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Jorian-Zyklus 01: Der Schmetterlingsthron

Story:
König Jorian ist ein guter Herrscher und beliebt beim Volk von Xylar. Trotzdem soll er geköpft werden. Denn so ist es Gesetz in dem Staat, nach fünf Jahren verliert der König den Kopf, und wer das abgeschlagene Haupt auffängt, wird sein Nachfolger – für die nächsten fünf Jahre.

Jorian hat aber nicht die Absicht, sich diesem alten Brauch zu beugen. Und so tüftelt er mit dem Zauberer Karadur einen waghalsigen Plan aus, mit dem Kopf auf den Schultern aus Xylar zu fliehen. Und das ist nur das erste der Abenteuer, die den beiden bevorstehen...

Meinung:
Lyon Sprague de Camp gehört zu den Autoren, die das sogenannte Goldene Zeitalter des Science Fiction in den 1930ern und 1940ern wesentlich prägten. Der 1907 in New York City geborene de Camp studierte Luftfahrttechnik und verdiente zunächst in den verschiedensten Berufen seinen Lebensunterhalt, darunter als Techniker, Erzieher, Sachbearbeiter für Patente oder als Werbetexter. Als er den letztgenannten Job in der Weltwirtschaftskrise verlor, entschloss er sich, für die sehr erfolgreichen Pulp-Magazine zu schreiben.

Diese billig produzierten Hefte (der Begriff "Pulp" stammt von dem qualitativ schlechten Papier, auf dem die Magazine gedruckt wurden) sammelten meist reißerische, eher einfach gestrickte Geschichten verschiedener Autoren aus diversen Literaturgattungen. Sie waren auch berüchtigt für ihre Titelbilder, die gerne halbnackte junge Frauen zeigten, die auf Rettung durch den Helden warteten. Damit prägten sie ein Bild des phantastischen Genres, das teilweise bis heute nachwirkt. Aber die Pulps trugen auch viel zur Entwicklung speziell der Science Fiction bei, nicht zuletzt dadurch, dass sie vielen später berühmten Autoren die ersten Möglichkeiten zur Veröffentlichung gaben. Die Magazine bezahlten zwar schlecht, aber es gab viele von ihnen, und wenn man genug schrieb, konnte man davon leben. Zu den Schriftstellern, die in Pulp-Magazinen ihre Wurzeln haben, gehören Isaac Asimov, Ray Bradbury, Edgar Rice Burroghs, Philip K. Dick, Dashiell Hammet oder H. P. Lovecraft. Und eben auch Lyon Sprague de Camp lässt sich hier einreihen.

Im Laufe seiner sechs Jahrzehnte umfassenden Karriere sollte der Autor mehr als 100 Romane, Sachbücher und Kurzgeschichten schreiben. Viele seiner Werke verfasste er zusammen mit seiner Frau Catherine Crook oder seinem langjährigen Freund Spencer Pratt. Als ehemaligen Erzieher störte sich de Camp an den Logikfehlern in vielen Geschichten der damaligen Zeit. In seinen eigenen Geschichten zeigte er, dass es auch ohne diese Lücken geht. Damit hatte er wesentlichen Einfluss auf Spielarten wie die Space Opera (etwa in seiner "Viagens Interplanetarias"-Serie) oder Zeitreise-Geschichten (beispielhaft genannt sei "Ein Yankee am Hofe König Arthurs"). In der Fantasy war de Camp entscheidend an der Wiederbelebung von Sword and Sorcery beteiligt, indem der die Geschichten um Robert E. Howards Barbaren "Conan" zunächst überarbeitete und später eigene hinzufügte. Viele seiner Werke lassen sich in die leichte, humorvolle Fantasy einordnen, und hier ist auch der Zyklus um (Ex-)König Jorian zu finden.

