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Kein neuer Fänger
Ein schwedischer Autor darf "Der Fänger im Roggen" nicht einfach fortsetzen
Wohl kein Künstler arbeitet im luftleeren Raum, jeder bezieht sich mehr oder weniger stark auf etwas, was andere vor ihm geschaffen haben. Aber gelegentlich ist der Schöpfer eines Vorbilds nicht damit einverstanden, und manchmal wehrt er sich. Das musste der schwedische Autor Fredrik Colting erfahren, der einen Roman auf der Basis von JD Salingers "Der Fänger im Roggen" geschreiben hat.

Sein Buch mit dem Titel "60 Jahre später: Durch den Roggen kommen" schildert den seinerzeit unverstandenen siebzehnjährigen Holden Caufield als alten Mann. Inzwischen ist "Mr C." 76 Jahre und lebt in einem Altersheim. Aus dieser Anstalt reißt der demenzkranke alte Mann aus und irrt durch New York.

In Großbritannien ist der Roman, den Colting unter dem Pseudonym "J. D. California" veröffentlicht, bereits erschienen. In den USA hat JD Salinger jedoch gegen die Veröffentlichung geklagt - und Recht bekommen. Während Colting sein Werk als literarischen Kommentar zum Original betrachtet, findet Salingers Anwalt deutlichere Worte: Für ihn ist das Buch "Abzocke, schlicht und einfach". Auch Richterin Deborah Batts vom New Yorker Bezirksgericht sieht "60 Jahre später" eher als Fortsetzung, die durch die Verwendung des Originalcharakters gegen das Urheberrecht von JD Salinger verstößt. Coltings Argumente, er habe das Buch geschrieben, um den Charakter Holden Caufield literarisch zu untersuchen, nannte sie "problematisch und wenig glaubwürdig". Hingegen habe der Autor "deutlich mehr vom 'Fänger' genommen, sowohl substantiell als auch stilistisch, als für den angegebenen Zweck, Salinger, seine Einstellungen und sein Verhalten zu bewerten, notwendig gewesen wäre."

Das neue Buch darf in den USA weder veröffentlicht oder vertrieben noch beworben werden. In Großbritannien ist der Roman bereits erschienen, von einer eventuellen deutschen Ausgabe ist bisher nichts bekannt geworden. Nach dem New Yorker Urteil stehen die Chancen dafür auch nicht unbedingt gut.

Fredrik Colting äußert sich verständnislos. Er habe nicht gedacht, dass man in den USA Bücher verbiete, zitiert ihn die New York Times. Es seien doch nur Worte. Ob Colting in seine Überlegungen einbezogen hat, dass sich der inzwischen 60 Jahre alte "Fänger im Roggen" immer noch geschätzte 25.000 Mal pro Jahr verkauft und eine Fortsetzung sich da ein Stück vom Kuchen abschneiden könnte, ist nicht bekannt. Literarisch ist Colting bisher eher nicht auffällig geworden, er ist Autor von Titeln wie "Macho Man's Drinkbook: Because Nude Girls and Alcohol Go Great Together".


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News vom: 09.07.2009
Kategorie: Allgemein
Quelle: BBC News, tagesspiegel.de, FTD.de, abendblatt.de, n-tv.de, Spiegel Online
Autor dieser News: Henning Kockerbeck
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