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Katharina Hacker im Gespräch beim SPIEGEL
Die frischgebackene Trägerin des Deutschen Buchpreises 2006 sprach mit SPIEGEL-Redakteur Volker Hage über laute und leise Literaturpreise, die Bedrohungen ihrer Generation und natürlich ihren Roman "Die Habenichtse".

Der im letzten Jahr erstmals vergebene Deutsche Buchpreis ist ein vergleichsweise "lauter" Literaturpreis, der mit viel Wirbel um die Kandidaten und den Gewinner verbunden ist. Wie beispielsweise beim britischen Man Booker Prize gibt es zuerst eine Long List, aus der dann einige Zeit später die Kandidaten für die Short List ausgewählt werden. Einer der sechs Autoren auf der Short List wird schließlich zum Preisträger gekürt. Im Vergleich dazu ist zum Beispiel der Kleist-Preis ein eher "stiller" Preis.

Katharina Hacker sitzt am liebsten zu Hause am Schreibtisch, aber der Trubel und die Aufmerksamkeit, die sie als Preisträgerin erfährt, betrachtet sie als gute Übung. Außerdem sagt sie sich, daß sie jederzeit die Möglichkeit hat, aufzustehen und nach Hause zu gehen. Und insgesamt ist ihr fast jeder "Trick" recht, der die Menschen zum Lesen bringt - besonders dazu, Bücher zu lesen, die sie sonst nicht gelesen hätten.

Die Anschläge vom 11. September dienen im Moment vielen Romanen als Hintergrund. Katharina Hacker hat dieses Thema bewußt etwas platt und direkt aufgegriffen: Ihre Hauptfigur Jakob war noch am 10. September in den Twin Towers, und sein neuer Job in London war eigentlich für einen Kollegen vorgesehen, der bei den Anschlägen ums Leben kam. Aber hinter dem ziemlich direkten Ansatz verbirgt sich bei genauerem Hinsehen mehr. Einige Autoren, wie zum Beispiel John Updike, versuchen sich ihn ihren Romanen der Gedankenwelt von Terroristen und Selbstmordattentätern zu nähern. Katharina Hacker möchte das nicht tun, sie möchte nicht in die Köpfe von Menschen kriechen, die bereit sind Dutzende Morde zu begehen. In "Die Habenichtse" wird ein kleines Mädchen gequält, und es ist der Autorin schon sehr schwergefallen, diese Szene aufs Papier zu bringen.

Der Titel ihres ausgezeichnete Romans bezieht sich nicht nur auf das Materielle: Auch wer an Geld, Besitz und Karriere viel hat, kann ein "Habenichts" sein. Abgesehen davon muß man, so Katharina Hacker, nicht nur etwas haben, man muß auch wissen, daß man es hat. Sonst könnte es genauso gut fehlen.

Auch die Rolle als Sprecherin ihrer Generation, als die sie häufig gesehen wird, ist Katharina Hacker nicht unbedingt recht. Die 1967 geborene Autorin hat zwar versucht, einige Gemeinsamkeiten ihrer Altersgenossen herauszuarbeiten, aber sie will sich nicht anmaßen, daß ihr das vollständig gelungen sei. Katherina Hacker hat den Eindruck, daß ihre Generation vielen Bedrohungen entkommen ist. In den Siebzigern mußte sie einige Male das Schulgebäude verlassen, weil eine Bombendrohung eingegangen ist. Als Teenagerin hatte sie sich regelrecht zur Expertin für Neutronenbomben entwickelt und ihre Eltern angefleht, in die Schweiz zu ziehen - in den Bergen wäre man bei einem atomaren Angriff vergleichsweise sicher. Und auch spätere Bedrohungen wie das Waldsterben hat ihre Generation überstanden.

Wie schon im Fall der Anschläge des 11. September, hat Katharina Hacker auch hier bewußt eine überpointierte Darstellung gewählt. Vom simplen ersten Anschein aus kann der Leser jedoch weiterdenken. Damit macht sich die Autorin bewußt angreifbar. Sie glaubt, die Diskussion könnte einen fruchtbaren Ansatz für weitere Erkenntnisse bieten.

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Bericht vom: 04.10.2006 - 16:51
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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