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Texte ohne Rechte: Podiumsdiskussion Urheberrecht und Internet
Es nichts Neues, dass das Internet Künstlern neue Möglichkeiten bietet, das "Copy/Paste"-Zeitalter Kreative weltweit aber auch vor neue Herausforderungen stellt. Diesem Sachverhalt widmete sich eine vom internationalen Center der Buchmesse in Kooperation mit Auswärtigem Amt und Literaturwerkstatt veranstaltete Podiumsdiskussion und ähnlich heterogen, wie sich das Thema selber darstellt, setzte sich auch die Gesprächsrunde zusammen.

Rechtsanwalt Alexander Unverzagt aus Hamburg betonte die auch aktuell große Bedeutung des Urheberrechtes, verschwieg aber auf der anderen Seite nicht dessen Probleme. So sei zum einen das momentan gültige, zum 01.01.2008 von der Bundesregierung aber überarbeitete Gesetz zum Thema, den neuen Anforderungen nicht gewachsen, zum anderen gelte es im Internet eine so große Anzahl an Gesetzen zu beachten, dass eine verstehende Kenntnis desen für den Durchschnittsnutzer schlicht illusorisch sei. Trotzdem stelle aber nur das Urheberrecht sicher, dass Künstler auch wirklich für ihre Kunst angemessen entlohnt würden und ihre Reputation nicht gefährdet würde.

Autorin Monika Rinck aus Berlin vertrat die kreativen und damit scheinbar benachteiligten Teilnehmer der beschriebenen Prozesse. Aus eigener Erfahrung wisse sie nur zu genau, welchen Einfluss das Internet für ihren Berufsstand bedeuten würde. Auch sie habe erlebt, dass ihre Texte kopiert worden wären, hielte den Wertgegenstand "Buch" aber für stark genug, den Reizen des Netzes zu widerstehen. Niemand würde sich ja einen Text zur Gänze auf dem Bildschirm durchlesen, vielmehr fungiere ein Ausdruck eher als Möglichkeit, schon einmal in den Text zu "schnuppern". Ganz abgesehen davon verdiene ein Autor sein Geld nicht primär durch den Buchverkauf. Darüber hinaus habe das Internet auch eine neue, lebendige Form der Literatur geschaffen.

Michael Rueger, Entertainment Engineer aus Berlin, erhielt für seine offensiven Thesen von Beginn an eher geteilte Zustimmung. Ihm zu Folge müsse sich jeder Schaffende gegenwärtig darüber im Klaren sein, dass eine Veröffentlichung im Internet mit einer Aufgabe jeglicher Rechte einhergehen würde. Digitalisierte Texte würden praktisch ohne jede Kontrollmöglichkeit weitergegeben und kopiert, der Kreative könne den weiteren Werdegang seines Werks nur sehr schwer zu kontrollieren. Diese bedauerliche Tatsache gelte es anzuerkennen, aber er würde durch die immensen Möglichkeiten des Internets wieder aufgewogen. Jeder, der "cleverer als andere" sei, könne vom Internet nur profitieren.

Catharina Maracke, angestellt bei Creative Commons International, bildete das erneuernde Element der Gesprächsrunde und stellte die von ihrem Arbeitgeber entwickelten Lizenzverträge, die das Copyright u.a. visuell sichtbar, damit verständlicher machen und somit entschlacken würden. Creative Commons verstände sich dabei aber nicht als Fürsprecher der Kreativen, sondern biete schlicht das nötige Handwerkszeug, um auch in der digitalisierten Umgebung das Urheberrecht sinnvoll nutzen zu können.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Thomas Wohlfahrt von der Literaturwerkstatt Berlin, der sich bemühte, den alle Teilnehmer in den Gesprächsverlauf einzubinden, was in Anbetracht der sehr engagiert argumentieren Herren nicht immer gelang. Seine Einwürfe und oft bewusst übertriebenen Thesen wussten die Diskussionsteilnehmer aber immer zu interessanten Wortwechseln zu bewegen.

Im Laufe der Veranstaltung wurde aber schnell deutlich, dass die Positionen, so gegensätzlich sie zu Beginn auch geklungen hatten, eine deutliche Übereinstimmung beinhalteten. Alle Beteiligten kamen dahingehend überein, dass die Position der Urheber weiter gestärkt werden müsse, die momentane Gesetzeslage zu kompliziert wäre und begrüßten deshalb den Impuls von Creative Commons.

Die Vorstellungen zukünftiger Entwicklungen auf dem Gebiet des Urheberrechts fielen dann aber eindeutig unterschiedlich aus. Während Michael Rueger bis zum Ende bei seiner Darstellung der immensen Möglichkeiten des Internets blieb und seinen Fortschrittsglauben gegen jede Form der Einschränkung verteidigte, fiel die Bewertung von Monika Rinck diesbezüglich ambivalenter aus. Obwohl auch sie die neue, der globalen Vernetzung zu verdankende, Form der Arbeit lobte, relativierte sie die von Rueger vertretene unaufhaltsame Entwicklung der Technik. Sie glaube an die Kraft des Buches, an die Position ihres Berufsstandes, er müsse sich aber den neuen Herausforderungen stellen und dabei vom Gesetzgeber unterstützt werden. Catharina Maracke zeigte sich erfreut, dass ihre Vorschläge zum Thema auch von den Künstlern gewürdigt würden und wies explizit darauf hin, dass diese Modellverträge noch angepasst werden müssten und würden, sie aber einen entscheidenden Impuls darstellten. Alexander Unverzagt schließlich bestritt diesen Impuls nicht, bezweifelte aber die juristische Haltbarkeit der Entwürfe.

So zeigte sich abschließend ein Meinungsbild, dass die Positionen zum Thema wohl treffend wiedergibt. Urheberrecht hat zwischen den Polen absoluter Liberalisierung und strengster Limitierung einen Mittelweg zu finden, der die Stärke seines Inhaltes würdigt. Und das das Buch stark ist, daran hatte keiner der Diskussionsteilnehmer einen Zweifel.

Für alle, die sich trotz des notwendigerweise langen Textes noch weiter mit dem Thema beschäftigen wollen, bieten wir einen Mitschnitt der Diskussion an. Und der lohnt sich absolut...


Daten dieses Berichts
Bericht vom: 10.10.2007 - 17:40
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Max Link
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