Sein Name war von Bülow, aber er kauft jetzt leider nicht mehr hier ein.
Wie der Diogenes Verlag meldet, ist Vicco von Bülow alias Loriot in der gestrigen Nacht an Altersschwäche verstorben. In wenigen Wochen wäre er 88 Jahre alt geworden. Seine überaus genau beobachteten Figuren brauchten nie die große Lautstärke, um das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Wohl jedem fallen aus dem Stehgreif gleich mehrere Szenen aus seiner Feder ein, seien es die Herren in der Badewanne ("Die Ente bleibt draußen!"), die Nudel ("Sie haben da was...") oder der erste Einkauf nach der Pensionierung ("Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!").
Die Liste der Felder, auf denen Loriot Erfolge feiern können, ist lang. Er war Humorist, Karikaturist, Autor, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner. Nicht minder beeindruckend sind seine Auszeichnungen. Zu den wichtigsten gehören das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, der Grimme-Preis in Silber (bereits 1973), der Erich-Kästner-Preis für Literatur oder der Jacob-Grimm-Preis für seinen Einsatz um die deutsche Sprache. Für sein Lebenswerk wurde Loriot mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet, 2009 erhielt er den Lola-Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie.
Der 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow begann, der Familientradition folgend, während des Zweiten Weltkriegs eine Offizierslaufbahn. Da hatte er allerdings bereits erste Theatererfahrungen gesammelt. Nach dem Krieg legte er 1946 das Abitur ab und studierte Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg. Bereits für die ersten Arbeiten als Werbegrafiker, die er nach dem Abschluss zeichnete, schuf er seine legendären Knollennasen. Nachdem andere Verlage abgesagt hatten, erschien 1954 Loriots erster Cartoonband im Schweizer Diogenes Verlag, wo er einer der ersten Autoren war. Bis heute sind bei Diogenes 114 Bände von ihm erschienen.
Seine Arbeit als Zeichner ergänzte von Bülow ab 1967 mit der Moderation der ARD-Sendung "Cartoon", für die er auch als Autor und Regisseur verantwortlich war. Aus der reinen Moderation wurde schnell ein eigenständiges humoristisches Element der Sendung. Für die Sendungen zugunsten der damaligen "Aktion Sorgenkind" (heute "Aktion Mensch") schuf er die Maskottchen Wum und Wendelin. Hund Wum, dem Loriot auch die Stimme lieh, kam mit dem Lied "Ich wünsch mir eine kleine Mietzekatze" sogar in die Hitparade. In den Siebzigern entstanden die ersten TV-Sendungen, die gezeichnete und gespielte Sketche von Loriot präsentierten. Diese Sendungen werden bis heute häufig wiederholt und sind ausgesprochen populär. Regelmäßige Partnerin für von Bülow war die Schauspielerin Evelyn Hamann.
Familiäre Bindungen - Hans von Bülow, der erste Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, ist ein entfernter Verwandter - und die persönliche Begeisterung für klassische Musik und Oper führten Loriot auch auf dieses Feld. Unter anderem war er an einer Erzählfassung des "Karnevals der Tiere" beteilgt und brachte als Regisseur "Martha" und den "Freischütz" auf die Bühne.
Eine weitere Facette seines Schaffens begann 1988 mit Loriots ersten Kinofilm "Ödipussi", auf den 1991 "Pappa ante Portas" folgte. Beide Filme fanden beim Publikum großen Anklang. 2006 kündigte von Bülow an, sich als Fernsehschaffender zurückzuziehen. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der multitalentierte Künstler ist in seinem Haus in Ammerland am Starnberger See "sanft entschlafen", wie die Süddeutsche Zeitung eine Sprecherin von Diogenes zitiert.
Eines erscheint klar: Loriot wird eine gewaltige Lücke hinterlassen. Es ist niemand in Sicht, der sich über uns Deutsche mit so viel Witz, so punktgenau treffend und gleichzeitig so liebevoll lustig machen könnte. Früher war mehr Lametta - und früher war mehr Loriot.
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