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Götter, Sklaven und Orakel

Story:
Vom alten Rom über das antike Griechenland bis nach Ägypten – auch in der Antike gab es ebenso Verbrecher wie diejenigen, die ihren Untaten nachspürten.

Meinung:
Nach zwei Sammelbänden mit Kriminalgeschichten aus dem 19. Jahrhundert beziehungsweise aus dem Mittelalter gehen die Autoren diesmal noch weiter in die Geschichte zurück: "Götter, Sklaven und Orakel" versammelt neun "antike Mordgeschichten". Dieser Untertitel wirkt in mancher der Erzählungen aber ziemlich bemüht. Tote gibt es überall, aber oft steht anderes als der Mord im Zentrum.

Auch die Aufklärung der Verbrechen, im Sinne des klassischen "Whodunit", rückt bei vielen Geschichten eher in den Hintergrund. Stattdessen befassen sich eine erstaunlich hohe Anzahl der Autoren mit kulturellen und sittlichen Unterschieden. Am deutlichsten ist es in Bernhard Hennens Beitrag, wo die minoische und die mykenische Kultur, sagen wir, sich aneinander reiben. Im Vergleich zu seiner Geschichte im Vorgängerband kommt der vor allem für phantastische Geschichten bekannte Hennen mit dieser Epoche merklich besser zurecht. War seine mittelalterliche Erzählung noch ein Schwachpunkt des zweiten Sammelbands, ist sein Beitrag diesmal einer der besseren.

Insgesamt können die antiken Geschichten aber nicht so überzeugen wie die vorherigen Sammlungen, die Doris Mendlewitsch zusammengestellt hat. Keine der enthaltenen Beiträge ist ein wirklicher Ausfall, aber bei einer erkleckerlichen Anzahl lässt sich der berühmte Funke lange Zeit, bis er überspringt. Auffällig ist auch, in wie vielen der Geschichten Sex oder Erotik eine prägende Rolle spielen. Das gelingt mal besser, mal weniger gut.

Die historische Einbettung wiederum ist etwas, auf das alle Autoren merklich Mühe verwendet haben. Es sei dahingestellt, ob beispielsweise jedes Detail der Begräbnisfeiern für den ermordeten Cäsar, die Robert Gordian schildert, mit dem tatsächlichen Geschehen zusammenpasst. Die Mentalitäten der damaligen Zeit werden erfreulich gut berücksichtigt, die Charaktere sind nicht einfach moderne Menschen in Toga und Tunika. Einem heutigen Leser wird es etwa nachdenklich stimmen, welche Prioritäten ein römischer Konsul in einem Religionsfrevel den verschiedenen Verbrechen einräumt: Testamentsfälschung, Raub, Vergewaltigung, Mord, alles schlimm, aber dass bei den Massenorgien kein Unterschied mehr zwischen Sklaven und Freien, zwischen Plebejern und Patriziern mehr gemacht wird, das empört ihn eindeutig am meisten.

Positiv fällt auch auf, dass die Themenvorgabe "Antike" nicht auf "Rom und noch ein bisschen Griechenland" eingeengt wird. Zwar spielen die meisten Geschichten in der Ewigen Stadt, aber auch Griechenland – und das nicht nur in der klassischen, athenischen Antike – oder Ägypten bekommen ihr Recht. Daraus ergibt sich allerdings ein gewisser Anspruch an die Vorbildung des Lesers. Wer, um nochmals auf Bernhard Hennens Beitrag zurückzukommen, nicht wenigstens eine ungefähre Vorstellung von der minoischen Hochkultur im Vergleich mit den Kriegerkönigreichen Mykenes hat, wird eine Weile brauchen, die daraus entstehenden Gegensätze zu verstehen. Ähnlich ist es zum Beispiel bei Robert Gordian, wo einem die aus der Endphase der römischen Republik bekannten Namen nur so um die Ohren gehauen werden. Ein Geschichtsstudium benötigt man aber für keinen der Beiträge, eine halbwegs gute Allgemeinbildung reicht völlig.

Der Vorgängerband hatte gezeigt, dass gute Kriminalgeschichten aus dem Mittelalter nicht aus dem englischen Sprachraum kommen müssen. Auch deutsche Autoren können hier einiges vorweisen. Das klappt in "Götter, Sklaven und Orakel" weniger gut. Das liegt vor allem daran, dass wie erwähnt die meisten Geschichten nicht so recht "zünden". Nichtsdestoweniger dürften auch hier viele Leser den einen oder anderen Autoren finden, von dem sie gerne mehr lesen möchten. Als englischsprachiger "Gastautor" ist diesmal Steven Saylor mit seinem Sucher Gordianus vertreten. Bis auf seine Geschichte und die von Robert Gordian wurden alle Beiträge eigens für diesen Band verfasst.

Fazit:
Im dritten Sammelband mit historischen Kriminalgeschichten geht es in die Antike. Positiv fällt auf, dass einige Autoren über das übliche Klischee "Antike ist Rom mit ein bisschen Athen zur Abrundung" hinausgehen. Auch die historische Einbettung und die damalige Denkungsart ist gut getroffen. Auf der anderen Seite brauchen die meisten Geschichten zu lange, bis der berühmte Funke überspringt.

Götter, Sklaven und Orakel - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Doris Mendlewitsch (Hrsg.)
Götter, Sklaven und Orakel
Erscheinungsjahr: 1996



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Econ

ISBN:
3-612-25124-4

412 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Der Begriff der Antike wird erfreulich weit gefasst
  • Die historische Einbindung und damalige Mentalität ist gut wiedergegeben
Negativ aufgefallen
  • Bei den meisten Geschichten springt der Funke erst spät über
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Rezension vom: 17.12.2012
Kategorie: Historisches
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