Um die drei Bände, deren erster "Der Schmetterlingsthron" ist, gruppiert de Camp später noch weitere Geschichten im gleichen Universum. Den Anfang bildete jedoch dieser Roman aus dem Jahr 1968. Und ihm merkt man die Ursprünge des Autoren im Pulp deutlich an. Der Held Jorian ist nicht nur außergewöhnlich groß und athletisch, es liegen ihm auch reihenweise die Frauen zu Füßen. Während seiner Zeit als König, als der wortwörtliche Verlust seines Kopfes bereits in Aussicht stand, hat er sich von den Meistern der verschiedensten Gebiete, vom Schwertkampf bis zum Trickbetrug, ausbilden lassen. Er betont zwar, auf jedem Gebiet hinter seinem jeweiligen Lehrer nur der Zweitbeste zu sein, aber auch das macht ihn zu einem beinahe unbesiegbaren Helden, der immer noch mindestens einen Trick im Ärmel hat. Dass er, wie er seinem Reisegefährten Karadur gelegentlich erzählt, bei ihren Abenteuern häufig große Angst hat, merkt man ihm ansonsten nicht an.

Mit diesem unverwüstlichen Universalhelden liefert de Camp sichtbar ein Stück weit eine augenzwinkernde Parodie der klassischen Pulp-Geschichten. So werden viele bekannte Motive entweder überdreht oder geschickt verändert und damit ihres heroischen Mantels entkleidet. Etwa hat ein König, von dem Jorian erzählt, keinen gesunden Menschenverstand mitbekommen. Denn die Fee, die für diese Gabe zuständig gewesen wäre, ist auf seiner Tauffeier beleidigt wieder abgerauscht, weil eine andere Fee dasselbe Kleid trug. Überhaupt rettet sich der Protagonist häufig mit einer Geschichte, in bester Tausendundeine Nacht-Manier.

Die Struktur der Geschichte ist ebenfalls merklich an die Magazin-Fortsetzungsgeschichten angelehnt. Abenteuer reiht sich an Abenteuer, Nebenfiguren und Antagonisten verschwinden so schnell wieder wie sie aufgetaucht sind. Häufig wird die Handlung weniger erzählt als mehr beschrieben, was es nicht leicht macht, in die Geschichte "hineinzukommen". Aber kurzweilig ist es mit Sicherheit, wie Jorian immer noch eine Idee auf Lager hat, um seinen Feinden zu entkommen. Auch die bereits erwähnte teils Hommage, teils Parodie auf so manches Stereotyp der phantastischen Literatur trägt zum Humor der Geschichte bei.

"Der Schmetterlingsthron" ist sicher kein Roman, der seine Leser durch Intensität, sorgfältig gestaltete Figuren oder tiefe Einsichten in seinen Bann zieht. Aber nicht zuletzt Fans der alten Pulp-Geschichten, die auch eine augenzwinkernde Behandlung ihres Hobbies vertragen können, werden daran ihre Freude haben. Und allen anderen bietet er etwa während einer langen Zugfahrt einige Stunden gute Unterhaltung.

Lyon Sprague de Camp verstarb im Jahr 2000.

Fazit:
Die Anfänge der Karriere von Lyon Sprague de Camp gehen bis zu den Pulp-Magazinen der 1930er bis 1950er zurück. Von diesem hat "Der Schmetterlingsthron" auch viele Merkmale übernommen, sichtbar teils als Hommage, teils parodistisch überspitzt. Wer Freude an einem Helden hat, der immer noch einen Trick im Ärmel hat und auf allen Gebieten mindestens der Zweitbeste ist, kommt hier auf seine Kosten. Alle anderen bekommen zumindest einige Stunden kurzweilige Unterhaltung geboten.

Jorian-Zyklus 01: Der Schmetterlingsthron - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Lyon Sprague de Camp
Jorian-Zyklus 01: Der Schmetterlingsthron
The Goblin Tower

Übersetzer: Thomas Schlück
Erscheinungsjahr: 1975



Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Heyne Verlag

ISBN:
3-453-07937-X

269 Seiten
Positiv aufgefallen
  • Eine kurzweilige Abenteuergeschichte im besten Pulp-Stil
Negativ aufgefallen
  • Nennenswerte Ansprüche an Charakterzeichnung und -entwicklung, intensives Erzählen oder tiefe Einsichten sollte man nicht stellen
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Rezension vom: 06.06.2011
Kategorie: Fantasy
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