhnt, sehr gut. Derek Meister zeigt erneut, wie plastisch er erzählen kann. Brauchte der Vorgängerband noch etwas, bis er auf Touren kam, legt der Autor diesmal gleich zu Beginn Tempo vor. Rungholt und Marek geraten direkt in einen Kampf, in dem es Verletzte und Tote gibt. Überhaupt ist Meister diesmal mit Gewalt, Blut und Tod noch etwas "freigiebiger" als in früheren Bänden. Waren Rungholts bisherige Abenteuer schon nichts für zu junge Leser, gilt das für "Todfracht" in noch stärkerem Maße.

So erfolgreich wie der Autor das innere Auge des Lesers lenkt, so geschickt scheint er auch dessen Gedanken zu lenken. So legt Meister eine Spur schon früh im Buch, und viele werden sich selbst auf die Schulter klopfen, so früh "dahinter gekommen" zu sein – bis der Autor geschickt Zweifel sät. Sollte doch alles anders sein, oder ist der Mörder tatsächlich... Diese Spannung bleibt bis fast zum Schluss erhalten. Auch insgesamt fällt der Roman spannend aus.

Der Kriminalfall, oder besser gesagt dessen Auflösung, scheint hingegen nicht so recht zu Rungholt zu passen. Wie bereits erwähnt, ist der fette Hansa eindeutig das Gravitationszentrum der Reihe. So waren auch die Verbrechen, die er bisher aufklärte, im Vergleich klein, eher regional, wenn auch meist sehr spektakulär. Diesmal werden der Händler und seine Familie und Freunde in einen geheimen, internationalen Handelskrieg hineingezogen. Das ist, gewissermaßen von der Zoomeinstellung her, eine andere Kategorie als gewohnt und wirkt daher ein Stück weit störend.

Die Figurenzeichnung ist Meister erneut gelungen. Besonders bei zwei weiblichen Charakteren würde der Autor gerne mehr wissen, über ihr bisheriges Leben, ihre Vorgeschichte. Auch ansonsten trifft man viele Figuren aus den bisherigen Romanen wieder; manche sind Rungholt gut gesonnen, andere ganz im Gegenteil. Für folgende Geschichten werden ebenfalls bereits die ersten Ansätze erkennbar. Positiv fällt außerdem auf, dass sich gerade der Hauptdarsteller weiterentwickelt. Rungholt ist nach den eindrucksvollen Erlebnissen in München nicht einfach wieder zum "Normalzustand" zurückgekehrt, und auch die Ereignisse dieses Bands dürften ihn verändert haben.

Auf die historische Einbettung hat Meister auch diesmal erkennbar viel Mühe verwendet. Die Blockade der Vitalienbrüder ab 1393 gab es tatsächlich, ebenso wie die Auswirkungen auf Lübeck – und diejenigen, die daraus ihren Vorteil schlugen. Ob die Aktionen, denen Rungholt schließlich auf die Spur kommt, historisch sind, ist nicht überliefert. Möglich wären sie zur damaligen Zeit gewesen, wie Derek Meister in einem kurzen Anhang ausführt. Meisters Figuren sind unverkennbar Kinder ihrer Zeit. Das erkennt man an ihren Handlungen und Ansichten ebenso wie an ihrer Sprache. Der Autor hat also nicht einfach heutige Menschen gewissermaßen in historische Kostüme gesteckt. Trotzdem können auch Leser des 21. Jahrhunderts die Geschichte und die Charaktere ohne Probleme nachvollziehen.

Insgesamt ist "Todfracht" ein gelungener Rungholt-Roman mit kleineren Schwächen, bei dem Fans der Reihe jedoch voll ihre Kosten kommen dürften. Wer die Serie noch nicht kennt, sollte vorne beim ersten Band anfangen. Das ist hier noch empfehlenswerter als allgemein, da sich die Figuren über die Romane hinweg doch merklich weiterentwickeln.

Fazit:
Derek Meister liefert ein weiteres Rungholt-Abenteuer in gewohnter Qualität ab. Nur der Kriminalfall, den der dicke, cholerische Hansa schlussendlich aufdeckt, wirkt etwas unpassend, weil gewissermaßen in der falschen Zoomstufe. Das ist jedoch nur ein kleines Manko, der die Freude an einem gelungenen historischen Krimi nur wenig trübt.

Rungholt Band 4: Todfracht - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Derek Meister
Rungholt Band 4: Todfracht
Erscheinungsjahr: 2009



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Blanvalet

Preis:
€ 12,00

ISBN:
978-3-442-36894-5

398 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Der Autor lässt die Handlung geschickt vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden...
  • ... und lockt ihn ebenso geschickt auf falsche Spuren
Negativ aufgefallen
  • Der Kriminalfall wirkt vom Maßstab her nicht so recht passend
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Rezension vom: 11.02.2013
Kategorie: Historisches
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